Als die Rotary-Männer vor Gericht verloren

Autor
Zeno Geisseler

Frauen bei Rotary? Das ist noch nicht solange Gang und Gebe, wie man denken mag. Ein Club, der dies erlaubte, wurde sogar einige Jahre ausgeschlossen. Erst das oberste Gericht in den USA änderte das.

Gemischte Gruppe: Rotary Munot. Bild: Selwyn Hoffmann

Frauen bei Rotary? Sicher nicht, sagte Rotary International und schloss 1978 einen Club aus Duarte, Kalifornien, aus, weil er Frauen aufgenommen hatte. Duarte liess sich das nicht bieten. Bis vor das höchste US-Gericht, den Supreme Court, kämpfte der kalifornische Club – und bekam recht: 1987 entschied das Gericht, dass Frauen nicht allein aufgrund ihres Geschlechts von einer Mitgliedschaft bei Rotary ausgeschlossen werden dürfen. Ab 1989 konnten Rotary-Clubs weltweit Frauen aufnehmen.

Was aber nicht heisst, dass dies auch sofort geschah. Der Rotary-Club Schaffhausen-Munot etwa, gegründet 1990, nahm erst 2003 die erste Frau auf – die spätere Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel. Inzwischen sind Frauen in beiden Schaffhauser Rotary-Clubs willkommen, aber in der Minderheit: Bei Rotary Schaffhausen gibt es 74 Männer und 5 Frauen, bei Rotary Munot sind es 9 Frauen und 53 Männer.

«Wir hatten viele Diskussionen»

Walter Vogelsanger, der heutige Präsident von Rotary Munot, erinnert sich an die Zeiten, als der Club Männern vorbehalten war. «Wir hatten viele Diskussionen, und ein erster Anlauf, Frauen aufzunehmen, scheiterte. Für mich ist aber klar, dass wir nur schon von unserer Zielsetzung her Frauen aufnehmen müssen. Ich persönlich finde den Club mit Frauen vielfältiger und spannender.» Inzwischen geht Rotary Munot gezielt auf Frauen zu, und hofft, ihren Anteil zu steigern. «Aber das braucht Zeit. Wir suchen ganz allgemein Persönlichkeiten, die zu uns passen, und natürlich müssen die Angesprochenen auch wollen.»

Die beiden anderen traditionsreichen Serviceclubs, Lions und Kiwanis, erlauben seit dem Supreme-Court-Urteil von 1987 ebenfalls Frauenmitgliedschaften, in Schaffhausen aber bloss bedingt: Der 1954 gegründete Lions Club Schaffhausen nimmt nur Männer auf, der 2002 aus der Taufe gehobene Lions Club Insel Werd ist gemischt. Auch bei Kiwanis Schaffhausen steht der ältere, 1978 gegründete Club nur Männern offen, der erst vor einem Jahr gegründete Kiwanis Club Munot ist aber auch für Frauen zugänglich.

Jüngere Clubs sind gemischt

«Ich hätte keine Mühe damit, wenn auch wir Frauen aufnehmen würden», sagt Kiwanis-Schaffhausen-Präsident Frank Paech. «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir bis in zehn, fünfzehn Jahren zu einem gemischten Club werden. Aber man kann eine Tradition nicht mit Gewalt kippen.» Während die älteren Mitglieder eher für den Beibehalt des Status quo seien, würden die jüngeren sich eher für eine Öffnung aussprechen.

Ihre Freundinnen und Ehefrauen seien sowieso jetzt schon stark involviert, sagt Paech. So gebe es einmal im Monat einen Anlass mit den Partnerinnen, und bei wohltätigen Anlässen seien sie sowieso immer dabei.

Beat Stöckli, der Präsident von Lions Schaffhausen, sagt, es sei selbstverständlich, dass Lions Clubs heute für Frauen wie für Männer zugänglich seien. Dass es, wie in Schaffhausen, noch einen reinen Männerclub gebe, sei historisch bedingt – und auch nicht weiter problematisch: «Ich bin seit über zehn Jahren im Männerclub und schätze die Atmosphäre und den Umgang miteinander. Genauso wie Frauen gelegentlich unter sich sein mögen, mögen das auch Männer», sagt er. «Das ist eine Form der Diversität.» 

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