Georg Fischer im Tief: Warum die Aktie trotz Kursverlust ein Geheimtipp sein könnte

Kay Fehr | 
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Impressionen der offiziellen Eroeffnung des GF Corporate Center, am Freitag, 23. Juni 2023. (Melanie Duchene / Schaffhauser Nachrichten)
Starker Franken, schwache Märkte: Hinter dem Rückgang der GF-Aktie stecken in erster Linie externe Effekte. Bild: Melanie Duchene

Als sich GF vollständig auf das Geschäft mit Rohren spezialisiert hatte, frohlockten sowohl Investoren als auch Analysten: Das sei die richtige Strategie für die Zukunft. Gleichzeitig hat der Aktienkurs innerhalb eines Jahres um 25 Prozent nachgelassen. Wie passt das zusammen? Drei Experten ordnen ein.

Was ist bloss mit GF los? Das könnte man sich beim Blick auf den Aktienkurs des Schaffhauser Traditionsunternehmens fragen, denn dieser sieht alles andere als rosig aus: Im Vergleich zum Vorjahr hat das Wertpapier mehr als ein Viertel seines Werts eingebüsst. Damals wurde eine GF-Aktie zu einem Preis von rund 73 Franken gehandelt, aktuell liegt der Kurs bei unter 55 Franken. Ende Januar fiel die Aktie kurzzeitig gar auf 50.50 Franken – der tiefste Wert seit Oktober 2023.

Dabei hat GF sein Profil vor Kurzem erst geschärft und seine Strategie klar definiert: Mit dem Kauf des finnischen Rohrleitungsspezialisten Uponor sowie der Veräusserung der zwei kleineren Divisionen Casting Solutions und Machining Solutions hat man sich vom Mischkonzern-Dasein verabschiedet. GF möchte im Bereich Flow Solutions mittel- bis langfristig zum Weltmarktführer aufsteigen – ein ambitioniertes, aber durchaus realistisches Ziel. Es stellt sich deshalb die Frage: Wieso fehlt bei Investorinnen und Investoren das Vertrauen in ein solide aufgestelltes Unternehmen wie Georg Fischer?

«Wait-and-see»-Stimmung an der Börse

Dass die «Bündelung der Kräfte» vom Kapitalmarkt positiv aufgenommen wurde, bestätigt auch Alexander Koller, Analyst für die Bank Vontobel, auf Anfrage. «Allerdings bieten die zugrunde liegenden Märkte, allen voran der Baumarkt, aktuell wenig Unterstützung.» Er macht im Verhalten der Investoren eine «Wait-and-see»-Stimmung aus; unter anderem wegen heisser Themen wie KI und Datencenter. «Die verarbeitende Industrie, in der auch GF tätig ist, hinkt hier aktuell hinterher», so Koller.

In den Bereichen Wasser und Nachhaltigkeit werde GF als führend wahrgenommen, nur rücke das in Zeiten von Kriegen und wirtschaftlichem Abschwung etwas in den Hintergrund. Grund zur Panik gebe es laut dem Vontobel-Analysten allerdings keine. «Dass die einschneidende Transformation nicht von heute auf morgen implementiert ist, war meines Erachtens jedem klar», schreibt er. Dass es auf der Chefetage zu einer Änderung kommen könnte, wie man es jüngst bei SIG beobachtete, glaube er deshalb nicht. «Ich bin der Meinung, dass dem aktuellen Management durchaus noch Zeit eingeräumt wird.»

«Dass die einschneidende Transformation nicht von heute auf morgen implementiert ist, war meines Erachtens jedem klar.»

Alexander Koller, Analyst für die Bank Vontobel

Kollers Fazit: «In erster Linie müssen sich die zugrunde liegenden Märkte erholen. GF verfügt über alle notwendigen Voraussetzungen, um die eingeschlagene Stossrichtung zum Erfolg zu bringen.» Die Bank Vontobel empfiehlt die GF-Aktie auf mittlere und längere Frist zum Kauf.

