«Schaffhausen hat mit der Schrotflinte in die Agenturlandschaft geschossen»

Autor
Daniel Zinser

Das Auswahlverfahren für die vor dem Kantonsrat gescheiterte Imagekampagne ärgert einen Zürcher Werber. Ernst Landolt hat dafür wenig Verständnis.

Das Auswahlverfahren für die vom Kantonsrat abgelehnte Imagekampage hat den Zürcher Werber Adrian Schaffner verärgert. Bild: zvg

Adrian Schaffner, Chef der Zürcher Agentur evoq Communications, ärgert sich über den Kanton Schaffhausen. Die Tatsache, dass sich die Schaffhauser auf politischer Ebene nicht einig seien über Sinn und Zweck der geplanten Imagekampagne, sei Ressourcenvernichtung im grossen Stil, erklärt der Werbefachmann in einer Kolumne auf der Webplattform persoenlich.com und rechnet vor, was die vom Kantonsrat  vergangene Woche bereits in der Eintrittsdebatte versenkte Imagekampagne die Schweizer Agenturen gekostet hat. «Bei einem durchschnittlichen Stundenansatz von 150 Franken hat die Schweizer Agenturszene 525'000 Franken in den Kanton Schaffhausen investiert, aber dabei ist nichts herausgekommen», sagt Schaffner.

Persönlich formulierte Anfrage

Auch Schaffner hat mit seinem Unternehmen am Auswahlverfahren teilgenommen, seine Agentur ist unter den Top 12 gelandet. Hätte er aber gewusst, welchen Umfang das Submissionsverfahren der Regierung haben sollte, hätte sich seine Agentur gar nicht erst beworben. «Die Anfrage war sehr persönlich formuliert. Wir sind davon ausgegangen, dass einige wenige Agenturen angeschrieben wurden, die auch dem Fachgebiet des Ortsmarketings schon Erfahrungen gesammelt haben», sagt Schaffner. Dass aber mehrere hundert Unternehmen angefragt wurden, mache für ihn wenig Sinn. «Da wird einfach mal mit der Schrotflinte in die Agenturlandschaft geschossen und geschaut, was vom Himmel fällt.»

«Die Spielregeln waren bekannt»

Auf die Vorwürfe angesprochen, verteidigt Regierungspräsident Ernst Landolt die Vorgehensweise des Kantons Schaffhausen. «Der Kanton Schaffhausen ist verpflichtet, ein solches Auswahlverfahren öffentlich auszuschreiben. Das ist ganz normaler Alltag in der freien Marktwirtschaft und die Agenturen haben gewusst, worauf sie sich einlassen», sagt Landolt und ergänzt: «Hätten wir nur wenige Agenturen angeschrieben, wäre das Verfahren ganz sicher kritisiert worden.» 

Für das Auswahlverfahren hat der Kanton rund 400 Agenturen angeschrieben. 57 davon haben eine grobe Skizze eingeschickt. Drei davon durften einen Monat lang an ihrer Idee arbeiten. Schlussendlich wurde das Projekt «Einfach mehr Leben» der Geyst AG als Siegerprojekt ausgewählt. Von der Zürcher Agentur erhält der Kanton Rückendeckung. «Natürlich sind wir traurig, dass unsere Kampagne jetzt nicht umgesetzt wird, obwohl wir das Auswahlverfahren ja eigentlich bereits gewonnen hatten», sagt Tanja Birrer, Kommunikationsplanerin der Agentur. Es sei aber stets transparent informiert worden. «Die Spielregeln waren bekannt, dieses Risiko geht man ein, wenn man an einem Pitch teilnimmt», so Birrer weiter.

Meinungen im Kantonsrat zu unterschiedlich

Für Adrian Schaffner geht dies jedoch zu weit. «Dieses Vorgehen in der Agenturauswahl hat ein Niveau erreicht, das nicht akzeptabel ist und mich wütend macht.» Er hätte sich von der Regierung gewünscht, dass diese zuerst mit allen verantwortlichen Personen zusammengesessen wäre und sich auf Form und Ausmass einer möglichen Kampagne geeinigt hätte, erklärt er auf Anfrage von shn.ch. «So kann man verhindern, dass viele Stunden umsonst gearbeitet wird.» Bezahlen würden diese nämlich am Ende des Tages die bestehenden Kunden, die sich dann wieder über die hohen Ansätze der Agenturen beklagen würden, so Schaffner weiter.

Diese Kritik könne er ein Stück weit nachvollziehen, erklärt Volkswirtschaftsdirektor Ernst Landolt. Ursprünglich hatte er mit seinen Ratskollegen für den Voranschlag 2018 einen Betrag von 1.25 Millionen Franken für die Realisierung einer neuen Imagekampagne für den Kanton eingeplant. Erst durch einen Antrag der GPK des Kantonsrats wurde die Regierung beauftragt, einen konkreten Kampagnenvorschlag zu erarbeiten. Dass es für einen solchen vor dem Kantonsrat nun schwierig werden würde, hat Ernst Landolt vermutet. «Wir wollten es versuchen, haben aber gesehen, dass so etwas nicht durch ein 60-köpfiges Gremium entschieden werden kann», sagt der Regierungspräsident und erklärt weiter: «Der Kantonsrat kann einen Grundsatzentscheid treffen, für eine solch konkrete Kampagne sind die Meinungen im Rat aber viel zu unterschiedlich.»

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