Immer einen (technologischen) Schritt voraus

Jessica Huber | 
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Die FH OST-Dozenten Felix Nyffenegger und Christian Bodmer (v.l.) erklärten den Veranstaltungsteilnehmern, wie neue Technologien erkannt und eingesetzt werden können. Bild: Jessica Huber

Wer möchte nicht auf das richtige Pferd setzen und Trendsetter sein? Genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort und erkennen, welche Technologie der «nahen Zukunft» jetzt angewendet werden muss? Wie das gelingen soll, erfuhren die Teilnehmer am Donnerstagabend im Impulsreferat des ITS Industrie- und Technozentrum Schaffhausen im «go Tec! Labor» in Neuhausen am Rheinfall.

Die technologischen Fortschritte sind eindrücklich. Spätestens seit wir mit ChatGPT kommunizieren, haben wir alle ein neues, konkret fassbares Bild einer Technologie vor Augen, die scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht ist. Die auf künstliche Intelligenz basierende Technologie fühlt sich nach einem markanten Sprung an, die unser alltägliches Leben wesentlich verändert. Doch auch sie wurde nicht über Nacht entwickelt. Wie viele andere Innovationen ist auch die künstliche Intelligenz (KI) ein breites Feld, das sich entwickeln und wachsen muss, bevor dann irgendwann der Durchbruch kommt.

Neben der KI gibt es jedoch noch weitere technologische Innovationen, die auf dem Vormarsch sind. Und diese stellten die Referenten Felix Nyffenegger und Christian Bodmer - beide Dozenten an der Fachhochschule OST - in ihrem Impulsreferat «Near Future Technologies» anhand einiger Beispiele vor. Faszinierende Technologien aus den unterschiedlichsten Branchen, die entweder noch in der Entwicklung stecken oder bereits in der Praxis angewendet werden. Dazu gehört auch das Thema «Low-Code» oder «No-Code», welches die Inklusion von Nicht-Informatikern vorantreiben soll. Auf Low-Code-Plattformen finden sich vorgefertigte IT-Komponenten, die es möglich machen, etwa eine Software zu entwickeln oder eine Webseite zu «programmieren», ohne selber über fachspezifische Kenntnisse zu verfügen. Ebenfalls ein grosses Thema - gerade in der Produktion - sind Retrofits von maschinellen Anlagen: Teure Maschinen werden mit kleinen Anpassungen und Komponenten aufgewertet, um neu benötigte Funktionen zu übernehmen. So können sie weiterbetrieben werden, ohne dass ein Ersatz beschafft werden muss.

Verschiedenen Faktoren matchentscheidend

Es ist schwierig, den genauen Zeitpunkt für den Durchbruch einer neuen Technologie vorherzusagen. Denn dieser ist abhängig von Faktoren wie Forschung und Entwicklung, Investitionen, Akzeptanz der Gesellschaft und dem richtigen Wachstumsumfeld. Und diese Faktoren sind für jede Branche unterschiedlich. Ausserdem bieten Innovation und Ideen nicht immer gleich auch einen konkreten Anwendungsfall. Ideen sind häufig schnell generiert, die eigentliche Herausforderung stellt dann die Umsetzung in die Praxis dar.
Als Hilfestellung brachten die Referenten eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit. Diese soll verhindern, dass neue Technologien nur als Idee in den Schubladen der Unternehmen enden. Anbei die empfohlenen vier Schritte:

Vier-Schritt Anleitung für Near-Future-Technologien: 

Schritt 1: Von der Technologie zur Innovation

Check 1: Business-Innovation: Passen die Technologien zum bestehenden Business-Modell?
Ja: Weitermachen
Nein: Neue Business-Modelle sehr gut prüfen

Check 2: Produkt-/Dienstleistungsinnovation Value Proposition: Kombination aus Produkten und Dienstleistungen, die für Kunden Werte schaffen. Near-Future-Technologien können bestehende Value Propositions differenzieren oder neue Angebote ermöglichen.

Check 3: Prozess-Innovation: Kosten senken! Den ganzen Prozess vom Sourcing über die Herstellung bis zur Auslieferung und der Rücknahme analysieren.

Check 4: Customer-Experience-Innovation: Wie erlebt der Kunde meine Firma? – Customer Journey: entdecken -  evaluieren - erwerben - erleben - empfehlen. Wofür ist der Kunde bereit?

Schritt 2: Das «Big Picture» gemeinsam gestalten

«Das 'Big Picture’ gemeinsam gestalten» bedeutet, dass alle beteiligten Personen und Stakeholder zusammenarbeiten müssen, um eine umfassende, ganzheitliche Perspektive auf das Projekt zu entwickeln. Dabei geht es darum, nicht nur einzelne Teile des Projekts zu betrachten, sondern auch deren Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu verstehen. Durch das gemeinsame Gestalten des «Big Picture» können alle Beteiligten eine klare Vorstellung von der Vision, den Zielen, den Anforderungen und den Einschränkungen des Projekts entwickeln. Dies erleichtert die Planung, Umsetzung und Überwachung des Projekts und trägt dazu bei, dass alle auf dem gleichen Stand sind und das Projektziel gemeinsam verfolgen.

Schritt 3: Organizational Enabling: Die Organisation aktivieren

Ausgangspunkt ist das «Big Picture» aus Schritt 2:
• Problem: In der Regel kann das «Big Picture» in der bestehenden Organisation nicht erreicht werden (Struktur, Fähigkeiten, Ressourcen, Prozesse)

Jetzt rasch (< 1 Jahr) einen «Leuchtturm» schaffen!
• Wird sowohl intern als auch extern (Kunden) wahrgenommen
• Muss mit bestehender Organisation (Fähigkeiten, Ressourcen) erreicht werden können
• Schafft Motivation

Organisationale Fähigkeiten und Ressourcen gezielt aufbauen:
• Keine Hau-Ruck-Veränderungen, sondern zielorientiertes und sorgfältig geplantes Change-Management
• Benötigt oft mehrere Jahre
• «Gegengewicht» zum Leuchtturm
• Sofort beginnen!

Schritt 4: Die Bedeutung von Projektmanagement

Projektmanagement umfasst verschiedene bekannte Methoden wie Hermes 5.1, PMI, IPMI, Prince2, klassisch (Wasserfall) und agil. Häufige Ursache für gescheiterte Projekte ist ein schlechtes Projektmanagement, obwohl Kenntnisse eigentlich ausreichend vorhanden sind.
Tipp: Pragmatisch und vollständig sein und einfaches Set-up mit drei Elementen verwenden:
• Projektorganisation: Steuerung von Leitung personell trennen! Steuerungsausschuss diskutiert Prozess, nicht Inhalt!
• Projektstrukturierung: modularisieren, Risiken konzentrieren
• Projektablaufplan: nur grob, die Details den Teams überlassen

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