Eine neue Ausgangslage nach dem Olympiasieg in Rio

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Schaffhauser N…

Die Schweizer Ruderer starten heute in Belgrad in die Weltcupsaison 2017. Mit dabei ist mit Markus Kessler auch ein Schaffhauser Ruderer, der neu in einem Zweier ohne Steuermann mit Silvan Zehnder startet.

Der Schaffhauser Markus Kessler im Trainingszentrum in Sarnen. Bild: hcs.

Nach dem historischen Sieg im Vierer ohne Steuermann der Leichtgewichte an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro beginnt für den Schweizerischen Ruderverband der Olympia-zyklus Tokio 2020 mit vielen Neuerungen: Seit Anfang Februar sind der neue Headcoach Robin Dowell sowie Nationalcoach Bill Lucas im Amt, Riemenrudern ist bei den Leichtgewichten nicht mehr olympisch, und mehrere Athleten haben die Bootsgattung respektive die Gewichtsklasse gewechselt. Doch eines bleibt gleich: Der Schweizerische Ruderverband verfolgt mit seinen Athletinnen und Athleten auch für die Saison 2017 ambitionierte Ziele.

In der serbischen Hauptstadt Belgrad wird heute die Weltcupsaison 2017 eröffnet. Der Ruderverband nimmt die Saison mit zwölf Booten in Angriff. Nicht dabei sind die Olympiasieger im Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch und Lucas Tramèr. Das Quartett hat sich entschieden, ein Zwischenjahr einzulegen und diese Saison keine Wettkämpfe zu bestreiten. In Abwesenheit der Olympiasieger führt die Olympiafünfte im Einer, Jeannine Gmelin, das Schweizer Nationalteam an. Die Athletin des Ruderclubs Uster hat ihre Karriere ganz auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ausgerichtet. Mit der Unterbietung ihres eigenen Schweizer Rekords (6:53,0) auf dem Ruder-Ergometer hat die 26-Jährige diesen Winter gezeigt, dass sie sich im physischen Bereich erneut steigern konnte. Den starken Eindruck konnte die Neo-Zeitmilitär-Athletin auch mit ihren Leistungen bei den internen Selektionsrennen auf dem Lago di Comabbio in Corgeno (I) unterstreichen.

In Kleinbooten am Start

Nach dem Olympiadiplom im Männer-Doppelvierer starten die arrivierten Skull-Männer Roman Röösli (SC Sempach), Barnabé Delarze (Lausanne) und Nico Stahlberg (RC Kreuzlingen) in den Kleinbooten in die neue Saison. Röösli und Delarze wurden von Headcoach Robin Dowell für den Doppelzweier selektioniert, während Nico Stahlberg im Einer antreten wird. Der Bootskollege Augustin Maillefer (Lausanne) aus dem letztjährigen Doppelvierer pausiert 2017, hat jedoch seine Rückkehr für 2018 angekündigt. Rio-Ersatzmann Markus Kessler (RC Schaffhausen) konzentriert sich neu wieder auf den Riemenbereich.

Barnabé Delarze erzielte in diesem Winter ebenso wie Jeannine Gmelin einen neuen Schweizer Rekord auf dem Ruder-Ergometer. Barnabé Delarze unterbot in 5:47,3 Minuten den neunjährigen Rekord von Altmeister André Vonarburg und unterstrich damit seinen guten Formstand. Sein Bootspartner im Doppelzweier, Roman Röösli, vermochte sich an den internen Selektionsrennen sowohl beim Langstreckentest als auch an den SRV-Trials, welche über Ostern statt- fanden, als schnellster Einer-Fahrer durchzusetzen.

Entscheid gegen Leichtgewichte

Bei den Männern wurde diesen Winter/Frühling die Teambildung nicht nur von sportlichen Leistungen, sondern auch von einer wichtigen Entscheidung am ausserordentlichen Kongress des Weltruderverbands Fisa beeinflusst. Um der Vorgabe des Internationalen Olympischen Komitees zu entsprechen, mussten die olympischen Bootskategorien dahingehend angepasst werden, dass in Tokio 2020 gleich viele Frauen wie Männer am Start sein werden. Die Mehrheit entschied sich dafür, dem Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte den olympischen Status zu entziehen und dafür den Frauen-Vierer ohne Steuerfrau ins olympische Programm aufzunehmen. Für den Schweizerischen Ruderverband, der mit Australien, Dänemark und China einen Gegenvorschlag präsentierte, war das eine Enttäuschung: «Wir waren auf diesen Entscheid vorbereitet, aber natürlich war das nach den grossen Erfolgen, die wir mit dem Olympiasieg im leichten Vierer, dem U-23-WM-Titel und der -Weltbestzeit im leichten Zweier hatten, keine erfreuliche Nachricht», sagt der Verbandsdirektor Christian Stofer. Doch Lamentieren bringe nichts, zusammen mit dem Vorstand des Ruderverbandes und dem neuen Coaching-Duo Robin Dowell und Bill Lucas ging es darum, die Strategie entsprechend anzupassen. So verzichtet der Schweizerische Ruderverband in Zukunft komplett auf die Beschickung von Leichtgewichts-Riemenevents, dafür soll der Riemenbereich in der offenen Kategorie noch gezielter gefördert werden. Während ein Eliteprojekt in den letzten beiden Olympiazyklen fehlte, selektionierte der Schweizer Ruderverband 2016 für die U-23-WM bereits einen Vierer mit Steuermann und für die Junioren-WM einen Achter. Die beiden Boote beendeten die internationalen Titelkämpfe jeweils auf dem 7. respektive dem 8. Rang.

Die Anpassungen der Verbandsstrategie respektive das angepasste Olympiaprogramm hatten auch unmittelbaren Einfluss auf einige Athleten des Nationalteams. So entschieden sich die beiden Leichtgewichtsathleten Silvan Zehnder (Seeclub Zürich) und Joel Schürch (Seeclub Sursee) für einen Wechsel in die offene Kategorie. Zudem äusserte Markus Kessler (Ruderclub Schaffhausen), Ersatzmann des Rio-Doppelvierers und Junioren-Weltmeister im Vierer mit Steuermann 2010, den Wunsch, vom Skullbereich zurück in den Riemenbereich zu wechseln. Silvan Zehnder und Markus Kessler werden den Weltcup im Zweier ohne Steuermann in Angriff nehmen.

Im Leichtgewichts-Einer werden in Belgrad Michael Schmid (See-Club ­Luzern) und Fiorin Rüedi (Grasshopper Club Zürich) starten. Während der Start in dieser Kategorie für den U-23-Weltmeister im Zweier ohne Steuermann Leichtgewichte, Fiorin Rüedi, eine Premiere beim Weltcup darstellt, ist der Olympiastarter Michael Schmid ein Routinier. So kennt er die Konkurrenz bestens.(pd/r.)

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