Welche Feiertage Schaffhausen dringend bräuchte

Autor
Ralph Denzel

Heute ist der Erfinde-deinen-eigenen-Feiertag-Tag - der Name ist Programm: Sie erfinden einen Feiertag, den sie gerne mal feiern würden - wir hätten da ein paar Ideen.

Was für Feiertage bräuchte Schaffhausen dringend? Wir hätten da mal ein paar Ideen... Bild: Pixabay/Montage SHN

Heute ist ein ganz besonderer Tag: Der Erfinde-deinen-eigenen-Feiertag-Tag. Heute soll man sich überlegen, was man  gerne im eigenen Leben feiern möchte. Die Chance haben wir uns natürlich auch nicht nehmen lassen: Wir haben ein paar Vorschläge , welche Feiertage wir hier in Schaffhausen dringend brauchen würden.

Tag des potenten Bocks

Für die Kabarettistin Hazel Brugger ist es das Erste, was ihr einfällt, wenn sie an Schaffhausen denkt – damit wird sie sicher nicht alleine sein. Das Wappentier dieser Stadt ist bekannt für seine – Potenz. Oder wie es in der offiziellen Beschreibung unserer Wappens heisst: Zu sehen ist «in Gold ein springender schwarzer Widder mit roter Zunge, goldener Krone und Mannheit, goldenen Hörnern und Hufen.» Woher kommt das?

Auf Erlaubnis von Papst Julius II. durfte der Kanton 1512 sein Wappen verschönern. Damals vertrieben Schaffhauser Söldner die Franzosen aus Mailand – diese Tat führte dazu, dass unser Bock heute so aussieht, wie er es tut - mit päpstlichen Segen.

Seien Sie doch ehrlich: Ein Merkmal sticht besonders ins Auge... Bild: Selwyn Hoffmann

Eine goldene Krone auf dem Haupt des Bocks, goldene Hörner, Hufe – und Hoden. Das sollte die Potenz und die Kraft des Tieres zeigen. Unser Wappentier hat dabei übrigens auch die Grösste (Männlichkeit): Bern, Graubünden, Thurgau – kein anderes Wappentier hat so mächtige sekundäre Geschlechtsmerkmale. Das könnte man jetzt natürlich als sexistisch anprangern, aber andererseits gehört der Bock zu dieser Stadt wie der Munot und der Rhein. Warum also nicht mal einen herrlich politisch unkorrekten Tag feiern? Und um nicht komplett sexistisch zu wirken, könnte man auch immer an die Errungenschaften des Schaffhauser im Mittelalter gedenken. Dann wäre es wenigstens ein bisschen politisch korrekt.

Tag des Einkaufstouristen

Auch Einkaufstouristen verdienen einen Feiertag - wenn auch einen speziellen. Bild: Selwyn Hoffmann

Wir sehen Sie mit den Augen rollen – jetzt kommt DAS Thema schon wieder, aber lassen Sie uns ausreden. Wie schön könnte man diesen Tag aufziehen? Mit einem Jahrmarkt auf dem Fronwagplatz, vielen Attraktionen und Veranstaltungen. So könnte man dort Ausfuhrscheinbingo spielen. Alle Ausfuhrscheine kommen in eine grosse Tombola und wer als erster von jedem ausländischen Geschäft einen Schein richtig getippt hat, gewinnt! Beim Zoll, der auch einen Stand aufmachen könnte, stünde Stempel-Dart auf dem Programm. Wer trifft mit einem handesüblichen 100 Gramm Zollstempel die meisten Ausfuhrscheine und stempelt sie gültig ab? Der erste Preis: Einmal Vorzugsbehandlung beim realen Abstempeln auf einer Zollstelle der eigenen Wahl. 

Vergessen Sie dabei nicht: Wenn diese Veranstaltung auf dem Fronwagplatz stattfinden würde, wären auch die meisten Leute in der Stadt – und würden an diesem Tag auch hier ihr Geld liegen lassen. Eine Win-Win-Situation für alle - Händler wie auch Einkaufstouristen.

