«So Herr Babic, jetzt erzähle ich Ihnen etwas!»

Autor
Maria Gerhard

Zum 500. Mal wird er heute Abend die Talksendung «Hüt im Gschpröch» moderiert haben: Sebastian Babic. Der Chef des Schaffhauser Fernsehens über zu enge Lifte und Brummbären.

Ein Grund zum Feiern: Zum 500. Mal moderierte Sebastian «Sebi» Babic die Sendung «Hüt im Gschpröch». Zu Gast waren Lukas Somm und Britta Schmid von der ­Genossenschaft Legeno. Das Gespräch wird heute Abend ausgestrahlt. Bild: Bruno Bührer

«Bekommen Sie überhaupt noch Luft?», fragt Britta Schmid und mustert Moderator Sebastian Babic wie eine Ärztin einen kranken Patienten, «nicht, dass Sie gleich umfallen!» Die Präsidentin der Genossenschaft ­Legeno hat in der Sendung «Hüt im Gschpröch» über die Wohnüberbauung auf dem Wagenareal gesprochen (Ausstrahlung heute Abend um 18.05 Uhr). Sie war zum ersten Mal zu Gast. Der Chef des Schaffhauser Fernsehens hat ihr – in recht beachtlichem Sprachtempo – eine Einführung gegeben. «Alles gut», sagt Babic, hebt beruhigend die Hände, «das ist heute meine 500. Sendung. Da bin ich nur etwas aufgeregter als sonst.» Und zack, da ist es, dieses markante, breite Lachen, das die Zuschauer des SHf so gut kennen.

Vom Schreibenden zum Moderator

Auf sein Jubiläum ist Babic stolz. «Ich hätte schliesslich nie gedacht, dass ich einmal beim Fernsehen lande», sagt der 33-Jährige nach der Sendung. Nämlich als «Schreiberling» hat er begonnen und hat unter anderem bei den «Schaffhauser Nachrichten» ein Praktikum ­gemacht. Dort hat sich bereits sein ­Talent gezeigt, Menschen für sich einzunehmen. Gleich am Anfang landete er wohl auch deshalb einen Primeur. «So Herr Babic, jetzt erzähle ich Ihnen ­etwas», erklärte ihm damals ein Politiker. Wenig später wusste er als einer der Ersten, dass auf dem RhyTech-Areal «hohe Gebäude» gebaut werden sollen. «Für mich war das eine grosse Geschichte, ich war ja noch grün hinter den Ohren», sagt er heute. Den ersehnten Job bei der Zeitung habe er trotzdem nicht bekommen, aber dafür später beim Schaffhauser Fernsehen.

Statt seiner Schreibe bemühte sich der Moderator künftig also darum, sein Auftreten vor der Kamera und die Interaktion mit den Gästen zu perfektionieren. Gerade für Letzteres gebe es ein ­«relativ einfaches Rezept». «Wenn ich den Gast an der Rezeption abhole, komme ich ihm schon mit einem Strahlen entgegen», sagt Babic, «damit signalisiere ich: Bei mir kannst du dich wohlfühlen.» Und dann gehe es darum, in den wenigen Minuten, die man vor dem Talk hat, Kontakt zu seinem Gegenüber aufzubauen. Als das SHf noch im fünften Stock, direkt unter dem Dach des Altbaues untergebracht war, sei das viel einfacher gewesen. «Da gibt es diesen Lift, so gross wie eine Briefmarke», sagt Babic und muss schmunzeln. Dort sei er mit seinen Gästen regelmässig eingestiegen. Auf dem engen Raum habe man gar nicht anderes gekonnt, als ein paar Worte zu wechseln.

Eine gute Vorbereitung ist wichtig

Eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, sei generell sehr wichtig. «Wenn die Kameras noch aus sind, sind die Leute offen, sobald sie auf Sendung sind, ist es so, als würden sie sich zusammenziehen.» Zur Auflockerung stelle er ­daher gerade am Anfang seiner Interviews oft eine persönliche Frage. «Und wer offen ist, lässt sich ein Stück weit in seine Seele schauen», sagt er. Damit sei mehr als die Hälfte eines guten Talks schon gemacht. Der Rest sei gute Vorbereitung. «Je nach Thema lese ich mich auch schon einmal sechs bis sieben Stunden ein.» Und dann wiederum gäbe es Bereiche – wie etwa die regionale ­Politik – in denen er sich bereits sehr gut auskenne.

Vor Fehlern ist aber auch er nicht ­gefeit: Bei «Hüt im Gschpröch» hat er in seinem Anfangsjahr Bänz Friedli interviewt. In dem Vorgespräch hat er dem Schweizer Autor – voller Begeisterung – einen Text zugesprochen, den jedoch der Kolumnist Linus Reichlin geschrieben hatte. Friedli fand das lustig und hat dem Vorfall in seinem Buch «Es ist verboten, übers Wasser zu gehen» ein Kapitel gewidmet. Babic: «Mittlerweile habe ich ihn schon vier Mal interviewt, und wir sind Freunde geworden.»

Letztlich seien solche Fehler einmal auch verzeihbar, solange man sympathisch und authentisch rüberkomme. Und daher sage er zu seinen Jahrespraktikanten, die auch moderieren: «Verstellt euch nicht vor der Kamera. Egal, ob ihr ein Brummbär oder ein Sonnenschein seit, bleibt euch selber. Sonst nimmt euch der Zuschauer das nicht ab.»

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