«Daneben und unsensibel»: Schaffhauser SVPler kritisieren Wurm-Plakat

Autor
Alexa Scherrer

1931 hatten sich die Nazis eines ähnlichen Sujets bedient wie die SVP Schweiz für ihre Wahlkampagne. Der Schaffhauser Pentti Aellig ruft die Parteispitze jetzt dazu auf, das Sujet zu stoppen.

Bei der SVP ist der Wurm drin: Gegen dieses Plakat formiert sich parteiinterner Widerstand.

Die Schweiz als roter, gesunder Apfel - zerfressen von Würmern und Maden. Das Sujet der aktuellen SVP-Wahlkampagne lässt keinen Zweifel offen: «Die Linken und Netten» höhlen die Schweiz, ihre Wirtschaft und ihre Werte aus. Bemalt ist das Ungeziefer mit den Farben der anderen Schweizer Parteien, ein Wurm trägt die EU-Flagge auf dem Rücken. Die Lösung der SVP: Wer nicht will, dass die Schweiz zerstört wird, soll «lieber SVP wählen». 

Das Kampagnensujet sorgt für einen nationalen Aufschrei - und zwar auch in den eigenen Reihen. Auf Twitter distanzieren sich verschiedene SVP-Politiker vom Plakat der Mutterpartei, bezeichnen die Kampagne als «schlecht», «ungeschickt» oder «problematisch», die Botschaft dahinter «gehe zu weit». Unter den Kritikern ist mit dem ehemaligen Nationalratskandidaten Pentti Aellig auch eine bekannte Schaffhauser SVP-Politgrösse. Der Dörflinger Gemeindepräsident war Parteichef der Schaffhauser SVP und Mitglied des Zetralvorstandes der SVP Schweiz. Auf Twitter wendet er sich direkt an SVP-Boss Albert Rösti: «Lieber Albert. In SH haben wir auch deshalb einen SVP-Wähleranteil von 35%, weil wir auf solche Plakate verzichten. Denk an all die überparteilichen Kommissionen & Listenverbindungen - und stoppe dieses Sujet.»

Der ehemalige Schaffhauser Bundesratskandidat Thomas Hurter ist einer der wenigen amtierenden SVP-Nationalräte, die sich ebenfalls öffentlich zum Plakat äussern. «Daneben und unsensibel», so Hurters Meinung. Die pure Schlechtmacherei des politischen Gegners sei nicht «unser Schweizer Stil», sagt er gegenüber «nau.ch». Zudem verstehe man die inhaltliche Botschaft gar nicht. «Da kommt niemand draus», sagt Hurter. 

Und auch ein dritter SVPler aus der Region hält mit seiner Kritik nicht hinterm Zaun. Der Oberstammheimer Nationalratskandidat Konrad Langhart hat den Tweet von Strickhof-Leiter Urs Vögeli retweetet, in dem es unter anderem heisst, der Auftritt sei «einfach nur billig, einfältig, kontraproduktiv, unanständig und deshalb unverständlich». 

Nichts von Nazi-Parallelen gewusst

Einer der grossen Vorwürfe an die SVP-Parteispitze: Sie haben sich Nazi-Symbolik bedient. Hitler beschreibt die Juden in «Mein Kampf» als Parasiten. Zudem wurde 1931 im antisemitischen NSDAP-Wochenblatt eine sehr ähnliche Abbildung eines von einem Wurm zerfressenen Apfel abgedruckt - sie sollte symbolisch dafür stehen, wie Juden die deutsche Wirtschaft aushöhlen. Die SVP-Chefs wollen davon allerdings nichts wissen. So sagte Fraktionschef Thomas Aeschi etwa auf «Tele Züri», dass eine ähnliche Nazi-Abbildung existiere, sei ihm nicht bewusst gewesen. Und Rösti selber meinte gegenüber CH Media, man wolle am Sujet festhalten.

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