«Schaffhausen ist persönlich und direkt – das habe ich mir erhofft!»

Seit Juni ist Meinrad Engeler CEO von SH Power. Im Interview erzählt er, wie er seinen Start erlebt hat, welche unternehmerischen Grundsätze ihn leiten – und warum er es noch nicht geschafft hat, in den Rhein zu springen.
Herr Engeler, können Sie in wenigen Sätzen erklären, was Sie als CEO bei SH Power eigentlich machen?
Meinrad Engeler: SH Power ist der Energieversorger der Stadt Schaffhausen. Wir liefern Strom, Gas, Wasser, betreiben die Siedlungsentwässerung und sind für Wärme- und Kälteverbünde zuständig. Als CEO trage ich die Gesamtverantwortung und sorge gemeinsam mit der Geschäftsleitung und allen Mitarbeitenden dafür, dass Schaffhausen jederzeit zuverlässig versorgt ist. Zu meinen Aufgaben gehört es, die Organisation intern effizient aufzustellen, Abläufe und Finanzen im Griff zu haben und das Unternehmen nach aussen zu vertreten – vor allem in politischen Gremien. Der Rahmen für unsere Arbeit wird von Stadt und Bund gesetzt. Mir ist wichtig, nicht nur das vorgeschriebene Minimum zu erfüllen, sondern auch vorausschauend Themen wie Dekarbonisierung und nachhaltige Wärmeversorgung anzugehen.
Welche Bilanz können Sie nach Ihren ersten zwei Monaten bei SH Power bereits ziehen?
Schaffhausen ist persönlich und nahbar, gleichzeitig kann man hier viel bewegen. Ich wurde hier sehr herzlich empfangen: von den Mitarbeitenden, von der Politik und auch von verschiedenen Gremien und Partnern. Das hat mich positiv überrascht. Es ist hier sehr persönlich und direkt, genau das, was ich mir erhofft habe – und damit ein deutlicher Unterschied zu Zürich.
Der Einstieg war intensiv, denn politisch ist gerade viel los und es stehen mehrere grosse Themen gleichzeitig an. Hätte ich es mir aussuchen können, hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, um mich Schritt für Schritt in die einzelnen Themen einzuarbeiten und mit dem noch neutralen Blick von aussen zu beobachten. Nun ist die Situation, wie sie ist und gibt uns Prioritäten in der Bearbeitung von Themen und ich nehme das so an. Den Aussenblick bewahre ich mir aber vorerst.
Was möchten Sie in den ersten 100 Tagen erreichen?
Mein Ziel in den ersten 100 Tagen ist es, mir bewusst Zeit zu nehmen, das Unternehmen, die Abläufe und die Menschen dahinter kennenzulernen. Dabei bin ich beeindruckt vom Engagement unserer Mitarbeitenden: Trotz vieler Veränderungen und eines hohen Tempos läuft der Betrieb reibungslos, Projekte kommen voran, und die Teams leisten hervorragende Arbeit. Gleichzeitig möchte ich nach vorne schauen, um wichtige Themen frühzeitig anzustossen.

Was sind Ihre drei wichtigsten unternehmerischen Grundsätze? Welche Philosophie verfolgen Sie dabei?
Erstens: Die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden ist mir sehr wichtig. Ich gebe grundsätzlich einen Vertrauensvorschuss und erwarte, dass jede und jeder Verantwortung für das eigene Handeln übernimmt – für sich selbst, für das Team und für das Unternehmen. Dazu gehört, sich selbst zu reflektieren und sich zu fragen: «Passt das, was ich mache? Ergibt es Sinn?» Wenn etwas unklar ist, darf und soll man nachfragen und nicht einfach weitermachen.
Zweitens: Teamarbeit. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mehr erreichen als allein. Deshalb beziehe ich Mitarbeitende, die von einer Entscheidung oder einem Projekt betroffen sind, aktiv in den Prozess ein. Sie sollen mitgestalten können und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Dieses Engagement fördert nicht nur bessere Lösungen, sondern auch die Identifikation mit der Arbeit.
Drittens: Sinnhaftigkeit. Jeder sollte wissen, warum er etwas tut und was es am Ende bringt. Das «Warum» ist entscheidend, auch bei Beschlüssen der Geschäftsleitung. Nur so kann man nachvollziehen, weshalb eine Entscheidung so getroffen wurde.
Werte wie Miteinander, Vertrauen oder Integrität bilden die Grundlage unserer Unternehmenskultur. Sie beeinflussen, wie wir arbeiten, wie effizient wir sind und welche Resultate wir erzielen. Führung heisst für mich dabei immer auch Selbstführung: Ich muss mich selbst hinterfragen, meine Reaktionen reflektieren und an mir arbeiten. Nur wer sich selbst gut führen kann, kann auch andere gut führen.
«Führung heisst für mich auch Selbstführung: Ich muss mich selbst hinterfragen, meine Reaktionen reflektieren und an mir arbeiten.»
Welche Projekte sind Ihnen in den ersten Wochen besonders aufgefallen oder haben Ihnen die Region nähergebracht?
Ein Schwerpunkt sind unsere Renaturierungsprojekte am Rhein, finanziert durch den Ökofonds. Kundinnen und Kunden, die unser Stromprodukt «Naturstrom Schaffhausen» wählen, leisten damit einen wertvollen Beitrag (0,7 Rappen pro Kilowattstunde gehen in den Ökofonds). Mit dem Geld werden beispielsweise Uferbereiche mit Kiesbetten und Bepflanzung naturnah gestaltet, damit Fische Rückzugsorte finden und Bachmündungen ökologisch aufgewertet werden.
Was ist Ihre persönliche Vision: Wo steht SH Power im Jahr 2030?
Ich wünsche mir, dass SH Power 2030 als moderner, nachhaltiger Energieversorger gilt, auf den die Bevölkerung und die Mitarbeitenden stolz sind. Wir wollen zuverlässig versorgen, Innovationen nutzen und die Energiewende aktiv mitgestalten. Dafür brauchen wir engagierte Mitarbeitende, stabile Rahmenbedingungen und den Mut, auch neue Wege zu gehen.
Wie kühlen Sie sich selbst im Hochsommer ab? Mit einem Sprung in den Rhein?
Zum Schwimmen im Rhein bin ich bisher noch nicht gekommen, auch wenn er direkt vor der Tür liegt. In Zürich gehe ich aber auch sehr selten in die Badi. Hier in Schaffhausen sind meine Arbeitstage momentan so lang, deshalb ist es meist eine kalte Dusche am Abend – so kalt wie möglich –, die für Abkühlung sorgt. Viel trinken gehört für mich ebenfalls dazu, um auch an heissen Tagen fit zu bleiben.