Gute Stimmung trotz kühlem Nieselregen

Autor
Ursula Junker

Am Samstag wurde in Buch das Sommerfest im Durchgangsheim Friedeck gefeiert. Das Wetter trug allerdings nur wenig zur Stimmung bei.

Ali Jwan aus Syrien (ganz links) bereitet am «Friedeck»-Fest im Beisein seiner Tochter und unter Mitwirkung von zwei Helfern am Grill Spiesschen zu. Bild: Ursula Junker

Es nieselte, und die Temperatur lag weit unter dem, was man von den letzten Wochen gewohnt war. Keine ideale Voraussetzung für ein Sommerfest, wie Ünal Dogan, Leiter des Durchgangsheims Friedeck für Asylbewerber in Buch, bedauernd meinte. Dennoch war der Empfang herzlich und die Stimmung gut: Man fühlte sich willkommen. Das rote Seil, dem zu folgen die Gäste aufgefordert wurden, führte einen gleich in den Esssaal, wo man auf gros-sen Plakaten mit den kulinarischen Vorlieben einzelner Bewohner bekannt gemacht wurde. In bestem Deutsch verfasst, zeugten sie vom Besuch der Deutschstunden, die in der «Friedeck» angeboten werden.

Andrang vor der Bühne und im Zelt

Zum eigentlichen Anziehungspunkt wurde indes Sing & Move, die Theatergruppe unter der Regie von Sabine Bierich und musikalisch begleitet von Monika Bohe. Zusammengesetzt ist die Gruppe aus Asylsuchenden unterschiedlichster Nationalität und Herkunft sowie aus Einheimischen. Das Programm, eine gesungene und getanzte Zeitungsausgabe, war im Verlaufe der Proben entstanden. Mit eingeflossen sind auch die Erlebnisse der Flüchtlinge, etwa bei der Szene mit der Bombe. Eine Zeitungsente schnatterte unbeschwert über die Bühne, und zu guter Letzt rockte die ganze Gruppe gegen Terrorismus und Gewalt an und zeigte dabei eine überschäumende Spielfreude. Der Besucherandrang war so gross, dass es zu einer zweiten Aufführung kam.

Auch im kleinen Festzelt fanden sich immer wieder Besucher ein, die dem kulinarischen Angebot aus der Küche der Friedeck zusprachen. Unter den Besuchern waren viele Bucher auszumachen, darunter etliche Mitglieder des Gemeinderates. Das zeigte auch, dass die «Friedeck» im Dorf gut verankert ist und unterstützt wird.

Gute Stimmung herrschte auch bei der Küchenmannschaft, die ihr Essen gleich selbst anbot. Dass den verschiedenen Speisen gut zugesprochen wurde, bewiesen die leeren Platten, die immer wieder nachgefüllt werden mussten.

Momentan beherbergt die «Friedeck» 51 Asylsuchende aus 21 Nationen. Rund 60 Prozent sind abgewiesene Asylbewerber, die nicht ausgewiesen werden können, weil sie über keine Papiere verfügen oder niemand sie aufnehmen will. Die restlichen 40 Prozent warten auf das Asylverfahren. Die Situation sei nicht immer einfach zu handhaben, sagte Dogan. Dennoch bezeichnete er die Lage intern als relativ entspannt. Wer darf, geht einer stundenweisen Arbeit nach, der Deutschunterricht ist Pflicht.

Dass der Andrang derzeit nicht so gross ist, hängt mit externen Faktoren zusammen. Einerseits folgt man oft bereits geflüchteten Familienangehörigen in deren Aufnahmeland. Da hat sich bekanntlich Deutschland als beliebtes Ziel erwiesen. Dann hat aber auch die geänderte Flüchtlingspolitik einen Einfluss, wie Christoph Roost, Leiter Sozialamt, sagte. Insgesamt leben im Kanton Schaffhausen derzeit knapp 1000 Asylsuchende. Als einer, der bereits erfolgreich integriert ist, stand Ali Jwan aus Syrien am Samstag unterm Zelt und bediente die Besucher. Er betreut in einem 30-Prozent-Pensum die Asylsuchenden in der «Friedeck»; 70 Prozent seiner Arbeitszeit steht er für unbegleitete minderjährige Asylsuchende im Einsatz.

 

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