Wie Sie an einem Tag 23'000 Franken verlieren können

Autor
Ralph Denzel

Ein falscher Schritt, eine Unachtsamkeit - und schon ist eine Busse fällig. Wir zeigen Ihnen, welche davon richtig teuer werden können.

Wenn Sie nicht aufpassen, können Sie am Ende ein dickes Loch in Ihrem Geldbeutel haben. Bild: Pixabay

Es gibt viele kleine Vergehen, die man täglich begehen kann – oft genug, ohne dass man es wirklich wahrnimmt. Lassen Sie einem Fussgänger weniger als 1,5 Meter Platz beim Parken, macht das 120 Franken. Wer in Schaffhausen aus falscher Tierliebe oder aus Unwissenheit eine Taube füttert, kann mit 200 Franken gebüsst werden.

Solche «kleineren Verbote» gibt es viele – aber wir zeigen Ihnen, welche richtig ins Geld gehen können.

Ein Bad, das ins Geld geht

Es ist ein schöner Tag. Die Sonne scheint und der Rhein duftet verführerisch nach frischem Wasser. Die Sonnenstrahlen brechen sich glitzernd auf der stillen Oberfläche des Flusses – da muss man doch einfach hineinspringen. Die Hitze macht jedoch den Weg zur Rhybadi zu einer unnötigen Anstrengung, auf die Sie heute verzichten wollen. Also entscheiden Sie sich, dass Sie sich direkt hier Ihrer lästigen Kleider entledigen und sich ins kühle Gewässer stürzen – das Schild am Gerüst direkt am Ufer sehen Sie dabei gar nicht.

Sie wurden gewarnt... Bild: Ralph Denzel

Das Wasser ist so angenehm wie sie es vermutet haben. Vergnügt drehen Sie ein paar Runden – bis eine strenge Stimme am Ufer Sie zu sich zitiert. Es ist die Stadtpolizei, die Ihnen nun die Aufschrift auf der Plakette etwas näher bringt. Sie sind nämlich genau dort ins Wasser gegangen, wo Baden und Tauchen verboten ist – die Konsequenz: 1000 Franken Busse. Der Tag geht gut los, denken Sie – aber es kommt noch schlimmer.

Ein teurer Schlag

Um einen Batzen Geld ärmer ziehen Sie von dannen. Ihr Ziel: Ein Wäldchen. Im Schatten der Bäume werden Sie doch sicher etwas Entspannung finden können, oder?

Tatsächlich lässt sie der lauschige Schatten des Waldes den Zorn über die teure Busse etwas vergessen. Wäre dort nur nicht die ganze Zeit diese Wespe, die um ihr Ohr schwirrt. Eigentlich haben Sie nichts gegen Insekten, aber dieses Tier ist nun wirklich enorm penetrant. Eine schnelle Handbewegung später liegt es vor ihnen auf dem Boden, um kurz darauf Bekanntschaft mit der Unterseite ihres Schuhes zu machen. Dumm nur: Sie wurden dabei beobachtet – und diese Person hat direkt erkannt, dass es sich bei diesem Tier um eine hochgradig vom Aussterben bedrohte Harzbiene gehandelt hat – und nicht um eine Wespe, auch wenn die Tiere sich sehr ähnlich sehen.

Das kann teuer werden, denn: «Auch Insekten fallen unter den Artenschutz», so Andreas Zuber von der Staatsanwaltschaft Schaffhausen. Das bedeutet: Auch bei Ihnen kann eine Strafe drohen, wenn man sie mutwillig oder fahrlässig tötet. Da jedoch in der Naturschutzverordnung keine Höchstbusse genannt wird, greift hier das Strafgesetzbuch. Und diese Biene kann einen teuer zu stehen kommen: «Bestimmt es das Gesetz nicht anders, so ist der Höchstbetrag der Busse 10‘000 Franken», heisst es dort.

