«Die Kombination aus Drill und Thrill»

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Schaffhauser N…

Michelle Gisin hatte vor ­einem Jahr in Val-d’Isère als Kombinationszweite ihre erste Weltcup-Podestplatzierung erreicht. Zuletzt überzeugte die 24-Jährige mit zwei Speed-Podestplätzen.

Hat gut lachen: Michelle Gisin freut sich auf das Rennen in Val-d’Isère. Bild: Key

von Valentin Oetterli, Val-d'Isère

Michelle Gisin, Sie sind vermutlich mit einem grossen Lachen im Gesicht nach Val-d’Isère gereist.

Definitiv. Ich freue mich schon seit Längerem wahnsinnig auf diese Rennen hier. Eigentlich war für mich bis jetzt alles nur Training und Vorbereitung auf Val-d’Isère.

Wie meinen Sie das?

Im Oktober, als ich mir eine kleine Verletzung zugezogen hatte und in Sölden pausieren musste, war Val-d’Isère mein erstes grosses Saisonziel.

Weshalb?

Weil es mir hier im letzten Jahr erstmals im Weltcup aufs Podest gereicht hatte und es auch in meiner ersten Weltcup-Abfahrt gleich so gut gelaufen war. Ich nahm mir also zu Saisonbeginn vor, mich Schritt für Schritt wieder der Spitze zu nähern, um in Val-d’Isère wieder völlig bereit zu sein.

Nun geht es eher darum, dass Sie Ihre Top-3-Serie verlängern.

Ich habe überhaupt nicht erwartet, dass es mir zu Saisonbeginn so gut läuft. Das ist cool, mit einem solch ­guten Drive nach Val-d’Isère zu reisen. Ich sehe die Rennen als eine Art Olympiahauptprobe an. Nun bin ich gespannt, ob ich das mental hinbekomme.

Als Sie vor Jahresfrist in Val-d’Isère als langjährige Slalomfahrerin Ihre erste Weltcup-Abfahrt bestritten, war das auf dem persönlichen Karriereweg die Abzweigung Richtung Speed, die Sie schon immer nehmen wollten?

Mein Traum war es immer, eine Allrounderin zu werden. Klar erhoffte ich mir vor einem Jahr, dass ich in Abfahrt und Super-G würde vorn mitmischen können. Als den wohl grössten Schritt zur Karriereveränderung sehe ich an, dass ich kürzlich die 500-Punkte-Marke übertroffen habe. Das gibt mir viel Platz und Luft, aber auch die Sicherheit, in allen Disziplinen über eine gute Startnummer zu verfügen.

Wenn Sie künftig alle Disziplinen bestreiten und fast alle Rennen fahren: Lauert da vielleicht auch die Gefahr, dass Sie sich verzetteln?

Ich habe in der Vergangenheit geschaut, dass dies nicht passiert. Der Aufbau erfolgte Schritt für Schritt. Auch jetzt darf ich mich nicht auf etwas versteifen, da ja Slalom, Abfahrt, Kombination und nach dem letzten Resultat in St. Moritz (2. Platz) auch der Super-G dazugehören.»

Sie sind in der Techniktrainingsgruppe eingeteilt. Wie muss man sich das ­vorstellen, wenn Sie zu den Speed­fahrerinnen stossen?

Diese nehmen mich immer herzlich auf, wodurch ich mich auch gleich wohlfühle. Inzwischen bin ich aber bei dieser coolen Truppe kein Gast mehr, sondern sehe mich doch auch als Bestandteil. Aber natürlich bleibt die Situation speziell.

Welcher Trainer ist im Speedbereich Ihr Hauptansprechpartner?

Das ist Dominique Pittet. Ihn kannte ich schon, als ich noch ganz klein war, denn er war damals in der Interregion für meine Schwester Dominique zuständig und begleitete sie auf ihrem Weg nach oben.

Was lieben Sie an diesem Pendeln ­zwischen den Extremen Slalom und Abfahrt?

Die Kombination aus Slalomdrill und der Freude und dem Thrill in der Abfahrt macht es aus. Ich brauche die Abwechslung und die ganz verschiedenen Aspekte aller Disziplinen. Wenn ich mal zwei, drei Wochen weg vom Slalom bin, dann freue ich mich wieder auf den Drill und die Milli­metersuche. Immer schön ist es aber auch, die Freiheit auf den langen Ski zu spüren.(sda)

 

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