Eine schöne Stimme, die nachdenkliche Lieder singt

Autor
Daniel Jung

Als Headliner trat Adel Tawil gestern Abend auf die Bühne. Er spielte seine ernsten und politischen Lieder, die er als Kontrapunkt zur Gegenwart sieht.

«Der alte Hass kommt wieder mit neuen Parolen»: Adel Tawil. Bild: Selwyn Hoffmann

Als dritter Künstler an einem Abend, der bei den Besuchern schon grosse ­Begeisterungsstürme hervorgerufen hatte, betrat der deutsche Sänger Adel Tawil gestern Abend kurz nach 22 Uhr die Bühne. Tawil gilt als eine der schönsten Stimmen im deutschsprachigen Pop-Business – und als Songschreiber mit tiefgründigen Texten.

Der Sänger wird von einer siebenköpfigen Band unterstützt, die ein breites musikalisches Spektrum abdeckt und seinen Liedern ein modernes Pop-Gewand verleiht. Im Zentrum der Bühnendekoration steht ein leuchtender Kreis, der im Verlauf des Konzerts diverse Funktionen übernimmt.

Als erstes Lied spielt Tawil die Ballade «So schön anders», bei welcher der 39-jährige Sänger noch kleine Intonationsschwierigkeiten zeigt. Diese legen sich aber mit der Anfangsnervosität.

Schon früh im Konzert spielt er «Endgegner», ein Stück, in dem die Herausforderungen einer Liebesbeziehung mit den schwierigsten Momenten in Videospielen verglichen werden.

Danach begrüsst der Sänger erfreut das Publikum. «Grüezi Schweiz», sagt er. Wie manch andere Künstler ist auch Tawil vom Blick auf den ausverkauften Herrenacker begeistert. «Wow, das ist echt ein krasser Anblick hier.» Auch die Stadt Schaffhausen, die Tawil zum ersten Mal besucht, gefällt ihm gut. «Es ist ein süsses Städtchen, zauberhaft», sagt der Berliner.

Tawils Texte sind oft sehr ernst. «Und ich bin wie ich bin, auf der Suche nach Sinn», singt er im dritten Song, der wie viele ein mittleres Tempo hat und zum Nachdenken anregen soll. Trotz des eher gemächlichen Einstiegs ist Tawil von Anfang an auf der Bühne aktiv und nimmt Kontakt zum Publikum auf.

Seine Mission an diesem Abend ist es, einen Kontrapunkt gegen den Hass zu setzen, welcher derzeit verbreitet werde. «Wir leben in einer Zeit, wo der Ton rauer wird», so der Sänger. Musik kenne keinen Hass, sagt Tawil, bevor er «Gott Steh Mir Bei» anstimmt, das musikalsisch an den R-n-B-Hit «No Diggity» erinnert. Der Song ist pazifistisch und ­explizit politisch – so werden etwa die Stimmen von deutschen Nachrichtensprechern und von US-Präsident Trump eingespielt. «Und ich dachte eigentlich, wir wären schon viel weiter», singt Tawil dazu.

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