Binnen eines Tages haben Sie so schon 11‘000 Franken verloren. Aber Ihr Tag ist leider noch nicht vorbei…

Achtung Blume

Frustriert und mit einem dicken Loch im Bankkonto stapfen Sie wütend den Wald entlang. Auf dem Weg begegnen Ihnen dauernd Leute – aber Sie sind zu geladen, als dass Sie sich jetzt mit irgendjemand anderem abgeben wollen. Also schlagen Sie sich ins Unterholz. Zecken, oder andere Gefahren sind Ihnen jetzt egal. Sie müssen Ihren Frust abbauen.

Schön, aber unter Naturschutz. Bild: Wikimedia

Vor lauter Zorn sehen Sie jedoch nicht, was dort vor Ihnen auf dem Boden wächst. Ein Botaniker, der in der Nähe steht, hat es sofort erkannt und muss nun mit Schrecken sehen, wie Sie einfach so ein «grosses Windröschen» niedertrampeln – auch das fällt unter Artenschutz – Sie kennen das Spiel jetzt ja schon - und müssen im schlimmsten Fall nochmal 10‘000 Franken abgeben.

Grillen kann teuer werden

Ihr Frustlevel ist mittlerweile jenseits von Gut und Böse. Den Wald haben Sie hinter sich gelassen. Sie wollen nach Hause. Sie haben zum Grillen geladen. Die Freunde sind schon da und Sie erzählen Ihnen frustriert von Ihrem heutigen Tag – und Ihrem nun sehr klammen Bankkonto. Während Sie reden, werfen Sie den Grill an.

Grillen ist was Feines, aber kann ebenfalls ins Geld gehen - und nicht nur wegen teurem Fleisch...

Eigentlich hätten Sie sich schon lange einen Gasgrill kaufen wollen, aber noch feuern Sie Holzkohle an – die leider enorm raucht. So sehr, dass sich Ihr Nachbar massiv gestört fühlt und sogar einen Hustenanfall bekommt. Die Stadtpolizei verlangt für so ein Vergehen bis zu 1000 Franken. Die könnten auch bei Ruhestörung und Erregung öffentlichen Ärgernisses fällig werden.

Teurer Schnitt

Die Freunde verabschieden sich – Sie müssen Ihren Frust abbauen. Am besten geht das doch mit ein bisschen Gartenarbeit. Also packen Sie Ihre Heckenschere aus und beginnen, Ihren Garten auf ein erträgliches Mass zu stutzen. Das Problem: Ihr Nachbar, noch immer leicht erbost wegen seinem Hustenanfall, beobachtet Sie dabei – und ein Anruf bei der Stadtpolizei später, haben Sie eine erneute Busse am Hals. Dieses Mal wieder 1000 Franken, denn: Hecken dürfen nur in einem bestimmten Zeitraum geschnitten werden. Zwischen dem 1. März und dem 30. September sollten Sie Ihre Heckenschere nicht auspacken. Denn, laut Polizeiverordnung: «Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird von der Stadtpolizei mit Busse bis zu 1000 Franken bestraft.»

Höchststrafe eher unwahrscheinlich

Binnen eines Tages könnten Sie so locker 23‘000 Franken verlieren – aber, Staatsanwalt Andreas Zuber beruhigt: «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass bei einer einmaligen Übertretung direkt die Höchstbusse angewandt wird.» Gehen wir zum Thema Naturschutz: Selbst wenn dort jemand vorsätzlich eine grössere Fläche zerstört, wäre es «eher wahrscheinlich», dass dort nicht die Höchstbusse Anwendung findet – aber die Strafe natürlich entsprechend saftig ausfällt.

Immerhin können Sie sich trösten: Jenseits der Grenze wären Sie für die Gleichen vergehen im schlimmsten Fall nicht unter 100‘000 Euro davongekommen – alleine eine Hecke ausserhalb der Saison zu schneiden kann dort theoretisch mit bis zu 50‘000 Euro gebüsst werden.

Da sind die 23‘000 Franken doch fast ein Schnäppchen.

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