Mobilfunkantenne spaltet das Dorf

Autor
Rolf Hauser

Die Dörflinger sind nicht nur gegen den geplanten Mobilfunkmast in der Gemeinde. Sowohl Gegner als auch Befürworter meldeten sich am Dienstag am Infoabend des Gemeinderates zu Wort.

Im Gebiet Chrüüzbuech ist eine Antennen des Mobilfunkanbieters Salt geplant. Dagegen regt sich Widerstand in Dörflingen. BILD ROLF HAUSER

Rund 100 Dörflinger besuchten am Dienstag den vom Gemeinderat initiierten Infoabend zur geplanten Mobilfunkantenne. Als Fachreferent war Peter Maly, Experte für Luftqualität, eingeladen. Maly ist Geschäftsleiter von Ostluft, einem Verband der Ostschweizer Kantone für Luftqualität. Er arbeitete bis vor einem halben Jahr beim kantonalen Labor Schaffhausen. Nicht anwesend war die Firma Salt, welche die Antenne in Dörflingen erstellen will.

«Wir haben in der Schweiz die strengsten Vorschriften von Europa.»

Peter Maly Experte für Luftqualität

Gemeindepräsident Pentti Aellig machte gleich zu Beginn klar, dass sich der Gemeinderat neutral verhalten und erst nach den Sportferien über das Baugesuch entscheiden werde. Die geplante 25 Meter hohe Mobilfunkantenne von Salt soll im Gewerbegebiet Chrüüzbuech hinter der Scheune von Markus Sigg gebaut werden.

Einsprachen und eine Petition

Gemeinderätin Ursula Risch sagte, es sei jetzt bereits der vierte Anlauf für eine Mobilfunkantenne in Dörflingen. Gegen das ­geplante Bauvorhaben seien 15 Einsprachen eingegangen, so viel wie noch nie für ein Bauvorhaben. Zudem wurde eine Petition mit rund 150 Unterschriften gegen die Antenne eingereicht. Die Gemeinde nehme die Kritik sehr ernst, erklärte Baureferentin Ursula Risch. Man habe deshalb das kantonale Labor Schaffhausen damit beauftragt, die Daten des Gesuchstellers Salt zu überprüfen: vor allem ob die NIS-Verordnung (Schutz vor nicht ionisierender Strahlung) eingehalten werde. «Dieser Bericht ist nun eingetroffen. Alle Vorschriften werden eingehalten», sagte Risch. Wenn alle Vorschriften befolgt würden, habe die ­Gemeinde praktisch keine Möglichkeit, das Gesuch zu verweigern, vor allem, da der Mobilfunkempfang in Dörflingen sehr schlecht sei. Die Mobilfunkanbieter hätten eine Versorgungspflicht, betonte Tanner.

Höchstens 50 Volt pro Meter

Peter Maly orientierte über die technischen Belange der geplanten Mobilfunkantenne. Die NIS-Verordnung sei 1999 in Kraft getreten. Der Immissionsgrenzwert liege bei 50 Volt pro Meter. Die Antennenstrahlung in Dörflingen dürfe 5 Volt pro Meter nicht übersteigen. Eine einzelne Mobilfunkantenne, wie die in Dörflingen, dürfe in der Schweiz nur ein Zehntel des Immissionsgrenzwertes strahlen, also höchstens 5 Volt pro Meter. «Wir haben in der Schweiz die strengsten Vorschriften von Europa», meinte Maly. In unmittelbarer Nähe von Wohnbauten müsse der Betreiber nachmessen, ob der Grenzwert von 5 Volt pro Meter nicht überschritten werde.

Befürworter und Gegner

Die anschliessende Diskussion zeigte, dass die Dörflinger sehr gespalten sind. Einige sind auf ein funktionierendes Mobilfunknetz angewiesen, andere befürchten nachhaltige Gesundheitsschädigungen durch die Strahlung. «Es gibt keinen einzigen stichhaltigen Beweis, dass die Mobilfunkstrahlung schädlich ist, aber auch keinen, dass sie nicht schädlich ist», so Maly. Man könne sich auch selbst sensibilisieren für die Auswirkungen der Strahlung. Da müsse man aufpassen, dass man sich nicht verrückt mache. Er appellierte an die Anwesenden, sich zu engagieren, damit die NIS-Verordnung nicht verändert werde wie von der Politik und der Wirtschaft gewünscht: Diese wollen die Grenzwerte massiv erhöhen.

Mit der Bewilligung für die geplante Antenne kann es dauern: Wenn der Gemeinderat Ja sagt, können die Gegner beim Regierungsrat dagegen rekurrieren, ebenso Salt, wenn die Dörflinger Exekutive Nein sagt.

