Zwei Frauen vor dem Ertrinken gerettet

Autor
Elena Stojkova

Acht Frauen hielten sich am Samstag mit ihren Gummibooten an einer Wiffe fest, zwei von ihnen wurden direkt vor ein Kursschiff getrieben. Roland Saurer fuhr mit seinem Fährboot zu Hilfe.

Hinter die Hemishofer Brücke in die Nähe der Wiffen fuhr der Schaffhauser Roland Saurer mit seinem Boot, um zwei Frauen zu helfen. Bild: Selwyn Hoffmann

Samstagnachmittag, kurz vor halb zwei – eine Gruppe von acht jungen Frauen hält sich mit drei zusammengebundenen Gummibooten, zwei Stehpaddeln und einer aufblasbaren rosaroten Flamingoinsel an einer Wiffe in der Nähe der ­Hemishofer Brücke fest. Zwei der Frauen lassen kurz los und treiben ein wenig von der Wiffe weg. Genau in diesem Moment fährt ein Kursschiff, die MS Schaffhausen, heran. Die Strömung macht das Zurückschwimmen zur Wiffe unmöglich, statt­dessen treibt sie die Frauen direkt vors Kursschiff.

Der Schaffhauser Rentner Roland Saurer ist an diesem Tag, wie auch an vielen anderen, auf seinem Fährboot «Happy Day» auf dem Rhein unterwegs. Am vergangenen Samstag lässt er sich den Rhein hinuntertreiben, vor der Hemishofer Brücke ist er gerade beim linken Ufer im flachen Gewässer, als er die Personengruppe «mit einem Haufen Schwimmmaterial» an der Wiffe entdeckt. «Man kann sich nicht vorstellen, was für Situationen ich auf dem Wasser antreffe», sagt er. «Ich habe schon diverse Personen, die Hilfe brauchten, aus dem Wasser geholt.»

Unter Schock

So war es auch an diesem Wochenende. Saurer sieht, wie zwei Personen plötzlich vor das Schiff geraten. «Das Schiff hupte und hupte, ausweichen konnte der Kapitän nicht mehr», sagt er. «Ich dachte, die beiden werden überfahren.»

«Das Schiff hupte, ausweichen konnte der Kapitän nicht mehr.»

Roland Saurer, Freizeitkapitän

Das geschieht nicht: Eine Frau wird links, eine rechts vom Schiff weggespült. Saurer will zu ihnen, um ihnen die geltenden Schiffsregeln zu erklären. «Da fingen die beiden an, wild mit den Armen zu fuchteln und um Hilfe zu schreien», sagt Saurer.

So schnell wie möglich fährt er hin und wirft ihnen zwei an seinem Boot mit Seilen befestigte Schwimmkörper zu. Dann zieht er die Ertrinkenden an sein Boot heran. «Sie hielten sich am Boot fest und ruhten sich aus, bis ihre Freundinnen bei uns ankamen.» Die acht Frauen aus Stuttgart und Konstanz feierten an diesem Tag einen Junggesellenabschied. Mit den Gummibooten waren sie in Stein am Rhein ins Wasser gestiegen und wollten in Diessenhofen wieder aussteigen.

Nach dem Vorfall sass der Schock tief. «Eine der beiden Frauen hat geweint», sagt Saurer. «Sie sagte, sie hätte nie gedacht, dass sie in einen solchen Strudel hineingeraten.» Und auch Saurer musste das Erlebte erst einmal verdauen.

Zu wenig Respekt vor dem Rhein

Vis-à-vis Rheinklingen legten die Frauen an und ruhten sich anschliessend aus. Im Gespräch mit Saurer, der sie über das richtige Verhalten auf dem Wasser aufklärte, sagten sie, sie würden die Regeln eigentlich kennen – nur hätten sie die Strömung unterschätzt. Mit einem kleinen Geschenk bedankte sich die Gruppe bei Saurer für die Rettung. «Sie hatten Glück», sagt er.

Von diesem Vorfall hat die Schaffhauser Polizei keine Kenntnis, wie Martin Tanner, Chef der Schaffhauser Verkehrspolizei, sagt. «Wiffen sind Schifffahrtszeichen und die Polizei rät dringend davon ab, an diese heranzuschwimmen oder sich daran festzuhalten», sagt er. Wiffen markieren das Fahrwasser und würden aus diesem Grund meist direkt in der starken Strömung stehen. «Zudem bleiben an den Wiffen Äste, Gras und weitere den Hochrhein hinuntertreibende Gegenstände hängen, an denen sich Schwimmer verletzen können», so Tanner. Ein Problem hätten die Kapitäne der Kursschiffe manchmal mit «Bötlern», wie Saurer schon oft beobachtet hat. Kursschiffe müssen in der Fahrrinne bleiben und können bei Fahrten flussabwärts nicht einfach anhalten. «Die Verantwortung liegt zu hundert Prozent bei den ‘Gummibötlern’», sagt auch Tanner.

Die Polizei weist immer wieder darauf hin, dass Gummiboote nicht zusammen­gebunden werden dürfen. «Zusammen­gebundene Schlauchboote sind leider keine Seltenheit», so Tanner. Diese liessen sich kaum manövrieren. Wenn es zu einem Unfall komme, sei der Grund meist Unaufmerksamkeit, Unachtsamkeit und zu wenig Respekt vor einem Fliessgewässer. «Wenn sich Schlauchbootfahrer an einige Grundregeln halten, ist eine Fahrt von Stein am Rhein nach Schaffhausen ein sehr schönes Erlebnis.»

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