Das Prinzip Hoffnung

Autor
Tobias Erlemann

Der FC Schaffhausen steckt tief in der Krise. Heute geht die Reise zu Aufsteiger SC Kriens, einem unbequemen Gegner.

Wie beim letzten Erfolg im Dezember über Kriens wollen sich Valentino Pugliese (l.) und Co. heute durchkämpfen. Bild: alb

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Auch des FC Schaffhausen? «Ich bin ­immer positiv», sagt FCS-Coach Jürgen Seeberger. Selbst die magere Bilanz von nur zwei Punkten in sieben Matches unter seiner Regie bereitet ihm keine schlaflosen Nächte. «Wenn das Team desolat spielen würde, dann käme ich ins Grübeln. Aber wir arbeiten gut, ich habe die Hoffnung, dass wir bald auch wieder gewinnen.»

So herrscht beim FCS das Prinzip Hoffnung kombiniert mit einer Prise Aberglaube. Der letzte Sieg liegt immerhin fast vier Monate ­zurück, am 8. Dezember gewannen die ­Munotstädter daheim mit 3:2. Gegen welchen Gegner? Genau, gegen den SC Kriens, dem heutigen Kontrahenten (17.30 Uhr, im Liveticker auf shn.ch). Nach einem 0:1-Rückstand drehte der FCS auf, die Tore zum Heimsieg erzielten Valentino Pugliese, Miguel Castroman und Imran Bunjaku.

Das Gefühl des Erfolges ist seither komplett verloren gegangen. Seit zwölf Spielen wartet der FCS nun auf einen Vollerfolg. Mal spielt man schlecht (wie beim 1:6 in Genf); mal ist man ordentlich dabei (wie beim 1:1 gegen ­Vaduz); mal sind die Munotstädter sogar überlegen (wie beim 0:2 gegen Rapperswil). Doch raus kommt immer dasselbe: zu wenig oder gar kein Ertrag. Die Negativspirale wird ­immer tiefer, der Abstiegskampf immer prekärer. «Schon bei meinem Dienstantritt war mir klar, dass wir ordentlich zu kämpfen ­haben werden um den Klassenerhalt», sagt Seeberger offen. Doch mit dieser Situation können seine Spieler scheinbar nur schlecht umgehen, der Blick wurde zu lange nach oben gerichtet, das eigene Können vielleicht sogar überschätzt.

Und das nächste Problem: «Da steht auch immer noch ein Gegner auf dem Platz», sagt Seeberger mit einem gequälten Lächeln. Denn in der Challenge League ist kein Team einfach mal so bereit, die Punkte dem Kontrahenten zu überlassen. Auch der SC Kriens am heutigen Tag sicher nicht. Zu Saisonbeginn ob des schmalen Budgets noch belächelt, ist der Aufsteiger auf einem guten Kurs Richtung Klassenerhalt. 34 Punkte hat das Team von Ex-Nationalspieler Bruno Berner bereits auf dem Konto. «Jetzt geht es darum, das bisher ­Erreichte zu finalisieren», sagt der 41-Jährige. Was der Kriens-Coach damit meint: mit einem Sieg über Schaffhausen den Klassenerhalt so gut wie einzutüten, um auch nächste Saison in der Challenge League mitmischen zu dürfen. «Das ist für uns nicht selbstverständlich, wir müssen dafür sehr viel investieren», sagt Berner im Wissen darum, dass sein Verein wohl das schmalste Budget der Liga hat. Aber mit diesem wenigen Geld machen die Krienser sehr viel. Berner hat eine kompakte Mannschaft geformt, die aber auch das spielerische Element nicht vernachlässigt. Mit etwas Glück wären die Innerschweizer sogar fast in den Cup-Halbfinal eingezogen, im Viertelfinal beim FCZ war der Underdog besser, verlor aber unglücklich mit 1:2.

Solch ein Sieg wie die Zürcher würde aber auch der FCS gerne mal einfahren. «Ich nehme die drei Punkte gerne auch ohne zu glänzen mit aus Kriens», sagt Seeberger lapidar – und hofft auf die schnelle Auferstehung des FCS im heissen Abstiegskampf.

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