Grosszügig, hell und zeitgemäss

Autor
Vincent Fluck

Grosszügig, hell und zeitgemäss

Die Tierklinik Rhenus ist während acht Monaten umfassend umgebaut worden. Nach Jahren des eher ungeordneten Wachstums ist eine moderne, zukunftsgerichtete Tierklinik entstanden.

In den letzten 25 Jahren ist die Tierklinik Rhenus kontinuierlich gewachsen. Wenn in der Nachbarschaft eine Firma auszog oder sonst ein Raum frei wurde, dann nutzte der Klinikleiter und Inhaber Markus Trächsel die Gelegenheit, um sich auch räumlich zu vergrössern. Allerdings entstand auf diese Weise eine Art Flickwerk, das nicht unbedingt zu den betrieblichen Abläufen der Klinik passte.

Eine Chance, dies zu ändern, bot kürzlich der Ablauf des langjährigen Mietvertrags. Markus Trächsel konnte eine langfristige Verlängerung aushandeln und so die Zukunft seiner Klinik auf dem Arova-Areal sichern. Damit war eine Grundvoraussetzung für die umfassende Erneuerung der Klinik gegeben. Mit Unterstützung von Architekt Walter Pedemonte aus Kirchberg SG machte Markus Trächsel sich an die Planung. Seit Ende des letzten Jahrs sind die Ideen in achtmonatiger Bauzeit verwirklicht worden.

Entstanden sind grosszügige, helle Räumlichkeiten, in denen warme Farben und natürliche Materialien wie Holz und Linoleum eine angenehme Atmosphäre schaffen. Der Bausubstanz der früheren Knäuelei trug der Architekt in besonderem Mass Rechnung und brachte den Industriecharme des 19. Jahrhunderts wieder zum Vorschein. So sind in einigen der alten Balken noch die Löcher sichtbar, die einst fürs Verdrehen der Garne gebohrt wurden.

Unterteilung in zwei Bereiche

Die ebenerdig angeordneten Räume sind in einen öffentlichen Bereich unterteilt und einen klinischen, der dem Personal vorbehalten ist. Zu ersterem gehören die beiden Wartezimmer – je eines für Katzen und für Hunde, damit es nicht zu spannungsgeladenen Begegnungen kommt – sowie ein langer Empfangsdesk und vier Konsultationsräume. Alle vier Räume sind genau gleich eingerichtet, damit das Ärztepersonal ohne Überlegen auf die benötigten Instrumente zugreifen kann. Der Empfangsdesk aus Holz erinnert an einen Schiffsrumpf. Und weil die Tiere und ihre Besitzer hier willkommen geheissen werden, wird dieser Bereich klinikintern auch «Arche» genannt.

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Von Dr. Markus Trächsel

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25 Jahre Tierklinik Rhenus und ein gelungener Totalumbau – ein Grund, um zu feiern und einen Einblick in den Alltag der Klinik zu geben. Ein bunter Strauss an Aktivitäten erwartet die Besucherinnen und Besucher am Tag der offenen Türen vom Samstag, 21. September. Zum Erfolg der Tierklinik Rhenus hat vor allem auch die Treue unserer Kundinnen und Kunden beigetragen. Dafür möchte ich mich von Herzen bedanken. Mein Team und ich werden auch in Zukunft an unserem Grundsatz festhalten, die Tiere einfühlsam, ganzheitlich und fachlich hochstehend zu betreuen. Mit den neuen Räumlichkeiten und dem erfahrenen und spezialisierten medizinischen Team, das von unten her immer wieder verjüngt wird, ist eine solide Basis geschaffen. Die erfolgreiche Geschichte der Tierklinik Rhenus kann weitergehen!

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Das Fachgebiet der Traditionellen Chinesischen Veterinärmedizin (TCVM) wird in der Tierklinik Rhenus von Dr. Katharina Keller (Bild) seit zehn Jahren erfolgreich angewendet. TCVM ist eine andere aber ebenso logische Art des medizinischen Denkens. Sie hat sich über Tausende von Jahren stetig weiterentwickelt und macht auch den Brückenschlag zur modernen westlichen Wissenschaft. Dieser Brückenschlag ist der Tierärztin sehr wichtig. Der ganzheitliche, weitblickende Ansatz der TCVM erkennt Muster von Erkrankungen und versucht, das Gleichgewicht im Körper wieder herzustellen. Auch in der Krankheitsvorsorge ist dieser Ansatz wertvoll, indem Ungleichgewichte erkannt werden, bevor sich ein chronisches Leiden etabliert.

