Ein Bus, dem man die neue Technik ansieht

Autor
Daniel Jung

Elektrisch sollen die Stadtbusse der VBSH künftig unterwegs sein. Das letzte Wort über die Grossinvestition hat das städtische Stimmvolk.

Grosses Interesse: Stimmungsvoll beleuchtet präsentierten die VBSH gestern den E-Bus «ie Tram», der bald in Schaffhausen verkehren soll. Bilder Michael Kessler

Als eine der ersten Städte in Europa will Schaffhausen den öffentlichen Busverkehr komplett auf Elektrobusse umstellen. Ende März wurde bekannt, dass das spanische Unternehmen Irizar in der öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag für die Lieferung des Elektrobussystems erhält. Gestern wurde der Elektrobus des Typs «ie Tram» als Schweizer Premiere im Busdepot der Verkehrsbetriebe auf dem Ebnat vorgestellt.

Der Bus, der in Spanien als «Bus des Jahres 2018» und als umweltfreundlichstes Fahrzeug des Jahres ausgezeichnet wurde, erinnert an ein Tram auf Reifen. «Der Bus wurde so gestaltet, dass man merkt, dass man nicht in einem normalen Dieselbus sitzt», sagte Hector Olabe, Geschäftsführer von Irizar E-Mobility. Das Fahrzeug sei besonders lichtdurchlässig und in der Herstellung vergleichsweise umweltfreundlich. «Die Batterien sind im Dach untergebracht, damit ein Niederflur-Einstieg möglich ist und viel Platz für die Passagiere bleibt», erklärte Olabe, der für die Präsentation aus dem Baskenland angereist war.

Irizar E-Mobility hat 2018 im baskischen Aduna das erste reine Elektrobuswerk Europas eröffnet. Die Firma fertigt nicht nur das «ie Tram», sondern auch die Batteriepakete selber an. Sie liefert zudem die nötige Ladeinfrastruktur und die Steuerungssoftware. Die Firma möchte in Schaffhausen eine Niederlassung für Service und Vertrieb gründen – gemeinsam mit der Partnerfirma Ferrostaal. Wirtschaftsförderer Christoph Schärrer hiess Irizar am Standort Schaffhausen willkommen. Das E-Bus-Projekt sei Ausdruck des Schaffhauser Pioniergeistes. «Unsere Region hat den Mut, moderner Technik auch Anwendungsmöglichkeiten zu geben», sagte er.

Investitionen von 58 Millionen

Die VBSH möchten zwei Varianten des «ie Tram» beschaffen: einen 18 Meter langen Gelenkbus für 130 Personen und einen zwölf Meter langen Solobus für 70 Passagiere. Alle Busse verfügen über USB-Anschlüsse an den Sitzen und WLAN.

Die Aufwertung der Bahnhofstrasse mit neuen Haltestellendächern treibt die Stadt parallel voran. Bild: VBSH

Rund 58 Millionen Franken sollen für die Umstellung der gesamten Stadtbusflotte investiert werden, damit die VBSH in Zukunft leise und umweltschonend durch die Quartiere fahren können. «Natürlich ist die Gesamtinvestition auf den ersten Blick gross», sagte Finanzreferent Daniel Preisig. Doch investieren müsse die VBSH sowieso. Und aktuell biete sich mit der neuen, aber bereits praxiserprobten Technologie der E-Busse mit Schnellladesystem eine doppelte Chance. «Die E-Busse sind sowohl ökologisch wie auch ökonomisch ein Gewinn», sagte VBSH-Geschäftsführer Bruno Schwager. Zwar seien die Anfangsinvestitionen, auch aufgrund der Ladeinfrastruktur, deutlich höher. Gemäss einer Modellrechnung sind aber bereits nach elf Jahren die Gesamtkosten tiefer. «Die Busse sind gut für die Umwelt und für die Stadtkasse», ergänzte Finanzreferent Preisig.

In der ersten Etappe bis 2023 werden 15 Busse sowie die komplette Ladeinfrastruktur im Depot und am Bahnhof beschafft. Die notwendigen Investitionen dafür betragen netto 23,6 Millionen Franken. Parallel zum E-Bus-Projekt möchten die VBSH ihr Depot im Ebnat erweitern, um alle Fahrzeuge über Nacht einstellen zu können. Die Finanzierung über 7,9 Millionen Franken wird ebenfalls mit der aktuellen Vorlage des Stadtrats beantragt.

Der Grosse Stadtrat hatte im August 2017 der Elektrifizierungsstrategie der VBSH mit 33 zu 1 Stimmen zugestimmt. Im letzten November hatte das Parlament die Vorlage zur Umrüstung der Trolleybusse auf IMC-Technologie gutgeheissen.

Schaffhausen als idealer Standort

Wie kaum eine andere Schweizer Stadt sei Schaffhausen für E-Busse geeignet, sagte Preisig. Alle Buslinien (ausser Linie 9) halten am Bahnhof und können dort schnellgeladen werden. Der Bahnhof liegt zudem im Tal, was eine Rekuperation auf dem Abwärtsweg möglich macht. In der Hauptpost gibt es Platz für die Ladeinfrastruktur. Und alle Fäden laufen bei der Stadt zusammen: Sie ist Eigentümerin der VBSH, Bestellerin im Ortsverkehr, hat über SH Power ein eigenes Kraftwerk und ist für die Gestaltung des Bahnhofplatzes verantwortlich. «Eigentlich hat der liebe Gott Schaffhausen für Elektrobusse gemacht», sagte Preisig.

Die Vorlage geht nun ans städtische Parlament. Das letzte Wort haben die städtischen Stimmbürger: Die Abstimmung ist für November 2019 geplant. Zuvor wird im Herbst ein Pilotbetrieb mit dem neuen Bus durchgeführt, damit sich die Bevölkerung selbst ein Bild machen kann.

Was Stadtrat Daniel Preisig zum neuen Elektrobus zu sagen hat, gibt es hier zum Nachhören:  

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