Die grosse Analyse mit Murat Yakin

Autor
Tobias Erlemann

In acht Tagen startet der FC Schaffhausen in die neue Saison gegen Lausanne. Wohin führt der Weg der Munotstädter? Und: Wie viel Schaffhausen steckt noch im FCS?

Der nächste Neuzugang? Stürmer Godberg Cooper (hellblau) überzeugte im Testspiel gegen YF Juventus. Bild: Roger Albrecht

Sieben Neue auf einen Streich. Der FC Schaffhausen hat kompakt seine Kaderstärke an einem Tag fast verdoppelt. Doch welche Qualitäten haben die Neuzugänge? Und welche Rolle können die Munotstädter in der bald beginnenden Saison spielen? «Es ist ein Neuanfang auf allen Ebenen. Es herrscht eine Ungewissheit, denn das nun zusammengestellte Team hat ja noch nie wettkampfmässig zusammengespielt», sagt Coach Murat Yakin – und beantwortet weitere Fragen …

Ist das Kader nun komplett? Der FC Schaffhausen hat mittlerweile 16 Feldspieler und drei Keeper. Yakin will mit möglichst 22 Spielern in die Runde starten. Heisst: Einige Testspieler können auf einen Vertrag spekulieren. «Ich will noch zwei zentrale Stürmer. Da werden wir wohl nachlegen», sagt Yakin. Und sollte sich im Mittelfeld eine Verstärkung ergeben, wird der 44-Jährige auch nicht Nein sagen.

«Das Potenzial haben wir gleich gesehen. Damals war er aber noch ein schmales Bübchen, jetzt ist er zum Mann geworden.»

Murat Yakin, Cheftrainer FC Schaffhausen

Welche Qualitäten haben die Neuen? Gaetan «Miss» Mezu Kouakou, Alessandro Casciation, Serge Müller, Amir Saipi, Jan Kronig, Silvan Gönitzer und Luka Djordjevic – die ganz grossen Namen fehlen auf der Einkaufsliste des FCS. Vielmehr ist Jugend Trumpf im Konzept von Yakin. «Wir wollten junge, entwicklungsfähige Spieler, die auch eine gewisse Körperlichkeit mitbringen. Denn ohne Durchschlagskraft hast du heute auch in der Challenge League keine Chance.» Spieler wie Kronig (19, YB) oder Gönitzer (22, St. Gallen) durften bereits Super-League-Luft schnuppern. Beim FCS soll ihnen jetzt mit mehr Verantwortung der Durchbruch gelingen. Auch auf Keeper Saipi hält Yakin grosse Stücke, dafür hat er beim Transfer gerne einen Zwist mit dem Grasshopper Club Zürich in Kauf genommen. So kennt der FCS-Coach Saipi schon seit seinem ersten Gastspiel in der Munotstadt. «Das Potenzial haben wir gleich erkannt. Damals war er aber noch ein schmales Bübchen, jetzt ist er zum Mann geworden.» Nicht ohne Grund wurde der 19-Jährige auch schon von deutschen Bundesligisten gescoutet. Dass sich Saipi nun für die Rückkehr nach Schaffhausen entschieden hat, ist ein positives Zeichen.

«Die Fans in Schaffhausen sehen es gerne, wenn Schaffhauser auf dem Feld stehen. Mir fehlt aktuell die Schaffhauser Note.»

Gianluca Frontino, Ex-FCS-Captain und Teleclub-Experte

Fehlt die «Schaffhauser-Note»? «Die Fans in Schaffhausen sehen es gerne, wenn auch Schaffhauser auf dem Feld stehen», weiss Gianluca Frontino. Der Ex-FCS-Captain hat diesen Sommer seine Karriere beendet und ist neu unter anderem Experte beim Teleclub für die Challenge League. Er hoffe, dass die Einheimischen auch eine Chance bekommen. «Mir fehlt derzeit die Schaffhauser Note», sagt der 29-Jährige offen. So bekam Asllan Demhasaj keinen neuen Vertrag, womit in Saipi, Luca Tranquilli und Danilo Del Toro aktuell nur drei «Local Player» im Kader sind. Das Aus beim FCS hat Demhasaj hart getroffen. Yakin versucht zu begründen: «Asllan ist immer motiviert und willig. Wir haben aber ein Überangebot in der Defensive. Er stand in Konkurrenz zu Müller und Kronig, zwei U-Nationalspielern. Da mussten wir den Schnitt machen, so hart es für Asllan ist.»

Wer wird «Der Aussortierte»? Alex Frei beim FC Basel. Hakan Yakin in Luzern. Gianluca Frontino beim FCS. Immer wieder muss sich Yakin den Vorwurf gefallen lassen, zum Dienstantritt einen Starspieler zu «rasieren». Wird er diese knallharte Linie auch diesmal fahren? Legt man die Spiel- und Trainingseindrücke zugrunde, hat aktuell Luca Tranquilli einen schweren Stand, der gegen YF Juventus nur auf der Bank sass, obwohl er vergangene Saison noch mehrfach als Captain fungierte. Der Unterschied zu Frei oder Frontino: Tranquilli ist eher zurückhaltend und introvertiert. Seine Meinung in der Kabine hat zwar Gewicht, er ist aber keiner, der auf Konfrontationskurs mit dem Trainer geht und Kritik äussert. Und: Das Kader ist nicht so riesig, dass man auf einen Spieler mit seinen Qualitäten verzichten kann. «Bei mir geht es strikt nach Leistung und Willen. Da mache ich keinen Unterschied, ob einer Schaffhauser oder auswärtig ist», will Yakin gar keine Diskussionen aufkommen lassen.

Was ist drin in dieser Saison? Neu-Besitzer Roland Klein spricht von «Demut» und «Zurückhaltung», wenn er die aktuelle Lage bewertet. Die finanziellen Sorgen waren vor der Übernahme durch den 59-Jährigen gewaltig, der FCS stand kurz vor dem Zusammenbruch, die Lizenz hing am seidenen Faden. Jetzt soll erst mal das Budget auf gesunde Beine gestellt werden. «Und dann schauen wir nach den ersten paar Spielen, was möglich ist in dieser Saison», sagt Yakin defensiv – um dann motiviert nachzulegen. «Die Plätze 1 bis 3 scheinen von GC, Lausanne und auch Aarau belegt. Aber speziell Aarau hat ja letzte Saison gezeigt, was mit einem guten Teamspirit und vollem Einsatz möglich ist. Plötzlich waren sie doch noch in der Barrage.»

 

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