Vor 25 Jahren ist Markus Trächsel als Partner in die Tierklinik Rhenus eingestiegen. Seither hat sich viel verändert – sowohl in der Medizin wie auch in der Gesellschaft.

Vor 25 Jahren beschäftigte die Tierklinik Rhenus drei Personen. Heute sind es – zusammen mit den Belegärzten – mehr als 20.

Ursula Niggli-Stokar, die Vorgängerin von Markus Trächsel, behandelte bis in die 1960er-Jahre hauptsächlich Nutztiere. Doch mit dem Wandel der landwirtschaftlich geprägten Region zur Dienstleistungsgesellschaft veränderte sich auch das Verhältnis zu den Tieren. Sie wurden nun nicht mehr wegen ihres Fleisches, ihrer Milch oder ihre Wolle gehalten. «Immer mehr wurden sie zu Familienmitgliedern, zu denen man eine enge Beziehung hat», sagt Markus Trächsel. Das wirkte sich auch auf den Tierarztberuf im Allgemeinen und die Tierklinik Rhenus im Besonderen aus. Die Klinik spezialisierte sich auf Kleintiere wie Hund und Katze. Heute ist mit Dr. Silvia Kohutova zudem eine Tierärztin im Team, die auf Reptilien, Vögel, Nager und Zootiere spezialisiert ist.

Medizinfortschritt auch bei Tieren Da nun nicht mehr der wirtschaftliche Nutzen im Vordergrund stand, verlangten die Kundinnen und Kunden weitergehende Behandlungen. Diese Entwicklung wurde durch den tiermedizinischen Fortschritt begünstigt. Seit Markus Trächsel 1994 in die Tierklinik Rhenus einstieg, hat er das selber miterlebt. «In diesen Jahren hat sich in der Tiermedizin viel bewegt», erinnert er sich. «Es stehen heute diagnostische und therapeutische Mittel zur Verfügung, wie ich es mir vor 25 Jahren nicht hätte träumen lassen.» Der Laie staunt, wenn er hört, was die Klinik Rhenus heutzutage alles anbietet. Zum Beispiel: Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen; chirurgische Eingriffe mit minimalinvasiver Knopflochtechnologie; Behandlungen der Augen, der Zähne und des Herzens durch Spezialisten; vorbeugende oder postoperative Therapien mittels Physiotherapie.

Mit dem Ausbau des Leistungsangebotes stieg neben dem Platzbedarf auch die Zahl der Mitarbeitenden. 1994 waren es deren drei; heute beschäftigt die Klinik Rhenus – zusammen mit den spezialisierten Belegtierärzten – mehr als 20 Personen.

Neben dem veränderten Verhältnis zu Haustieren wirkt sich eine andere gesellschaftliche Entwicklung auf die Flurlinger Tierklinik aus. Wie kaum in einem anderen Beruf steigt in der Veterinärmedizin der Anteil der Frauen. Diese spezialisieren sich und arbeiten meist Teilzeit. Die junge Generation der Tierärztinnen und Tierärzte ist zudem nicht mehr bereit, rund um die Uhr abrufbereit zu sein und will nur in beschränktem Mass Führungsverantwortung übernehmen. Dies hat Markus Trächsel 2018 bewogen, die bis dahin als Einzelfirma geführte Tierklinik in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Auf diese Weise lässt sich die Unternehmensverantwortung, die zurzeit noch gänzlich von ihm getragen wird, auf mehrere Schultern verteilen. Auch wenn der 56-Jährige noch voll im aktiven Berufsleben steht, muss er sich früher oder später mit seiner Pensionierung befassen.