Kaufempfehlung trotz Schuldenberg

Auch Rémy Schraner, Senior Analyst für die Research Partners AG mit Spezialität Industrie, kennt sich gut mit dem Schaffhauser Unternehmen aus. Er berichtet von enttäuschenden Abschreibungen, welche beim Verkauf der beiden Divisionen vorgenommen werden mussten. «Dazu kommt die abnormale Stärke des Schweizer Frankens.» Bedeutet: Das Umfeld sei anspruchsvoll und die «Ernte» der Früchte verzögere sich, auch wenn sich GF operativ stark verbessert habe, schreibt Schraner. Noch sei das Unternehmen «eine Baustelle».

Standort Schaffhausen: Vor- oder Nachteil?

Alexander Koller, Vontobel: Schaffhausen als Arbeitsplatz hat durchaus seinen Reiz. Positive Stichworte hierbei sind Fachkräfte, Grenzgänger, Know-how der traditionellen Industrie sowie Cluster-Bildung.

Rémy Schraner, Research Partners: Ein klarer Vorteil wegen der Nähe zu Deutschland und wegen der Fachkompetenz in der Region. In der Schweiz zu produzieren, ist und bleibt eine Herausforderung, aber der Trend zum Reshoring (Rückführung der Produktion aus dem Ausland zurück in die Schweiz) sowie die Energiesicherheit stützen den hiesigen Standort. Zudem befindet er sich nahe am Endmarkt.

Walter Bamert, ZKB: Mit einem starken Franken ist es nicht einfach, aber die hohe Produktivität – auch dank Automation – macht das wett.

Auch wenn man den Aktientitel in der Schweiz kennt, so fehlt auf der internationalen Bühne die Bekanntheit ein wenig. «Die meisten haben noch nicht verstanden, dass mit der Übernahme von Uponor eine ganz andere Firma im Raum steht», so der Senior Analyst. Der Ruf von GF sei somit neutral einzuschätzen.

«Ich traue dem Management zu, die Firma optimal zu positionieren, und denke, spätestens beim nächsten Aufschwung wird es ein ‹Rerating› geben.»

Rémy Schraner, Senior Analyst für die Research Partners AG

GF-Aktien sind seiner Meinung nach eine klare Kaufempfehlung. Das Unternehmen müsse sich nun beweisen und seine Kapitalstruktur optimieren. «Momentan hat die Firma einen Schuldenberg», schreibt Schraner weiter. Doch: «Ich traue dem Management zu, die Firma optimal zu positionieren, und denke, spätestens beim nächsten echten Aufschwung der Baubranche in Europa wird es ein ‹Rerating› von GF geben.» Der Führungsriege gibt er hierbei ein Zeitfenster von drei bis fünf Jahren, um den Aktienkurs wieder nach oben schnellen zu lassen.

GF scheint langfristig attraktiv zu sein

Für die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat Analyst Walter Bamert GF im Auge. Er findet den aktuellen Börsenkurs nicht besorgniserregend. «Er hat mit verschiedenen Ursachen zu tun, etwa dem starken Franken, rückläufigen Plastikpreisen, der noch schwachen Hochbaukonjunktur sowie Zollunsicherheiten.» Die Zahlen würden noch viele Sondereffekte enthalten – überschaubar werde die Situation erst mit dem noch anstehenden Verkauf von Feingussteilhersteller Precicast, den GF Anfang 2018 aufgekauft hat. Die Strategie von GF ergebe Sinn und der verstärkte Fokus sei wünschenswert, schreibt Bamert.

«Die Märkte bewegen sich langsam, aber sicher in die richtige Richtung, und das fokussierte Profil gefällt.»

Walter Bamert, Analyst für die ZKB

Das grösste Verbesserungspotenzial sieht er in den relevanten Märkten, die sich wieder erholen müssen. Ansonsten sei «Fleissarbeit im Detail» weiterhin gefragt, etwa in puncto Forschung und Entwicklung, Marketing, Preispolitik sowie Automation. Auch für die ZKB ist die GF-Aktie eine Kaufempfehlung: Die Bank rechnet damit, dass der Titel besser abschneiden wird als ein vergleichbarer Referenzindex. «Die Märkte bewegen sich langsam, aber sicher in die richtige Richtung, und das fokussierte Profil gefällt», so der Analyst. GF sei attraktiv mit globaler Präsenz und einem breiten Produktangebot.

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