Mit blauem Auge davongekommen

Autor
Pascal Oesch

Nach fulminantem Beginn reichte es den Kadetten Schaffhausen gegen Wacker Thun zu einem knappen 30:29-Sieg.

Entschlossen bis zur Schlusssirene: Kadetten-Spieler Markus Richwien (7) findet die Lücke zwischen den Thunern Sven Kreiner (links) und Thomas Lanz (10). Die Gastgeber siegten knapp mit 30:29. Bild: Michael Kessler

Seine 16. Parade war die wichtigste. Drei Sekunden vor der Schlusssirene machte Kadetten-Torhüter Simon Kindle den letzten Versuch Wacker Thuns zunichte. Er hielt den Schuss von Jonas Dähler – und sicherte seiner Mannschaft so den 30:29-Sieg. Schaffhausen-Keeper Kindle gehörte zu den Eckpfeilern des Erfolgs. Keine Frage – bei einer Abwehrquote von 40 Prozent. Die Gastgeber kamen vor heimischer Kulisse mit einem blauen Auge davon; der 17:13-Pausenführung liessen sie einen mässigen zweiten Durchgang folgen. Ein Durchgang, in dem ihnen die Berner um ein Haar den Schneid abgekauft hätten. Und einer, in dem sie ihr offensives Potenzial zu selten entfalten konnten.

Wer dachte, die Kadetten würden nach dem Seitenwechsel nichts mehr anbrennen lassen, wurde eines Besseren belehrt. Manch einer im Publikum schien sich verwundert die Augen zu reiben. Plötzlich kehrte die Spannung in diesen Spitzenkampf zurück: Zwischen 33. und 43. Minute gelang Schaffhausen kein einziger Treffer – mit entsprechenden Folgen. Thun holte auf, war plötzlich wieder im Geschäft, witterte Morgenluft. Nach Thomas Lanz’ 19:19 hatte der Cupsieger einen Fünf-Tore-Rückstand wettgemacht. Und es kam noch besser: Eine Viertelstunde vor dem Ende lag er erstmals in Führung; 20:21 stand es aus Sicht der Kadetten. Was folgte, war ein Drahtseilakt, bei dem der Match hätte kippen können. «Die zweite Halbzeit war nicht gut», gestand der zweifache Torschütze Markus Richwien ein. Der rechte Flügel übte Selbstkritik: «Es war sicher nicht unsere beste Leistung, doch wir haben gekämpft. Das ist das A und O im Handball.» In der Tat entdeckten die Kadetten darin ein probates Mittel, um ein Davonschwimmen ihrer Felle zu verhindern.

Küttel und Liniger am besten

Dank dem zum besten Spieler gewählten Dimitrij Küttel und Manuel Liniger rissen sie die Führung wieder an sich; mit jeweils sieben Treffern trugen die beiden entscheidend zum Erfolg bei. Als beste Schaffhauser Werfer waren sie stete Aktivposten. Schliesslich war es aber Zoran Markovic, dem die beiden letzten Tore im Match des gestrigen Sonntags gelangen. Markovic machte aus einem 28:29-Rückstand einen 30:29-Vorsprung – das Endresultat.

Die dramatische, mitunter hektische Schlussphase liess beinahe vergessen, dass Schaffhausen fulminant begonnen hatte und nach der Startviertelstunde alle Trümpfe in der Hand gehalten hatte. 10:6 führte es zu diesem Zeitpunkt. Wacker Thun wusste trotz erstem Time-out nicht, wie ihm geschah. Alles deutete auf einen ruhigen Wochenausklang hin – zumindest für die Kadetten. Akzentuiert wurde diese Tatsache dadurch, dass die mit einer langen Absenzenliste angereisten Gäste weiter geschwächt wurden. Nämlich mit einer umstrittenen Roten Karte gegen Viktor Glatthard, der Markovic kurz vor der Pause gefoult hatte.

Doch wer mit den Besonderheiten des Handballsports vertraut ist, weiss, dass sich eine Mannschaft nie in falscher Sicherheit wiegen darf. Trotzdem fand der Abend ein gutes Ende. Die Kadetten wahrten ihren Vier-Punkte-Vorsprung in der Tabelle: Zwei Runden vor Abschluss der Finalrunde kann Schaffhausen faktisch nicht mehr vom ersten Rang verdrängt werden. «Wir wollen die nächsten zwei Spiele trotzdem gewinnen, um nachher bereit zu sein», formulierte Markus Richwien die Vorgabe für den weiteren Verlauf dieser Woche.

Übermorgen Mittwoch reisen die Kadetten zum HC Kriens-Luzern, ehe für Samstag noch das Heimspiel gegen den Uraltrivalen Pfadi Winterthur terminiert ist.

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