Immer der feuchten Hundeschnauze nach

Autor
Maria Gerhard

Vermisste Personen und illegale Drogen suchen oder einfach nur auf Patrouille gehen: Die Diensthunde der Schaffhauser Polizei müssen regelmässig Übungen absolvieren.

Was für ein Wunderwerk doch so eine schwarze, feuchte Hundeschnauze ist: Die Deutsche Schäferhündin steckt nur einmal ganz kurz ihr Nase in die Plastiktüte, in der eine Armbanduhr deponiert ist. Für einen Moment umgibt sie eine unsichtbare Wolke aus Hautschuppen und damit Millionen von winzigsten Duftmolekülen. Dann setzt sich das Tier in Bewegung: Die Pfoten tapsen eilig über den Teer im Innenhof des Zeughausareals auf der Breite. An einer Hausecke biegt die Hündin rechts ab, noch ein Stück über eine Wiese. Ihre Schnauze tastet den Untergrund regelrecht ab. In sicherem Abstand läuft hinter der Hündin die Besitzerin, Polizistin Tamara Pfister. Sie trägt eine grellgelbe Warnweste und schwere Schuhe, die Pistole steckt im Halfter. Alles sieht so aus, als wären die Beiden gerade richtig im Einsatz, auf Verbrecherjagd. Da bleibt ihre Hündin abrupt stehen und fängt laut zu bellen an: An der Hauswand steht er – der vermeintliche Dieb. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen Polizisten, der für diese Übung eigens seine Uhr zur Verfügung gestellt hat. Pfister lobt ihre Hündin, klopft ihr seitlich auf den Hals: «Das hast du gut gemacht.» Zur Belohnung gibt sie ihr eine Beisswurst, an der das Tier zerren und kauen kann.

Gehorsamsübungen gehören dazu

Mehrere Diensthunde stehen der Schaffhauser Polizei zur Verfügung. Alle durchlaufen die Grundausbildung zum Schutzhund. Diese dauert zwei bis drei Jahre und umfasst Fährtenlesen, die Suche nach vermissten Personen und Gegenständen sowie Gehorsamsübungen. Anschliessend können die Tiere noch auf die Bereiche Drogen- oder Personensuche spezialisiert werden. Letzteres wird auch als «Mantrailing» bezeichnet, was soviel heisst wie «einen Menschen verfolgen». Gerade diese Hunde verfügen über einen extrem feinen Geruchssinn. Die angeborene Fähigkeit kann aber auch geschult werden. Jeder Mensch hat seinen eigenen, individuellen Geruch. Dieser haftet zum einen an der Person selbst und an seiner Kleidung, zum anderen aber auch dort, wo sich die Person befunden hat.

Es geht dabei aber nicht immer nur darum, Diebe und andere Verbrecher zu jagen. «Manchmal wird ein älterer Mensch, der vielleicht noch dement ist, vermisst», sagt der Leiter der Diensthundegruppe, Marcel Roost, der ebenfalls an der Übung teilnimmt. Gerade in den Sommermonaten, wenn es drückend heiss ist, sei es wichtig, möglichst schnell auf die Fährte des Vermissten zu gelangen.

Ob bei der Untersuchung von Flurstücken, Gebäuden oder auch um den Schutz von Drittpersonen zu garantieren: Hunde sind unersetzlich im Polizeiwesen. Schliesslich gibt es noch keine Roboter mit einer solchen Riechleistung und einem solch eindrucksvollen Gebiss. «Hunde sind nach wie vor ein sehr hilfreiches Mittel im Einsatz», sagt Roost. Für die Vierbeiner gibt es immer etwas zu tun.

Das beweist gerade eine Labradorhündin. Eine Ampulle gefüllt mit wenigen Gramm der Modedroge Ecstasy in Pulverform haben die Polizisten eigens in einem auf dem Areal geparkten Lastwagen versteckt. Der Hund wird an das Gefährt herangeführt, er braucht keine drei Sekunden, bis er es gefunden hat. Die Vorderpfoten auf einen der grossen Reifen gestützt, schnüffelt er ganz aufgeregt an der Plastikverkleidung am Führerhäuschen. Treffer! Zur Belohnung gibt ihm sein Frauchen Leberwurst aus der Tube.

Auch Hunde kennen Flausen

Ihre Vierbeiner holen sich die Polizisten als Welpen vom Züchter. Sie werden gezielt ausgewählt. «Die Tiere brauchen vor allem einen ausgeprägten Spieltrieb», sagt Roost. Ein guter Züchter würde das erkennen. Anschliessend gehört das Tier dann dem Polizisten, der es erwirbt, nicht der Polizei als solches. «Wir bekommen aber eine Entschädigung für die Ausbildung», sagt Roost. Je nach körperlicher Verfassung kann ein Hund bis zu elf Jahre im Polizeidienst verbringen. Roosts Belgischer Schäferhund ist noch jung, gerade mal zwei Jahre alt. Sein Fell ist noch weicher als das der anderen, manchmal wirkt er noch etwas nervös. Doch das wird sich geben.

Seit etwa 13 Jahren hält der Polizist Hunde. «Ich finde es spannend, was so ein Tier leisten kann», sagt er. Sein junger Schäferhund lebt mit ihm und seiner Familie. Wobei man aufpassen müsse, dass das Tier nicht allzu sehr verhätschelt würde. Es brauche ein Mittelmass: «Von null auf hundert, wenn man plötzlich im Einsatz ist und auch mal streng sein muss, das versteht ein Hund nicht.» Trotzdem gibt es in den kurzen Pausen zwischen den Beiden immer wieder innige Momente. Dann kniet Roost vor seinem Tier auf dem Asphalt und krault es mit beiden Händen. Der Hund kneift immer wieder die Augen zusammen, geniesst die Zuwendung sichtlich.

«Für die Diensthunde ist regelmässiges Üben unerlässlich. Je mehr Erfahrungen ein Hund sammeln kann, umso sicherer wird er bei einem realen Einsatz sein.»
 

Marcel Roost, Leiter der Diensthundegruppe

«Für die Diensthunde ist regelmässiges Üben unerlässlich», so der Polizist. Alle paar Wochen müssen sie ihr Können unter Beweis stellen. Roost formuliert das so: «Man muss den Hunden so viele Bilder wie möglich anbieten.» Wie sieht eine Lagerhalle von innen aus? Was für Gerüche gibt es in einer Innenstadt oder auf dem freien Feld? Je mehr Erfahrungen ein Hund über die Zeit hinweg diesbezüglich sammeln kann, umso sicherer wird das Tier auch bei einem realen Einsatz sein. Wobei Roost, wie er unter Lachen sagt, realistisch ist: «Die Tiere haben manchmal auch wirklich Flausen im Kopf, sie folgen nicht immer aufs Wort.» Letztlich sind es dann doch eben Lebewesen und glücklicherweise noch keine Roboter.

 

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