Tag der Erker

Dieser Feiertag würde sich schon deswegen eignen, um St. Gallen dezent darauf hinzuweisen, wer in Sachen Erker in der Schweiz eigentlich die Hosen anhat. Die Stadt gilt nämlich bei vielen ausländischen Reiseführern als «Stadt der Erker». Ein Skandal – mit gerade mal 111 Erkern. Diesen Tag könnte man dann gut nutzen, um die Ostschweizer jedes Jahr aufs Neue dezent, aber deutlich, darauf hinzuweisen, dass Schaffhausen 171 hat… So viel zu Stadt der Erker, liebe St. Galler! 

Tag des Grenzgängers

Bekannte Gesichter für Grenzgänger: Zöllner. Bild: Selwyn Hoffmann

Ja, auch wir wollen einen Feiertag (Anm. d. Red.: Der Autor ist selbst Grenzgänger). An diesem könnte man zum Beispiel daran erinnern, mit welchen Problemen sich mancher von uns herumschlagen müssen. So gibt es viele Grenzgänger, die Probleme mit der Sprache hier haben. Klar, viele Schaffhauser versuchen höflicherweise, sich in Hochdeutsch mit den Fremden zu verständigen – aber trotzdem gibt es dort immer wieder Wörter, die einfach nicht in unserem Sprachgebrauch vorhanden sind und bei uns Grenzgängern einfach nur ein grosses Fragezeichen im Kopf hinterlassen.

Daher: Nutzen wir doch diesen Tag, um Grenzgängern einen Crash-Kurs in Sachen Schaffhauser-Mundart zu geben. Dann könnte ein Schweizer Kollege sich den ganzen Tag mit einem Grenzgänger beschäftigen und ihm die Gepflogenheiten und gängigsten Helvetismen näherbringen. Die Grenzgänger wären nicht mehr so verloren und auch die einheimischen Kollegen könnten in den Genuss kommen, einen ganzen Tag ohne Arbeit zu verbringen. Denn seien wir ehrlich: Ein Tag mit einem Grenzgänger, vor allem aus Deutschland, zu verbringen ist vor allem Vergnügen, aber keine Arbeit…

Renn-die-Stufen-zum-Munot-hoch-Tag

Bewegung tut jedem gut. Also, warum diese nicht mit Kultur verbinden? Darum: Laufschuhe an und rennen Sie die Stufen zum Munot hoch. Bonuspunkte gibt es, wenn sie oben angekommen in bester Rocky-Manier vor dem Tor eine Siegerpose machen. Sie wissen, welche Szene wir meinen:

Unterstütze-deinen-Heimatverein-Tag

Wäre das Stadtion voller, würde es dann besser laufen für den FC Schaffhausen? Bild: Tobias Erlemann

Zugegeben: Für den FC Schaffhausen läuft es derzeit nicht wirklich gut. Wäre es dann nicht angebracht, dass sich die ganze Stadt hinter den Club stellt und ihn unterstützt? Wie würden die Spieler wohl auftreten, wenn sie mal nicht vor dreihundert Zuschauern, sondern vor einer ausverkauften Hütte antreten könnten? Vielleicht endet dann die Negativserie des Clubs und er kehrt zu alter Stärke zurück. In diesem Sinne: Hopp Schaffhuuse!

Sei-ein-stolzer-Schaffhauser-Tag

Die Stadt ist schön. Dieser Meinung sind nicht nur die meistens Einwohner, sondern auch die unzähligen Touristen, die mit Kamera bewaffnet immer wieder durch die Innenstadt ziehen und die alten Erker, Fassaden und sonstige Sehenswürdigkeiten ablichten. Nehmen Sie dies alles überhaupt noch wahr? Wahrscheinlich eher weniger. Man gewöhnt sich, selbst an diese Schönhheit.

An diesem Tag könnte man sich mal wieder einfach die Zeit nehmen, die Stadt mit offenen Augen anzuschauen und letztlich zu merken: Es ist vielleicht nur «ä chliini Stadt», aber sie ist wirklich ein wunderschönes Fleckchen Heimat.

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