Nach dem Tod muss die Show weitergehen

Autor
Miriam Barner

Zuerst Vorwürfe der Raubtierquälerei und des vorgetäuschten Konkurses, nun der Tod des ehemaligen Zirkusdirektors Peter Gasser: Die Schlagzeilen über den Circus Royal nehmen kein Ende.

Ohne Kajal und Uniform: Zirkusdirektor Oliver Skreinig. Bild: Eric Bührer

Herr Skreinig, zuerst möchte ich Ihnen mein Beileid aussprechen. Wahrscheinlich mussten Sie in den letzten Tagen oft über den Tod Ihres Exlebensgefährten und ehemaligen Zirkusdirektors des Circus Royal, Peter Gasser, sprechen.

Oliver Skreinig: Nein, wir haben nur eine schriftliche Mitteilung gemacht.

Sie waren sowohl als Mitinhaber der in Konkurs gegangenen «alten» Firma und als Geschäftsführer der noch kurz ­davor neu gegründeten Firma Circus ­Royal GmbH sowie wegen angeblicher Streitereien mit Mike Shiva oft im Fokus der Öffentlichkeit.

Nein, Streitereien waren das Einzige, was es nicht gegeben hat. Es stimmt aber, dass Herr Gasser mit seiner Firma ­Circus Royal Betriebs GmbH in Konkurs ­gegangen ist, aber das hat meine Firma, die Circus Royal GmbH, nicht betroffen. Das hat ihm sehr, sehr zu schaffen gemacht.

An der Pressekonferenz Mitte Juli wussten Sie noch nicht über die Hintergründe des Konkurses Bescheid. Wissen Sie schon mehr?

Erst nach der offiziellen Pressekonferenz wurde ich über den Konkurs informiert. Wir wissen nun, dass es ein Gläubiger ist, der den Konkurs beantragt hat. Die ganze Sache ist beim Konkursgericht und ist aber noch nicht abgeschlossen. Der Tod von Peter Gasser stoppt das Verfahren nicht, die Entscheidung steht aus.

Zur «Thurgauer Zeitung» haben Sie Ende Februar gesagt, der Circus Royal ­beschäftige rund 120 Mitarbeiter, Mitte August haben Sie beim «Blick» von der Übernahme von allen 98 Mitarbeitern der konkursgegangenen Firma gesprochen. Wie erklären Sie sich diese zwei Zahlen?

Wir haben den Mitarbeiterstamm zu 100 Prozent übernommen, es hat keine Kündigungen gegeben, es gibt keine Stellenreduzierung. Wir sind ein reisender Betrieb, gewisse Stammmitarbeiter brauchen wir für die Infrastruktur. Aber ein Teil ändert sich auch immer, das hat auch mit dem Programm zu tun. Manchmal haben wir grössere Gruppen, wie jetzt zum Beispiel 13 Marokkaner, und dann wieder kleinere.

Hatte die negative Presse Auswirkungen auf den Zirkus?

Ja natürlich. Das Schlimmste war, dass wegen der Presse ganz viele Leute meinten, dass wir nicht mehr spielen. Es kamen weitere unglückliche Umstände hinzu, denn auch der schöne, heisse Sommer war für uns schlimm. Das hat uns ­einen sehr schweren Sommer bereitet.

Auch Mike Shiva ist als Freund mit auf Tournee, pausierte aber aufgrund ­seines Buches …

Skreinig unterbricht: Nicht wegen des Buches! Der Grund, weshalb er gegangen ist, ist seine Teilnahme an der TV-Sendung «Promi Big Brother». Dies war von Anfang an geplant. Das TV-Format wird in der Schweiz Gott sei Dank nicht so beachtet. Deswegen war er nicht mit uns unterwegs. Er muss aber auch sehr viele Vorbereitungen für sein Buch erledigen, das im Herbst herauskommt. Aber er kommt jetzt dann retour. Man muss noch sagen, Mike Shiva ist nicht engagiert beim Zirkus, sondern er reist mit seinen zwei Wohnwagen mit.

Dieses Jahr haben Sie aus Programmgründen auf Ihre bei Tierschützern umstrittene Raubtiernummern verzichtet. Im Programm vom kommenden Jahr sind wieder Raubtiere in der ­Manege zu sehen.

Wir wollen dem Publikum immer wieder etwas Neues bieten. Deswegen haben wir uns entschieden, dieses Jahr eine Ziegen- und eine Hundenummer zu zeigen. Nächstes Jahr sind es normalfarbige und weisse Löwen. Sie werden trainiert und präsentiert von Thomas Lacey. Das ist der Bruder von Martin und Alex Lacey, die wirklich die Könige der – man sagt ja nicht mehr Dressur –, sondern der Raubtierbeschäftigung in menschlicher Obhut sind.

Wie geht es Ihnen persönlich?

Im Moment natürlich nicht so gut. Man kann sagen: Das Schlimmste, was einem Menschen vererbt werden kann, ist Tradition. Ich habe einen ­Namen auf dem Rücken geschnallt ­gekriegt, der zu sehr viel verpflichtet. Man kann sich vorstellen, dass jetzt nach dem Tod von Herrn Gasser sehr viele Menschen genau hinschauen, was ich mache und nur darauf warten, dass ich stolpere. Das ist hart. Auch hat Peter Gasser 62 Jahre Zirkus gemacht, wir waren 21 Jahre lang zusammen, und nun ist niemand mehr da, den man nach Rat fragen kann, der das Wissen und die ­Erfahrung hat.

Interview: Miriam Barner

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