Pizza gibt es erst nächste Woche wieder

Autor
Maria Gerhard

Noch drei Tage, und unsere vier Mannen vom Team «shn.ch» müssen beim grössten Ultracycling-Rennen der Welt ordentlich schwitzen. Trainiert haben sie genug, jetzt heisst es: Ruhe bewahren!

Jaja, so eine Tortur fordert eben auch ihren Tribut. «Rumpsteak und Pizza können wir erst nächste Woche wieder essen», sagt Dario Muffler, «derzeit geht es darum, vor allem den Kohlenhydratspeicher zu füllen.» Das heisst also: Nudeln, Kartoffeln und Reis. Carboloading heisst dieses Vorgehen unter den Sportlern. Und im Internet ist dazu zu lesen: «Ist ein Konzept der Zuführung von kohlenhydratreicher Nahrung vor einer grossen Ausdauerbelastung des menschlichen Körpers.» Aha. Und Gemüse? «Das braucht zu lange, bis es verdaut ist», sagt Muffler, «und gibt kaum Energie.» Also keine Vitamine. Viel bleibt da eigentlich nicht übrig. Aber gut, nachdem sich unsere vier Champions in den letzten Wochen fast nur noch mit dem Velo fortbewegt haben, werden sie auch diese wenigen Tage der Entbehrung noch überstehen. Drei Tage bleiben ihnen noch, dann starten sie als Team unter «shn.ch» bei der Tortour 2018. Und dann heisst es: Schwitzen! Schliesslich müssen die rund 500 Teilnehmer, solo oder im Team, zwischen 390 und 1000 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen.

Trainingseffekt zeigt sich bereits

Dafür haben sie schon ordentlich trainiert: Muffler etwa ist jede Woche bis zu 500 Kilometer gefahren. Ausserdem haben alle vier gemeinsam am Schaffhauser Triathlon teilgenommen. Das war sozusagen die Probe aufs Exempel, oder man könnte vielleicht auch sagen, die Truppe hat das Basislager vor dem Aufstieg zur K2-Spitze erreicht. Jetzt heisst es nur noch Ruhe bewahren, im wahrsten Sinne des Wortes. «Wir machen in den nächsten Tagen keine grossen Touren mehr», sagt Muffler, «wir müssen uns jetzt erholen, unsere Batterien aufladen, und dann wird sich der Trainingseffekt schon zeigen.» Diesen habe er schon beim Triathlon gespürt, da sei er beim Velofahren auf gleicher Strecke 1,10 Minuten schneller als im Vorjahr gefahren. Und auch sein Teamkollege Mark Gasser hat etwas gespürt: «Ich habe mich diesmal schneller erholt von der Anstrengung. Letztes Jahr konnte ich nach dem Triathlon kaum mehr laufen.» Das klingt doch schon mal vielversprechend, auch für unsere Bürowetten (Zwinker).

«Wir müssen jetzt unsere Batterien aufladen, und dann wird sich der Trainingseffekt schon zeigen.»

Dario Muffler, Tortour-Teilnehmer

Gleichzeitig gilt es noch einiges zu bedenken. Die Tortour ist nämlich vom Organisationsaufwand her etwas aufwendiger, als Aussenstehende vielleicht im ersten Moment meinen mögen: So müssen die zwei Begleitfahrzeuge bestückt werden, deren jeweils drei Fahrer, die sich abwechseln, müssen sich in die Route einlesen, Warnwesten müssen für jeden organisiert und genügend Wasser eingekauft werden. Bis zu sieben Liter Flüssigkeit brauche ­allein ein Velofahrer pro Tag, rechnet Marco Kern, der ebenfalls mitfährt. Auf dem Velo versorgt er sich einmal die Stunde mit Sportlernahrung in Form von Gel. «Ausserdem nehme ich in der Zeit noch 0,75 Liter Kohlenhydratgetränk zu mir», sagt Kern. Diese genauen Mengenangaben seien letztlich der Erfahrung geschuldet.

Ohropax müssen mit

Kern und seine Teamkollegen haben bereits auch angefangen zu packen: Neben einer Campingmatte zum gelegentlichen Ausstrecken an den diversen Stationen braucht es lange und kurze Radfahrerbekleidung, Jogginghose und T-Shirt für die Zeit in den Begleitfahrzeugen, genügend Sportlernahrung, Ohropax und Nackenhörnchen zum Schlafen, Kopfhörer für Musik zum Entspannen. Und natürlich nicht zu vergessen: die Zahnbürste.

Fragt man die vier übrigens, ob sie schon aufgeregt sind, zeigen sich alle noch recht cool. Aber Dario Muffler sagt: «Am Mittwoch werde ich es dann schon spüren.» Das sei auch gut so, Adrenalin pushe schliesslich. Und Kern fügt hinzu: «Ich versuche das Gefühl der Nervosität so weit wie möglich hinauszuzögern, sonst verliert man schon im Vorfeld zu viel Energie.»

Wer übrigens die vier oder andere Radler bei dem Rennen quer durch die Schweiz gerne bequem – etwa vom Sofa aus – verfolgen möchte, kann das tun: nämlich online. Alle Teilnehmenden, so schreiben die Organisatoren in einer Mitteilung, sind mit einem Tracker ausgerüstet und im Internet jederzeit verfolgbar. «Das ist spannend für Zuschauer, nützlich für Crewmitglieder und essenziell für die Rennleitung», heisst es dort. Die Rennleitung könne dank der Trackerüberwachung im Zweifelsfall nämlich überprüfen, ob ein Fahrer auch wirklich die korrekte Strecke absolviert habe. Ausserdem wird auch auf der Facebook-Seite der Tortour regelmässig über das Renngeschehen berichtet, genauso wie ­natürlich unter shn.ch.

Baschi: «Ich habe in einem schwachen Moment Ja gesagt»

Sebastian Bürgi, besser bekannt als ­Baschi, tritt ebenfalls bei der Tortour in die Pedale – als Teil eines Charity- Teams, welches das Projekt Laureus Girls in Sport unterstützt. Der Sänger ist gerade noch auf diversen Schweizer Campingplätzen unterwegs, um sein neues Album, das im September erscheinen wird, zu promoten. Dazwischen, in der wenigen freien Zeit, die ihm noch bleibt, schwingt er sich zum Training aufs Rad. «Ich habe es immer im Auto bei mir», sagte er gegenüber den SN.

Der 31-Jährige wird unter anderem mit dem erfolgreichen Triathleten Ronnie Schildknecht in einem 3er-Team fahren. Ob ihn das einschüchtere? «Es motiviert eher», sagt er, «und Ronnie weiss ja, dass er von mir keine Wunder erwarten kann. Ziel wäre es einfach, zu dritt ins Ziel zu kommen.» Seit vier Monaten trainiere er verstärkt, fahre immer wieder bis zu 80 Kilometer. «Es macht grossen Spass. Mal schauen, vielleicht bleib ich bei dem Sport.»

Da Baschi ein Laureus-Botschafter ist, wurde er für das Rennen angefragt. «Ich habe in einem schwachen Moment Ja gesagt.» Aber er freue sich darauf: «Ich suche in meinem Leben gerne die Herausforderung.» Mehr Prominente Mitfahrer finden sich der Bildergalerie oben. (mcg)

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