Wegen neuer Messanlage: Tempo 60 bleibt

Autor
Eva Kunz

Im Fäsenstaubtunnel gilt eine Geschwindigkeit von ­60 statt 80 km/h, wenn Autoscheiben zu beschlagen drohen. Warnblinker machen darauf aufmerksam – in letzter Zeit praktisch permanent.

Für mehr Sicherheit wird der Fäsenstaubtunnel im Frühling saniert. Durch weiss gestrichene Wände und eine neue Beleuchtung soll die Röhre heller werden. Bild: Michael Kessler

Gelbe Warnblinker und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h: Autofahrern, die in den vergangenen Tagen und Wochen auf der A4-Strecke durch den Fäsenstaubtunnel unterwegs ­wa­- ren, dürfte dies aufgefallen sein.

Seit über zehn Jahren sorgt die Feuchtigkeit im Fäsenstaubtunnel immer wieder für Schlagzeilen. Beschlagene Windschutzscheiben können die Folge sein, womit sich auch das Unfallrisiko erhöht. Dem Bundesamt für Stras­sen (Astra) ist dieses Problem bekannt, weshalb es im Frühling 2017 ein Messsystem installiert hat, das bei erhöhten Feuchtigkeitswerten Warnblinker betätigt. Gleichzeitig wird die Polizei benachrichtigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h angezeigt.

Bei der Verkehrspolizei Schaffhausen gehen täglich Alarme dieses Messsystems ein. «Wir sind interessiert an Präventivmassnahmen und einer Verbesserung der Sicherheit», sagt Patrick Caprez, Mediensprecher der Schaffhauser Polizei. Vor der Einrichtung des Systems sei die Polizei erst kontaktiert worden, wenn bereits ein Unfall passiert sei. Insofern begrüsst Caprez die Massnahme des Astra.

Luftfeuchtigkeitsproblem bleibt

Silvan von Wartburg, Astra-Mediensprecher, bestätigt, dass es im ­Fäsenstaubtunnel schon seit mehreren Wochen blinkt. Eine permanente Tempobeschränkung einzuführen, sei jedoch nicht vorgesehen. «Wir sind immer noch in der Kalibrierungsphase, das heisst, wir stellen die Messsensorik laufend genauer ein. Dadurch wird auch das Auslösen des Alarms bei drohendem Scheibenbeschlag immer präziser.» Wie lange dies noch dauere, sei unklar. Das Problem der erhöhten Luftfeuchtigkeit könne, insbesondere aufgrund des Tunnelstandorts und der Architektur des Tunnels, langfristig nicht gelöst werden. Laut von Wartburg können die Luftmassen ab einer Tunnellänge von mehr als 1400 Metern nicht mehr genügend zirkulieren und bleiben in der 1460 Meter langen Röhre hängen. Die ebene Lage und der Gegenverkehr verstärken diesen Effekt. «Auch kann der nahe Rhein einen Einfluss auf die Luftfeuchtigkeit im Tunnel haben», so von Wartburg.

Immer wieder kommt es im Fäsen­staubtunnel zu Unfällen, Ende 2016 kam bei einer Kollision eine Frau ums Leben. Caprez warnt aber davor, vor­eilige Schlüsse zu ziehen und allein die Feuchtigkeit im Tunnel für die Unfälle verantwortlich zu machen. Zudem könne man nicht einfach die Unfallzahlen vom einen zum anderen Jahr mit­einander vergleichen. «Die Auswertung ist schwierig», sagt er. Laut ­Caprez können manche Unfälle nie gänzlich aufgeklärt werden, und bei ­einigen ist die Ermittlung noch nicht abgeschlossen. Die Unfallstatistik für das Jahr 2017 wird erst im Februar veröffentlicht, weshalb Caprez keine genaueren Angaben zum vergangenen Jahr macht.

«Man soll das Problem ­endlich in den Griff bekommen.»

Arnold Isliker, SVP-Kantonsrat

Arnold Isliker, SVP-Kantonsrat aus Neuhausen, ist die Sicherheit im Fäsenstaubtunnel ein grosses Anliegen. Deshalb reichte er vergangenen März eine Interpellation ein. «Ich wollte wissen, was das Astra für die Tunnelsicherheit unternimmt. Man soll das Problem endlich in den Griff bekommen», sagt Isliker. Als das Astra die weiteren Schritte bekannt gab, habe er die Interpellation zurückgezogen.

Tunnel wird im Frühling saniert

Neben dem bereits installierten Messsystem hat das Astra weitere Sanierungsarbeiten in Auftrag gegeben. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, soll der Fäsenstaubtunnel insgesamt heller werden. Während die Lüftung bereits letztes Jahr erneuert wurde, sollen dieses Jahr die Tunnelwände weiss gestrichen und die neue Beleuchtung installiert werden. Laut von Wartburg werden diese Arbeiten im Frühling durchgeführt und sollen voraussichtlich im Sommer abgeschlossen sein. «Wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, ist ein Grossteil ­erreicht und somit mein Anliegen erfüllt», sagt Isliker. Auf die Luftfeuchtigkeit hätten, so von Wartburg, der Neuanstrich, die bessere Beleuchtung und die Belüftung jedoch keinen Einfluss. Die Belüftung diene im Brandfall als Rauchabzug.

Eine Totalsanierung ist für den Fäsenstaubtunnel erst in etwa 20 Jahren vorgesehen. Auch soll dann eine zweite Röhre gebaut werden (siehe SN vom 11. November 2017).

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