Das Internet – eine Gefahrenzone

Autor
Mark Liebenberg

Die Datendiebe sind unterwegs – pausenlos und überall. Der Virenjäger und Bedrohungsanalyst Candid Wüest kann davon ein Liedchen singen.

Cyberkriminalität: Wer sind die Täter, und wie kann man sich schützen? Der Experte Candid Wüest gibt einen humorvollen Einblick in die Schattenseiten der globalen Digitalisierung und gibt Tipps. Bild: Key

Es vergeht kaum ein Monat, ohne dass man von fiesen Hackerangriffen, internationalen Cyberkriminellen oder von sogenannten Bots liest, die in den sozialen Netzwerken angeblich unsere Meinung zu beeinflussen versuchen, ohne dass wir etwas davon merken. Und unsere digitalen Geräte schützen wir selbstverständlich mit Antivirenprogrammen, so wie wir uns selber im Winter gegen die Kälte schützen.

Schutz vor allerlei schädlichen Elementen, die aus dem Internet in unsere Privatsphäre dringen und dort Schaden anrichten wollen – es ist die berufliche Lebensaufgabe des Uhwiesers Candid Wüest. Der 40-Jährige ist seit 15 Jahren Virenjäger in einem globalen Analystenteam bei der Firma Symantec. Er teilt sein Wissen bei der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen in seinem Referat zum Thema «Aktuelle Bedrohungen aus dem Internet».

Bitte Türen und Fenster verriegeln

«Man muss es sich vorstellen wie bei einem Haus. Sobald auch nur eine Türe oder ein Fenster geöffnet ist, kann ein Einbrecher eindringen», erklärt Wüest. Sein Job als Threat Analyst (Bedrohungsanalyst) sei es, in Computersystemen und -netzwerken sowie Datenbanken bis hin zum einfachen Heimcomputer die offenen Fenster und Türen zu finden und zu verriegeln. Doch wer sind eigentlich die Einbrecher? Und was bezwecken sie? ­Wüest sieht drei Typen von Cyberkriminellen, die das Internet als Tatmittel verwenden. «Da gibt es zunächst den an Profit interessierten Kriminellen, der sich Geld durch unerlaubtes Eindringen in Computer ertrügen will.» Es gebe kleine Gruppen in Osteuropa und Asien, die sich so jährlich mehrere Millionen Euro ertrügen würden. Die zweite Gruppe sind die Hacktivisten, wie Wüest sie nennt. Sie dringen in Datensysteme ein, um an geheime Daten zu gelangen und sie zu veröffentlichen. Drittens: «Die klassischen Spione, die sich im Interesse ihres Landes geheime Informationen in ausländischen Datennetzen beschaffen.»

Kleine und grosse Firmen, Spitäler, Anwaltskanzleien zählen zu den Kunden von Wüest. Als «weisser», also ­guter Hacker sucht er ein Computernetzwerk nach Schwachstellen ab und schützt es präventiv vor Eindringlingen. Hat ein Angriff stattgefunden, muss er herausfinden, welche Daten entwendet wurden und wie man sie in Zukunft schützen kann. «Strafverfolgung ist national geregelt. Das Internet aber ist ein globaler Ort. Daher ist es immens schwierig, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen», erklärt Wüest.

Wannacry, Hackerangriffe auf die Schweizer Rüstungsunternehmen Ruag, mögliche Beeinflussungsversuche der US-Wahl durch eine fremde Macht – dass alles waren Schlagzeilen des letzen Jahres. «Die Schweiz ist, ­sagen wir mal, mittelgut geschützt», sagt Wüest. Oft sei es leider so: Erst müsse etwas passieren, bevor Firmen und Institutionen aktiv würden und in den Schutz investierten.

Die Bedrohungen aus dem Netz werden immer vielfältiger, und die Cyberkriminellen warten fast täglich mit neuen Innovationen auf. «Mit der Mobiltechnologie hat sich alles noch einmal vervielfacht», weiss der Experte.

Auch Tipps, wie man sich als Privatperson schützen kann, hat Wüest natürlich auf Lager. «Ich gebe ihnen drei: 1) Glaube nicht alles, was im Internet steht. 2) Lege Dir sichere Passwörter an. 3) Vorsicht bei kostenlosen Downloads!»

Sein ganzes Berufsleben richtet der Informatiker Candid Wüest nun schon nach den Gefahren aus dem Netz aus. «Für mich hat die globalisierte Digitalisierung trotzdem mehr Vor- als Nachteile. Denken wir an die Robotik, an den Wissensaustausch, an die soziale Vernetzung und nicht zuletzt an den Welthandel. Die Euphorie hat sich etwas gelegt, aber das ist ja nicht nur schlecht.»

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