Del Toro nach FCS-Niederlage: «Müssen mehr männliche Eier zeigen»

Autor
Daniel Koch

Als Schiedsrichterin Esther Staubli nach 94 Minuten die Partie gegen den SC Kriens abpfiff, griffen sich viele FCS-Spieler an den Kopf. Wie konnte man dieses Spiel mit 1:2 verlieren?

Unter den Augen von Referee Esther Staubli (l.) versucht der Krienser ­Stefano Cirelli (16), FCS-Captain Paulinho den Ball abzu­jagen. Bild: Roger Albrecht

Die Spieler des FC Schaffhausen hatten sich für das Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Kriens viel vorgenommen. Immerhin peilt man Platz 2, den Barrageplatz, an. Nach der Heimpleite gegen Chiasso und dem Punktgewinn in Wil sollte der erste Heimsieg 2019 eingefahren werden. Es begann sogar vielversprechend. Der Krienser Sadrijaj zog Danilo Del Toro im Strafraum das Standbein weg, Referee Esther Staubli erkannte zu Recht auf Penalty für Schaffhausen. Diese Chance liess sich Goalgetter Tunahan Cicek, der ansonsten nur wenige Möglichkeiten für ein weiteres Tor hatte, nicht nehmen und verwandelte den Strafstoss souverän in den Führungstreffer​. Man schrieb die 5. Spielminute. Die Freude im Lager des FC Schaffhausen währte aber nur 90 Sekunden. Dann liess sich Abwehrspieler Jackson Mendy übertölpeln, als er einen Auskick seines Goalies Rafael Zbinden an Edmond Selmani fahrlässig verlor. Der passte zum Krienser Goalgetter Nico Siegrist, der seinen 13. Saisontreffer erzielte.

Danilo Del Toro im Interview nach dem Spiel. Quelle: dfk
Danilo Del Toro im Interview nach dem Spiel. Quelle: dfk

Danach hatten die wieder einmal mehr quer und zurück spielenden Schaffhauser gleichwohl noch Chancen. In der 19. Minute kam der aufgerückte FCS-Abwehrrecke Nejc Mevlja zum Kopfball, den konnte aber Selmani auf der Torlinie klären. Kurz vor dem Pausenpfiff bewahrte dann Mevlja sein Team vor einem Rückstand, als er einen Schuss von Siegrist gegen die eigene Torumrandung lenkte. Doch auch in der Folge wurde die Partie nicht wirklich besser. Torchancen oder spektakuläre Szenen blieben Mangelware. Erst als Gästetrainer Bruno Berner («Ich wollte auf Sieg spielen.»), reagierte und Omer Dzonlagic brachte, kippte die Partie vollends. Zunächst konnte FCS-Keeper Zbinden einen Schuss von Chihadeh mirakulös abwehren. Leider rutschte in diesem Moment FCS-Abwehrspieler Asllan Demhasaj aus. Der Ball landete beim eingewechselten Dzonlagic, der mit einem Flachschuss zum 1:2 traf (82.). Die Partie war gelaufen. An eine Wende glaubte dann keiner mehr. Als Beobachter vermisste man bei den Spielern des Heimteams das Feuer und den absoluten Willen, die drohende Niederlage noch abzuwenden.

«Boris raus»-Rufe

Ein Eindruck, dem Cheftrainer Boris Smiljanic vehement widersprach. «Die Spieler haben gefightet und einen unheimlich grossen Aufwand betrieben. Leider ist im Moment unsere Durchschlagskraft in der Offensive zu gering.» Die Fans auf den Rängen ärgerten sich aber trotzdem über haarsträubende Fehler im Spielaufbau und darüber, dass man im Angriffsspiel keine überraschenden (und erfolgreichen) Ideen zu sehen bekam. Oft wurden die eigenen Spieler ausgepfiffen. Unüberhörbar waren auch die «Boris raus»-Rufe. Diese Unmutsäusserungen prallen am Trainer ab. «Seit ich hier bin, muss ich mir das immer wieder an­hören», sagt Smiljanic.

Das sagt Luca Tranquili zur Niederlage. Quelle: dfk
Das sagt Luca Tranquili zur Niederlage. Quelle: dfk

Als Mann der Tat konzentriert sich der FCS-Trainer auf seine Arbeit. Bereits hat er den Fokus auf die nächste Chance gelegt, um mit seinem Team zu punkten. Es geht zum FC Rapperswil-Jona. So etwas wie ein Angstgegner des FCS. Doch Angst kennt Smiljanic im Fussball ohnehin nicht. Er überlegt, wie man mit einem Sieg im Konzert der Spitzenteams wieder mitspielen könnte. Damit spricht Smiljanic seinem Keeper Rafael Zbinden aus dem Herzen. Der zeigte als Ersatz des verletzten Stammkeepers Grasseler eine gute Leistung. Gegen die Tore des Gastes konnte er nichts tun. «Diese Niederlage tut weh und war absolut unnötig. Unglaublich, dass wir diese Partie noch verloren haben», kommentierte der Torhüter. Mit langen Analysen wollte sich der 23-Jährige aber nicht aufhalten. «Es gibt nur eine Methode in unserer Situation: Mund abwischen und weitermachen.» Für seinen Kollegen Danilo Del Toro, der den Penalty herausgeholt hatte, war die zweite Heimpleite 2019 ebenfalls ein Ärgernis. «Jeder Spieler muss sich fragen, was er besser machen kann und ob die Einstellung stimmt, um als Team Erfolg zu haben.» Bei den Kriensern freute sich derweil Trainer Berner über den Sieg: «Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, bei der wir viel Geduld bewiesen und effizient gespielt haben.»

Das ganze Spiel gibt's hier im Liveticker zum Nachlesen

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