«Grösste Strahlung geht vom Endgerät aus»

Nachgefragt bei Benjamin Petrzilka, Salt-Sprecher, hat Luc Müller.

Im Kanton Schaffhausen ist Salt neben Dörflingen auch in Neunkirch, Wilchingen, Stetten, Löhningen, Thayngen und Schaffhausen auf Standortsuche. Warum in diesen Orten?

Benjamin Petrzilka: Diese Orte verfügen über eine teilweise nicht zufriedenstellende Netzwerkabdeckung und insbesondere -kapazität. Auch käme die Bevölkerung mancherorts in den Genuss von neuester Mobilfunktechno­logie (4G/4G+) und damit einhergehenden ­höheren Downloadgeschwindigkeiten.

Wie viele Salt-Mobilfunkanlagen bestehen im Kanton Schaffhausen schon?

Gegenwärtig betreibt Salt im Kanton Schaffhausen rund 30 Makroantennen. Darin nicht eingerechnet sind sogenannte Klein­zellen und Tunnelanlagen. Eine Antenne wird nun in Trasadingen gebaut. Mittelfristig möchte Salt bis zu zehn weitere Anlagen im Kanton bauen. Die heutigen Bedürfnisse der Bevölkerung in Sachen Mobilität, Erreichbarkeit und Datenübermittlung führen dazu, dass das Mobilfunknetz ausgebaut werden muss.

Warum stehen die geplanten Antennen ­immer eher zentral im Dorf?

Mobilfunkanlagen werden dort benötigt, wo sich die Nutzer aufhalten. Zudem senden Antennenanlagen nur über wenige Hundert Meter ein qualitativ hochstehendes Signal. Dies ist besonders relevant, um eine schnelle Datenübermittlung zu gewährleisten, was aufgrund der bald exklusiven Nutzung von Smartphones in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Die Annahme, dass Anlagen ausserhalb eines Dorfes teurer sein sollen, trifft nicht zu. Es ist jedoch so, dass die Sendeleistung der Mobiltelefone und somit die Strahlenbelastung für die Nutzer umso grösser wird, je weiter die Mobilfunkantenne von ihm entfernt ist

Was ist die Aufgabe der Mobilfunkantennen?

Sie haben den Zweck, den Empfang zu verbessern und der umliegenden Bevöl­kerung die neuste Mobilfunktechnologie (4G/4G+) anzubieten. So kämen unsere Kunden in den Genuss von höheren Download­geschwindigkeiten sowie von besserer Netz­abdeckung, insbesondere Gebäuden.

Braucht es immer stärkere Antennen?

Die stetig steigende Beanspruchung der Mobilfunknetze führt dazu, dass je nach Standort entweder neue Antennen gebaut werden müssen und/oder zusätzliche Frequenzen aufgeschaltet werden, was mit einer Erhöhung der Sendeleistung einhergeht.

Sind Handystrahlen gefährlich für uns?

Für Mobilfunkstationen in der Schweiz gelten Grenzwerte, die zehnmal strenger sind als die internationalen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Die Verordnung über den Schutz vor nicht ionisierender Strahlung sieht einen gesetzlichen Grenzwert von 5 V/m für gemischte Anlagen an sogenannten Omen (Orte mit empfind­licher Nutzung) vor. Dabei handelt es sich um einen Vorsorgegrenzwert. Will heissen, dass beim Grenzwert für Omen bereits Reserven eingebaut wurden, um negative Auswirkungen auf die Gesundheit gänzlich ausschliessen zu können. Die effektive, gemessene Feldstärke an einem Omen ist erfahrungsgemäss dann noch tiefer als der berechnete Wert. Zudem geht beim Mobilfunk die grösste Strahlung für den Menschen von den Endgeräten, also den Mobiltelefonen aus. Je grösser die Distanz der Antenne zum Nutzer ist, umso stärker ist die nötige Sendeleistung der Endgeräte und somit die von diesen ausgehende Strahlung. Die Forschung hat bislang keine gesundheitsschädigende Wirkung von Mobilfunkanlagen nachgewiesen. Das Bundesamt für Umwelt bezeichnet die Grenzwerte als ausreichenden Schutz für Mensch und Tier.

Was sagen Sie zu den Bürgerprotesten?

Die bei Standorten zur Anwendung kommende Verordnung zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung ist im internationalen Vergleich sehr stringent. Sind alle öffentlich-recht­lichen und immissionsrechtlichen Bestimmungen eingehalten, kann die Baubewilligung für eine Mobilfunkantenne nicht verwehrt werden.

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