Autos mit Dieselmotor: Effiziente Fortbewegung oder skandalöser Stillstand?

Autor
Schaffhauser N…

Der Dieselskandal ist noch nicht aus­gestanden. Zuletzt wurde Porsche zu einer dreistelligen Millionenbusse verurteilt. Kann man heute noch mit gutem Gewissen Diesel fahren?

Pro

von Alfred Wüger, Redaktor

Für mich ist das Auto ein Werkzeug, und ein Werkzeug muss funktionieren. Funktionieren tut ein Diesel praktisch immer, selbst in grosser Kälte. Ich erinnere mich gut an einen Wintermorgen in Pontresina. Es hatte geschneit, und es war saukalt. Damals hatte ich einen uralten VW-Passat, Diesel, versteht sich, und als wir losfahren wollten, fuhren wir los. Ganz einfach so, als ob es nicht kalt wäre. Schnee wegwischen, einsteigen, ­vorglühen, starten, und los gings.

Vielleicht wäre das mit einem Benziner auch möglich gewesen, sicher bin ich mir allerdings nicht. Das hat mir Freude gemacht, wie gesagt: Mein Auto ist ein Werkzeug. Nun hatte der alte Passat natürlich seine Schattenseite, seine russige sozusagen. Weil ich ja, wos geht, rückwärts einparke, damit ich immer gleich losdüsen kann, musste ich oft gegen diese «Hausregel» verstossen. Denn mit Vorteil parkte man den Passat nicht mit dem Heck gegen eine weisse Hauswand, denn beim Anlassen spuckte er ganz erkleckliche Mengen Russ aus seinem Auspuff. Das war sozusagen Umweltverschmutzung zum Anfassen. Ganz im Gegensatz zum Benziner, der oft so sauber tut.

Nun habe ich natürlich meine antike Dreckschleuder schon lange nicht mehr. Aber ich hatte nach dem Passat einen Diesel, und ich habe heute einen. Leise ist das Fahrzeug nicht, aber es ist praktisch: startet immer, ist stark, geräumig, und – das ist nicht zu verachten – es braucht etwa fünf Liter Kraftstoff auf 100 Kilo­meter. Wenn man der Anzeige trauen kann. Ich komme mit einer Tank­füllung jedenfalls weit.

Dies dank einiger technischer Eigenschaften des Diesels, die es schwer machen, dass ihm ein anderer Treibstoff schnell den Rang abläuft: Der Dieselmotor hat einen Wirkungsgrad von gut 40 Prozent. Etwa doppelt so viel wie der Benziner. Der Verbrauch ist gering, Diesel ist überall – auch in der Pampa – stets verfügbar. Und es gibt technische Möglichkeiten, den Stickstoffausstoss massiv zu verringern. Wir Dieselfahrer müssen darauf pochen, dass unser Lieblingsmotor technisch so optimiert wird, dass Fahrverbote für Dieselautos obsolet werden. Sie treffen ohnehin die Falschen: die Konsumenten. Die bauen ihre Auto indes nicht selber.

Contra

von Saskia Baumgartner, Redaktorin

Vermutlich könnten Fachleute oder Automagazin-Abonnenten mit ganz ­vielen Zahlen untermauern, warum Diesel-Autos heutzutage noch gerechtfertigt sind. So und so viel mehr Leistung als Beziner, im Verbrauch um so und so viel Liter sparsamer. Um mehrere Prozent ­zuverlässiger.

Aber seien wir doch ehrlich: Im ­Alltag ist das alles nicht relevant. Theoretisch halten Dieselautos zwar länger, in der Praxis werden Autos aber alle paar Jahre gewechselt. Die meisten Diesel auf den Schweizer Strassen haben nicht ansatzweise so viele Kilometer auf dem Buckel wie etwa mein Ford Focus mit seinen 240 000 Kilometern. Und selbst mit diesem alten Benziner (Stichwort Leistung) bin ich bislang noch jeden Berg hochgekommen. Der Verbrauch eines Beziners hält sich ebenfalls in Grenzen – vom Fahrstil über PS, das Alter des Autos bis zum Fahrzeuggewicht kommt es da auf mehrere Faktoren an.

Meine These: Dieselautos fahren heute 1) Menschen, welche die Kraft des Motors spüren wollen, sobald sie aufs Gaspedal drücken. Die Leistung ist wegen des Drehmomentvorteils sofort da, das macht Spass – sofern kein langsam beschleunigender Ford-Focus-Benziner vor einem fährt.

2) Menschen, welche die aktuellen Preissenkungen gerne annehmen und den Autobauern trotz jahrelanger Lügerei nicht nachtragend sind.

Denn da war ja diese Sache namens Dieselskandal. Sie können sich erinnern, VW und andere Autobauer hatten mit Betrugssoftware niedrige Abgaswerte vorgetäuscht. Selbst Leute, die sich nicht für Autos ­inte­ressieren, dürften inzwischen wissen, was der grosse Nachteil der Dieselautos ist: Sie sind dreckiger. Der Dieselantrieb ist einer der Hauptverursacher hoher Stickoxidbelastung.

Doch die Autobauer haben den Skandal geschickt für sich ausgenutzt: Denn es gibt nun fette Rabatte, wenn man den alten Stinker verkauft und einen neuen Diesel kauft. Marketingtechnisch clever wurde diese ­Abwrackaktion fälschlicherweise «Umtauschprämie» getauft. Klingt harmlos und lässt sich besser mit dem Gewissen vereinbaren. Anfang Jahr sind die Absätze der Diesel-Autos in Deutschland wieder gestiegen.

#1

Entschuldigung, aber was Sie zum Besten geben, ist Schnee von gestern und hat aber auch gar nichts mehr mit einem heutigen Dieselmotor gemein.

Und was ist denn z.B. mit all den alten Oelheizungen (auch Diesel) und und und...…..

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