Kommissar Facebook: Wie die Polizei auf soziale Netzwerke setzt

Autor
Ralph Denzel

Mehr und mehr Polizeikorps sind in den sozialen Medien aktiv - und das überaus erfolgreich. Wir haben mit mehreren Korps gesprochen, warum soziale Netzwerke immer wichtiger für die Polizeiarbeit werden.

Immer mehr Polizeikorps sind auf Facebook aktiv. Bild: Kantonspolizei Zürich/FB

Es ist ein Phänomen, welches auf sozialen Netzwerken immer wieder beobachtet werden kann: Aufrufe der Polizei, egal welcher Art, erreichen höhere Interaktionsraten, also werden von mehr Leuten angeschaut, als viele andere Beiträge. Diese Themen sieht man oft «viral gehen» – das bedeutet, sie werden immer weiterverteilt - wie ein Virus. Vermisste Personen, Zeugenaufrufe, Warnungen – es sind glücklicherweise Ausnahmen, wenn Hetze und Falschinformationen auf sozialen Netzwerken ebenso viral verbreitet werden.

Mittlerweile haben auch die Kantonspolizeien in der Region die Möglichkeiten von sozialen Netzwerken entdeckt. Wir haben in den Kantonen Schaffhausen, Zürich und Thurgau nachgefragt, wie soziale Medien genutzt werden und welche Erfahrungen die Polizisten damit gemacht haben.

«Leute bekommen das Gefühl, helfen zu können»

In Schaffhausen waren es die positiven Erfahrungen von anderen Polizeikorps, die letztlich dazu führten, dass die Schaffhauser Polizei sich ebenfalls auf den sozialen Medien präsentieren wollte. Patrick Caprez, Sprecher der Polizei Schaffhausen: «Mittlerweile sind fast alle Polizeikorps der Schweiz zumindest auf einem Social-Media-Kanal aktiv.»

So auch die Kantonspolizei Thurgau, die ebenfalls sehr positiv von den Möglichkeiten von sozialen Netzwerken spricht: «Uns gefällt die Möglichkeit, auf einer anderen Ebene mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und zwischendurch auch ungewöhnliche oder etwas lockerere Themen rüberzubringen, die sonst in einer «normalen» Medienmitteilung am falschen Ort wären», sagt Polizeisprecher Daniel Meili.

Es muss nicht immer ernst sein - wie diese Geschichte, welche die Kantonspolizei Thurgau ihren knapp 10'000 Fans auf Facebook nicht vorenthalten wollte.

Auch Ralph Hirt, Sprecher für die Kantonspolizei Zürich, ist vom Nutzen der sozialen Medien überzeugt: «Für uns ist es wichtig, die Bevölkerung aktiv informieren zu können. Daher sind wir dort präsent, wo sich auch die Zürcher Bevölkerung informiert.» Gerade Facebook und Twitter hätten sich dabei als «wertvoll erwiesen», so der Medienverantwortliche.

Dabei wird vor allem geschätzt, dass die Kanäle schnell sind: «Dieser moderne Kommunikationskanal trägt zu einem noch intensiveren und vertrauensfördernderen Austausch mit der Schaffhauser Bevölkerung bei», so Patrick Caprez von der Schaffhauser Polizei. Ähnlich sieht es auch die Kantonspolizei Thurgau: «Wir haben den Eindruck, dass die Leute solche Sachen (zum Beispiel Vermisstenmeldungen – Anm. d. Red.) gerne weiterverbreiten und so das Gefühl bekommen, helfen zu können.» Und auch in Zürich ist man überzeugt: «Die sozialen Netzwerke helfen uns, wichtige Mitteilungen schnell zu verbreiten und die Zielgruppen zeitnah zu erreichen.»

Lohnender Mehraufwand?

Trotzdem ist die Arbeit mit sozialen Netzwerken auch ein zweischneidiges Schwert, denn sie führt zu einem Mehraufwand für die Polizisten. «Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass der Unterhalt einer Facebook-Seite einen gewissen Aufwand mit sich bringt», so Daniel Meili. «Wir stellen beispielsweise das Monitoring auch ausserhalb der Bürozeiten sicher und haben den Anspruch, unsere Posts möglichst Facebook-tauglich zu machen.» Auch bei der Polizei Schaffhausen ist die Arbeitsbelastung durch die sozialen Netzwerke gestiegen. Der Wille sei da, dass man die Aktivität dort weiter ausbaut, aber «aus Ressourcengründen können wir unsere Aktivitäten auf sozialen Netzwerken derzeit nicht weiter ausbauen», so Patrick Caprez.

Dabei könnte das durchaus wichtig sein, denn: Bei allen drei befragten Korps wurden dank der sozialen Netzwerke schon Fahndungserfolge erzielt. So sagt Patrick Caprez: «Es konnten aber schon mehrere Tatverdächtige z.B. von Raubüberfällen oder Schlägereien über Facebook bzw. daraus gründenden Hinweisen aus der Bevölkerung identifiziert werden.» Auch Fundgegenstände konnten über Öffentlichkeitsfahndungen auf Facebook wieder zu ihren rechtmässigen Besitzern gebracht werden, so der Medienverantwortliche der Schaffhauser Polizei. Auch die Kantonspolizei Thurgau konnte schon, dank Facebook, Erfolge feiern. Besonders im Kopf geblieben ist dem Beamten dabei die Geschichte eines ausgebüxten Vogels, der dank des sozialen Netzwerkes wieder nach Hause fand.

Bei der Polizei Zürich wollte man sich zu Fahndungserfolgen durch die sozialen Netzwerke nicht äussern. Laut Medienmitteilungen der Polizei jedoch hatte auch diese öfter Erfolge dank der sozialen Medien: So gingen den Zürchern dank Hinweise auf Facebook 2015 zwei Männer ins Netz, die mehrere Einbrüche verübt hatten. Die Ausbeute der beiden Männer war dabei beachtlich:

Die Ausbeute ist beachtlich - und der Fahndungserfolg gelang wegen Facebook. Bild: Kantonspolizei Zürich

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