Ex-FCS-Spieler Frontino: «In der Challenge League bist du niemand»

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Schaffhauser N…

Verdienen Profis in der Challenge League zu wenig? In einem Interview erhebt Gianluca Frontino, ehemals Kapitän des FC Schaffhausen, teils wenig schmeichelhafte Vorwürfe gegen den FCS.

Der ehemalige FCS-Profi Gianluca Frontino. Bild: Radio Munot

Millionen auf der Bank, Geld zum verprassen, einen Luxuswagen mit allen Extras mal eben aus der Portokasse zahlen – das kommt wohl den meisten in den Sinn, wenn sie an Gehälter von Fussballprofis denken. Dass es auch ganz anders laufen kann, hat jetzt der ehemalige FCS-Profi Gianluca Frontino im Interview mit watson gesagt.

Demnach habe er, als er mit 20 beim FC Schaffhausen angefangen habe, gerade mal «800 Franken pro Monat» erhalten. Das entspricht ungefähr dem Lohn eines Parkettleger-Lehrlings im ersten Lehrjahr. Nachdem er ein Jahr bei der Spielvereinigung Schaffhausen gespielt hatte, habe er dann immerhin 3000 Franken pro Monat verdient. «Ich würde mal sagen, das ist bei Vereinen wie dem FC Schaffhausen der Durchschnittslohn», so Frontino. «Das ist Horror, es ist lächerlich.»

Die Vereine in der Challenge League würden von den Spielern «höchste Seriosität» und Professionalität erwarten und dass sie nichts «neben dem Fussball» machen, aber «entlohnt wirst du schlecht, wirklich schlecht».

Er sei dabei kein Einzelfall: «Ich kenne Spieler, die mit 28, 29 Jahren in der Challenge League höchstens 4000 Franken verdient haben.» Das sei oft doppelt tragisch, da diese Spieler keine andere Möglichkeiten hätten um an Geld zu kommen und auch keine Sponsoren hätten. «Die meisten Jungs haben einen Riesenaufwand und verdienen einen Scheissdreck», so Frontino. Diese Spieler, dort schloss sich Frontino im Interview selbst ein, seien jedoch «selbst Schuld», wenn sie solche Verträge unterzeichneten.

Trotzdem liebe er den Fussball, wie er sagt und auch die Zeit beim FC Schaffhausen: «Du machst einfach das, was du liebst. Und du wirst noch entlohnt. Das ist wirklich geil, aber wenn du etwas für die Zukunft machen möchtest, ist es nicht optimal.»

Erst als Frontino demnach zum FC Thun wechselte, habe er einen Lohn gehabt von dem er sagen könne: «Das ist mehr, als wenn ich ‹normal› arbeiten gehen würde.»

Gianluca Frontino spielte mehrere Jahre beim FC Schaffhausen, war dort unter anderem Kapitän. Mit 29 beendete er seine Fussballkarriere beim FC Aarau. Heute ist er Versicherungs- und Vorsorgeberater bei der Mobiliar in Schaffhausen. Zusätzlich ist er Spielertrainer beim FC Diessenhofen. (rd)

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