Dampfgala im Doppelpack

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Schaffhauser N…

Mit zwei Dampflokomotiven fuhr die Dampfgruppe Zürich in Etzwilen ein. Dort mussten die über 100 Tonnen schweren Maschinen in Schwerstarbeit auf die Drehscheibe manövriert werden.

von Johannes von Arx

Die Anwohnerschaft der Thurbo-Linie Stein am Rhein–Etzwilen und die Anwohner zwischen Etzwilen und Rielasingen sind es gewohnt: Im Sommer und Herbst dampfen hier die Nostalgiezüge des Vereins zur Erhaltung der Bahnlinie Etzwilen–Singen vorbei. Letzten Samstag aber stahl die Dampfgruppe Zürich den Etzwilern die Schau in Form eines langen Extrazuges – mit gleich zwei Dampflokomotiven.

Der Zug mit vorerst einer der Loks, der C 5/6 2978, holte zunächst weit aus, nämlich in einer Fahrt rund um den Bachtel, das Tösstal hinunter nach Winterthur, wo die Schnellzugslok A 3/5 705 übernahm. Pünktlich um 15.37 Uhr fuhr der Zug mit acht meist vierachsigen Wagen in Etzwilen ein, wo die Lokomotive nach einem Rangiermanöver das von den Streckengleisen abbiegende Gleis zur Drehscheibe unter die Räder nahm. Zentimetergenau musste das 110 Tonnen schwere Ungetüm auf die Schienen der Drehscheibe manövriert werden. Sorgte bislang Dampf für den Vortrieb, war jetzt Muskelkraft gefordert. Rund ein Dutzend Männer mit keineswegs mageren Armen stiessen an den grossen Stangen zu beiden Seiten. Es brauchte zahlreiche Anläufe, bis sich die massive Drehscheibe und das Ungetüm darauf kurze Stücke bewegte. Der bittende Ruf «drei Runden» aus dem grossen Kreis der Zaungäste blieb indessen unerfüllt. Nach der halben Drehung ging’s zurück an den Zug, der in der Folge noch einen Abstecher über die grosse Stahlbrücke und nach Rielasingen machte. Rund 25 freiwillige Helfer waren insgesamt im Einsatz, damit die eindrückliche Fahrt reibungslos abgewickelt werden konnte.

128 Tonnen und einige Zentimeter

Das Spektakel auf der Drehscheibe wiederholte sich später mit der in- zwischen ebenfalls herangedampften C 5/6, die gar 128 Tonnen auf die Waage bringt und bei welcher das Spiel zwischen den äussersten Rädern und dem Schienenende gerade noch 30 Zentimeter beträgt. Das grosse Finale bahnte sich nach der Rückkehr des Zuges durch das Zusammenkuppeln der beiden Maschinen an – sie waren aufgetankt mit viel Wasser aus einem Hydranten beim Bahnhof. Unterdessen streckten zahlreiche der 300 Fahrgäste ihre Beine an die frische Luft. Und wurden per Megafon ermahnt, das nur auf dem Perron zu tun, denn viele Fotografen (neudeutsch: «Trainspotter») waren ebenfalls angereist und wollten den Zug «undekoriert» ablichten. Aber halt: Auch die Zugspassagiere wollten einmal die ganze Komposition von aussen fotografieren. Deshalb fuhr sie rückwärts – und tuckerte wieder in den Bahnhof.

Kurz vor 18 Uhr durchdrangen grelle Pfiffe die sonst eher beschaulich-stille Landschaft um den historischen Bahnhof Etzwilen. Frischer Dampf strömte in die Zylinder und majestätisch setzte sich der Zug – jetzt in Doppeltraktion – in Bewegung, unterquerte die Stras-senbrücke, nahm Fahrt auf und entschwand im weiten Bogen Richtung Schlattingen.

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