Brasserie: Nur der Name bleibt

Autor
Kay Uehlinger

Die Brasserie Zikade an der Mühlentalstrasse soll die alte am Bahnhof ersetzen. Dem Ruf der alten Brasserie wollen die beiden Geschäftsführer jedoch enteilen.

Auch wenn die alte Brasserie am Gleis 1 beim Bahnhof Schaffhausen einen durchzogenen Ruf hatte, war sie schon immer ein Teil von Schaffhausen - eine Kult-Bar sozusagen. Mit dem rauchfreien Bahnhof und dem Einzug des neuen Burger King musste die alte Brasserie ihren Standort am Bahnhof aufgeben. Für viele Stammgäste und auch für Dorfkinder, die morgens nach dem Ausgang auf den ersten Bus nach Hause warteten, eine herbe Entäuschung.

Gleicher Name, anderes Konzept

In der neuen Liegenschaft beim Amag-Gebäude an der Mühlentalstrasse macht die Brasserie Zikade von aussen wie auch von innen einen einladenden Eindruck. Durch die grossen Fenster wird der Raum mit Licht geflutet. Die Möbel sowie der Zapfhahn wurden von der alten Brasserie übernommen. Somit bleibt ein bisschen Flair von der alten Brasserie bestehen. Heidi Xia und Gnanathas «Thas» Arunasalam führen die neue Brasserie Zikade gemeinsam. Dem Ruf der alten Brasserie am Bahnhof möchten sie aber nicht treu bleiben.

Die Brasserie Zikade überrascht nicht nur mit einem schönen Ambiente, sondern auch mit saisonaler Küche. Dabei kann sich «Thas» in seiner neuen Küche völlig entfalten und sein Gelerntes in die Tat umsetzen. Dies blieb ihm in der alten Brasserie verwehrt.

«Thas» freut sich über sein neues Reich. Bild: Kay Uehlinger

Nebst saisonaler Küche werden auch diverse andere Leckereien serviert. Mit dem neuen Angebot aus der eigenen Küche können in Zukunft auch Weihnachtsessen oder sonstige ähnliche Anlässe durchgeführt werden. Die Brasserie Zikade soll deshalb in Zukunft als Restaurant und nicht mehr als «morgendliche Absteige» - wie sie von Vielen bezeichnet wurde - betrachtet werden.

Die alten neuen Gäste

Andreas Kast

Andreas Kast ist Stammgast und langjähriger Besucher der Brasserie. Er fand es sehr schade, dass die alte Brasserie ihre Tore schliessen musste. «Für mich war es immer ein besonderer Ort, man traf immer Freunde und es war für mich wie ein zweites Zuhause.» Jetzt ist er froh, ist die Brasserie wieder zurück, damit er wieder mit seinen Freunden in gewohnter Umgebung mit einem Bier anstossen kann.

Michél und Domenique Olbrecht

Die beiden Brüder trinken ihr Feierabendbier schon lange in der Brasserie. Für Domenique war es unverständlich, dass eine Kultur-Bar wie die Brasserie einem Fast-Food-Restaurant weichen musste. «Der Burger King hat doch nichts mit der Stadt zu tun.» Auf dem Land aufgewachsen, war die Brasserie für Domenique schon früher wichtig, lange bevor er in die Stadt gezogen ist. «Es ist für mich ein Ort, der wie eine eigene Heimat ist, ein Ort an welchem alle einfach wieder Sein können.»

Der Schuldige für die Schliessung der alten Brasserie am Bahnhof ist für Michél schnell gefunden: «Durch die Rauchfrei-Kampagne der SBB kam es überhaupt so weit». Er vermutet, dass durch rauchfreie Bahnhöfe Reinigungspersonal eingespart werden könne und die SBB somit finanziell besser fahren. Dennoch freut er sich über die neue Brasserie. Er schätzt den Einsatz, die Brasserie am Leben erhalten zu wollen. Dasselbe sei es aber nicht: «Die rote Backsteinmauer hinter der Bar der alten Brasserie kann mir keiner zurückgeben.»

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