Mehr Elektroschockpistolen für die Polizei

Autor
Daniel Jung

Die Schaffhauser Polizei will zusätzliche Destabilisierungsgeräte anschaffen. Diese stellen ein sehr effektives, aber nur wenig gefährliches Einsatzmittel dar.

Bei der Einweihung der neuen Trainings- und Schiessanlage Solenberg im Herblingertal wurde auch ein neuer Raum für das Nahkampftraining von Polizei und Grenz­wache vorgestellt, das sogenannte Dojo (SN vom 20. Dezember 2018). Dabei wurde erwähnt, dass künftig auch die Ausbildung an den sogenannten Destabilisierungsgeräten (DSG) dort stattfinden werde. So könne die Schaffhauser Polizei bald zusätzliche Geräte anschaffen.

DSG sind pistolenähnliche Elektroimpulswaffen, die zwei mit Widerhaken versehene Projektile, die meist über Drähte mit der Waffe verbunden sind, in den Körper einer Zielperson schiesst. Über die Drähte wird anschliessend eine Folge elektrischer Impulse übertragen, wodurch die getroffene Person für die Dauer des Stromflusses handlungsunfähig gemacht wird. DSG werden oft auch Elektroschockpistolen genannt. Der ebenfalls geläufige Begriff «Taser» ist ein Markenname – auch andere Hersteller bieten solche Geräte an.

Erweiterung der Palette

Wie Polizeisprecher Patrick Caprez bestätigt, hat die Schaffhauser Polizei schon seit einigen Jahren DSG in ihrem Bestand. Er erklärt: «Mit der vorangetriebenen Ausbildung können nun mehr Destabilisierungsgeräte beschafft werden.» Über die genaue Anzahl der Geräte, die bereits heute im Einsatz sind, und über die Zahl der neu anzuschaffenden Geräte will die Polizei aus taktischen Gründen keine Angaben machen.

Gemäss Caprez sind die DSG eine wichtige Ergänzung zu den bestehenden Mitteln der Polizei. «Es ist in der gesamten ­Palette der polizeilichen Ausrüstung ein weiteres nicht tödliches Einsatzmittel», so Caprez. Im Vergleich zur Schusswaffe ist das DSG klar weniger gefährlich. Im Vergleich zum Pfefferspray ist es wirkungsvoller, um eine Person handlungsunfähig zu machen.

«Bei allen bisherigen Einsätzen ist die gewünschte Wirkung eingetreten.»

Patrick Caprez, Kommunikationsbeauftragter Schaffhauser Polizei

Die Schaffhauser Polizei setze dabei nur modernste und geprüfte Geräte ein. Aufgrund ihrer Wirkungsweise seien die DSG ein probates Mittel, um einen starken ­Effekt zu erzielen – möglichst ohne Verletzungen. Wie bei den anderen Zwangsmitteln richtet sich der Einsatz der DSG nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip.

Gemäss Caprez ist die Art der Ausrüstung Sache des Polizeikommandos, wobei hier auch Empfehlungen von schweizerischen Polizeigremien berücksichtigt werden. Die Beschaffung selbst untersteht dem ordentlichen Budgetprozess des Kantons Schaffhausen.

Bisher keine Verletzungen

Die Schaffhauser Polizei hat bisher positive Erfahrungen gemacht mit Elektroschockpistolen. «Bei allen Einsätzen ist die gewünschte Wirkung eingetreten», erklärt Caprez. Alle betroffenen Personen wurden zudem nach dem Einsatz ärztlich begutachtet. Bei keiner dieser Personen wurden bisher Verletzungen festgestellt. Zur Zahl und zu den einzelnen Einsätzen macht die Polizei keine weiteren Angaben.

Die Grundausbildung zum DSG erfolgt ab sofort im Dojo der TSA Solenberg. Alle DSG-Trägerinnen und -Träger absolvieren hier eine Grundausbildung und alle zwei Jahre einen Refresherkurs. Im Rahmen der Grundausbildung werden sie auch ­einem Selbsttest unterzogen: Das heisst, sie erleben es am eigenen Leib, was es bedeutet, wenn es während fünf Sekunden durch den Stromstoss zu unfreiwilligen Muskelkontraktionen kommt.Die Instruktoren der Schaffhauser Polizei absolvieren ihre Ausbildung in Kursen des Schweizerischen Polizeiinstituts (SPI). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schaffhauser Polizei werden dann, ebenfalls nach den Vorgaben des SPI, stufen­gerecht ausgebildet.

 

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren