Wegen Skandalrapper: Drohungen gegen SP-Kantonsrat Portmann

Autor
Isabel Heusser

Den Auftritt der Skandalrapper Farid Bang und Kollegah will eine Gruppe um SP-Kantonsrat Patrick Portmann verhindern. Das kommt nicht überall gut an.

Die einen wollen sie, die anderen nicht: Farid Bang (l.) und Kollegah. Bild: Key

In einem offenen Brief werden der Organisator des Albanian Festivals und Kadettenpräsident Giorgio Behr aufgefordert, den Auftritt der Rapper Farid Bang und Kollegah am 5. Mai in der BBC-Arena zu verhindern. Initiiert wurde der Brief von SP-Kantonsrat Patrick Portmann, Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin der Lesbenorganisation Schweiz, und Isabelle Lüthi vom Frauenstammtisch Schaffhausen. Seit Portmanns Engagement bekannt wurde, sei er auf Facebook stellenweise auf der persönlichen Ebene angegriffen worden, sagt er. Mehrere Personen hätten damit gedroht, ihm etwas anzutun, wenn er nicht schweige.

Patrick Portmann will nun in den Hintergrund treten.

Wegen der Drohungen habe er beschlossen, nun in den Hintergrund zu treten und die Kommunikation seinen Mitstreiterinnen zu überlassen. Er nimmt die Drohungen sehr ernst: «Ich bin grundsätzlich dafür, dass unsere Aktion kommentiert wird, und man muss auch nicht unserer Meinung sein», sagt er. «Aber dass gewisse Leute, die Toleranz ­einfordern, selbst keine andere Meinung akzeptieren können, finde ich bedenklich», sagt Portmann.

«Wenig konstruktive Debatte»

Ausschliesslich positive Resonanz auf den offenen Brief hat Isabelle Lüthi bekommen. Sie freut sich: «Das Echo ist riesig.» Gestern startete auf der Onlineplattform change.org eine Petition von Portmann, Lüthi und Rosenwasser, mit der das Konzert verhindert werden soll. «Die Rapper Farid Bang und Kollegah verletzen mit ihrer Musik die Würde von Frauen, Homosexuellen, Geflüchteten und Behinderten», heisst es dar­in. «Sie verherrlichen Gewalt in mannigfaltiger Weise. In einem aktuellen Lied sind zudem antisemitische Zeilen zu finden, bei denen Kollegah sich explizit weigert, sich zu entschuldigen.»

«Ziel ist ja, dass ein Dialog über den Auftritt der Rapper stattfinden kann.»

Isabelle Lüthi, Frauenstammtisch , Schaffhausen

Bis Redaktionsschluss wurde die Petition von 314 Personen unterzeichnet. Nach etwa eineinhalb Wochen sollen die Unterschriften an Organisator Beslim Memisi und Giorgio Behr weitergeleitet werden. Lüthi bedauert, dass sich die beiden noch nicht bei den Petitionären zu Wort gemeldet ­haben. «Ziel ist ja, dass ein Dialog über den Auftritt der Rapper stattfinden kann.»

Auch Anna Rosenwasser sagt, sie habe keine negativen Rückmeldungen auf den offenen Brief erhalten. Sie sei aber erschrocken darüber, wie wenig konstruktiv die Debatte um den Auftritt auf Facebook ­geführt werde. Die negativen Kommentare kämen ausschliesslich von Männern: «Das zeigt, dass eine Diskussion erst recht stattfinden muss.» Auch nach den Drohungen gegen Portmann ist für sie klar: «Wir ­machen weiter.»

Der Organisator des Festivals und Giorgio Behr waren gestern nicht erreichbar.

In Deutschland haben verschiedene Künstler ihrem Ärger darüber, dass das Rapperduo den Musikpreis Echo erhielt, Luft gemacht. Beatles-Wegbegleiter Klaus Voormann gab aus Protest den Echo für sein Lebenswerk zurück, und Sänger Marius Müller Westernhagen will seine sieben Echos nicht behalten.

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