Vom «Strebergärtchen» auf die Bühne

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Schaffhauser N…

Auch mit Soloprogramm kann Barbara Hutzenlaub überzeugen. Im Neuhauser Trottentheater sprach die ­Comedy-Frau über die Schwierigkeiten einer Einbürgerung.

Fritz Bisenz als Barbara ­Hutzenlaub (links) wurde im Trottentheater von Musikerin Muriel Zemp beziehungsweise Coco Chantal unterstützt. Bild: Michael Kessler

von Sabine Bierich

Dreissig Jahre ist die Bühnenfigur Barbara Hutzenlaub der Schauspielerin Fritz Bisenz nun alt. Als «Sauschwäbin» im markant blau karierten Businesskostüm, in Stützstrümpfen und mit altmodischer Handtasche eroberte sie die Welt der Comedy. Massgeblich prägte sie die «Aca­pickels», jene legendäre Frauen-Musik-Kabarett-Gruppe aus Zürich, die mit heisser Stricknadel Frauenthemen komödiantisch auf die Bühne brachte.

Solo unterwegs

Zuletzt war Bisenz mit Acapickel-Kol­legin Jasmin Clamor als Hutzenlaub & Stäub­li unterwegs. Beide sind, so heisst es, gerade in einer Produktionspause. ­Bisenz nutzt die Pause derzeit für ein ­Soloprogramm, mit dem sie am Samstag auch im Neuhauser Trottentheater halt machte.

Unterstützt wurde Bisenz respektive Barbara Hutzenlaub dabei von Musikerin Muriel Zemp als Coco Chantal, die auf ihrem Keyboard in die Tasten griff. Doch auch Barbara Hutzenlaub musizierte. Die Schwäbin erklärte vor ausverkauftem Theater, dass die Zeit nicht «schnurlos» an ihr vorübergegangen sei – deshalb sei ihr Körper verkabelt. Hutzenlaub meinte dies wörtlich, denn als sie auf die Taschen ihres Kostüms drückte, ertönten im Saal plötzlich Bässe.

Aus-Ländler und Fahnenschwingen

Beim Neuhauser Publikum kamen vor allem Hutzenlaubs Schilderungen rund um ihre Einbürgerung in die Schweiz gut an. Mit viel Wortwitz berichtete die Schwäbin über ihre erstmaligen Übungen im Schweizer Fahnenschwingen. Obwohl sie ja nicht viel trinke, habe sie stets eine Fahne, berichtete Hutzenlaub augenzwinkernd. In einem Rap verwurstelte sie dann verschiedene Schweizer Dialekte miteinander, bevor sie zu einem Ländler überleitete respektive einem «Aus-Ländler». «Nach vierjährigem Ausbleiben der Legislaturperiode, schriftlicher Urinabgabe und AHV-positiv» habe sie sich kürzlich mal wieder in die schwäbische Heimat begeben, berichtete Hutzenlaub – nach Mallorca.

Mit «Spiel mir das Lied vom Tod», auf der Blockflöte gespielt, leitete Hutzenlaub eine düstere Schilderung aus ihrer Kindheit auf der Schwäbischen Alb ein: Die kleine Barbara sieht sich einer schlagenden Horde von Klassenkameraden gegenüber, der sie letztlich allein mit ihrer Blockflöte Paroli bietet. «Kill Bill» sei ein Schrott dagegen.

Schier unerschöpflich waren auch die Tipps und Tricks aus dem hausfraulichen, «strebergärtlichen» Hintergrund der Hutzenlaub. Sie nahm es selbst mit der Schönheitschirurgie auf und empfahl den Zuschauern ihren «Lippenexplorer». Paare, bei denen der Ofen aus ist, warte sie mit Hausbesuchen auf, inspiriert durch ihre Handarbeitsgruppe. Nach dem Motto: «Strick diis» gab sie denn auch eine Kostprobe und führte im bezaubernden Strickkleidchen einen Striptease vor. Sagenhaft, dieses schwäbische «bad girl».

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