Ganzheitliche Tiermedizin

«Je länger ich Tierarzt und Tierbesitzer bin, sehe ich, wie wichtig die ganzheitliche Beurteilung des Patienten ist», sagt Markus Trächsel. «Dies umso mehr, als man mit der zur Verfügung stehenden Spitzendiagnostik Gefahr läuft, das Ganze aus den Augen zu verlieren.» So hat sich parallel zur klassischen Fachklinik ein Zentrum für komplementäre Tiermedizin entwickelt. «Dies ist ein wichtiges Standbein der Klinik Rhenus», sagt Markus Trächsel. Geleitet wird dieses Standbein von Dr. Katharina Keller, die nach ihrer Ausbildung zur Tierärztin die Spezialisierung in der Traditionell Chinesischen Medizin absolviert hat. Zudem steht ein Physiotherapeutinnen-Team zur Verfügung. Die Tierklinik Rhenus bietet damit von der medizinischen Grundversorgung über modernste Diagnostik und Therapie bis zur Komplementärmedizin alles unter einem Dach.

Ein Laborwürfel in der Mitte

Die Rückwand der Arche wird von einem übermannshohen Würfel gebildet, der in die einstige Industriehalle eingebaut wurde. Darin befindet sich ein Diagnoselabor, und auf der rückwärtigen Seite sind Schränke mit Schubladen eingebaut, die als zentrale Apotheke dienen. In Anlehnung an die Vergangenheit des Gebäudes, sind die Schränke in einem rostbraunen Farbton gehalten.

Im rückwärtigen, dem Personal vorbehaltenen Klinikbereich gibt es je einen Röntgen- und einen Ultraschall-raum, einen Operationsraum und einen Vorbereitungsraum. Weiter ist ein Raum für Zahnbehandlungen und Zahnröntgen eingerichtet worden. In zwei zusätzlichen Räumen können sich die Tiere nach einer Operation in Aufwachboxen erholen.

Damit sich auch die Mitarbeitenden entspannen können, ist ein Personalraum eingerichtet worden. Ausserdem hat es Garderoben, Toiletten und Duschen. Für den Notfalldienst ist ein Tierarztzimmer mit Büroarbeitsplatz und Schlafmöglichkeit eingerichtet.

Umbau in fünf Etappen

Während der ganzen Bauzeit lief der Klinikbetrieb weiter. Damit dies möglich war, wurden die Arbeiten in fünf Etappen aufgeteilt. «Das war für Architekt, Bauleitung und die Handwerker eine logistische Herausforderung, die sie bravourös meisterten», freut sich Klinikleiter Markus Trächsel. Auch gegenüber seinen Mitarbeitenden fühlt er sich zu grossem Dank verpflichtet. «Das eingespielte Team ermöglichte während der ganzen Bauzeit eine reibungslose Versorgung der Patienten.» Dies trotz der zeitweilig enormen Zusatzbelastung. «Der Aufwand hat sich gelohnt. Das Arbeiten in den neuen Räumlichkeiten macht viel Freude.».

Geschichte: Wichtige Daten im Überblick

1971: Dr. Ursula Niggli-Stokar eröffnet nebst ihrer Kleintierpraxis in Marthalen eine zweite in Feuerthalen – zuerst an der Rheingasse, dann an der Kirchstrasse. 1992: Die Feuerthaler Kleintierpraxis wird per Anfang Jahr ins Arova-Areal in Flurlingen verlegt. 1994: Dr. Markus Trächsel steigt am 1. Juli als Juniorpartner in die Praxis ein. Im gleichen Jahr nimmt auch die bis heute beschäftigte Praxisassistentin Sandra Praxmarer ihre Arbeit auf. 1999: Nach 40-jähriger Tätigkeit als Tierärztin tritt Dr. Ursula Niggli-Stokar per Ende Jahr in den Ruhestand. 2000: Klinik-Zertifizierung durch die Gesellschaft Schweizer Tierärzte; ab dann Ausbildungslehrstelle für junge Fachtierärzte. 2004: Die Klinik wird leicht renoviert. 2018: Die als Einzelgesellschaft geführte Klinik wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; Beginn des achtmonatigen Totalumbaus 2019: Tag der offenen Tür am 21. September.

Geschichte: Wichtige Daten im Überblick

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