Das Phänomen Adi Hütter

Autor
Tobias Erlemann

Eintracht Frankfurt marschiert durch Europa. Adi Hütter, Ex-Coach der Berner Young Boys, hat aus den «Adlern» ein Team gemacht, das für offensiven Spassfussball steht.

Zwei Erfolgsgaranten: Coach Adi Hütter (l.) freut sich mit seinem Top-Stürmer Luka Jovic über den Erfolg. Bild: Key

Den frühzeitigen Meistertitel der Young Boys Bern hat Ex-Coach Adi Hütter mit Wohlwollen mitbekommen. Denn immerhin ist das Gerüst des Erfolgsteams noch von ihm aufgebaut worden. Sein Nachfolger Gerardo Seoane hatte eine perfekte Basis, um den zweiten Titel in Serie einzufahren. «Er macht einen tollen Job in Bern. Einen Erfolg zu bestätigen, ist immer extrem schwierig», zollt Hütter seinem Nachfolger Respekt und Anerkennung.

Keine Angst vor dem ­Scheitern, ­sondern mutig nach vorne spielen.

Doch neidisch wird der Österreicher sicher nicht in die Hauptstadt schauen. Denn was der 49-Jährige derzeit mit Eintracht Frankfurt vollführt, gehört in die Kategorie «sensationell.» Mit dem 2:0-Sieg über Benfica Lissabon zogen die Hessen in die Halbfinals der Europa League ein, dort treffen die «Adler» auf den FC Chelsea. Letztmals so weit kam Frankfurt im Europacup vor satten 39 Jahren, 1980 gewann die Eintracht dann sogar den Uefa-Cup im rein deutschen Final gegen ­Borussia Mönchengladbach. Und selbst solch ein Super-Triumph scheint aktuell nicht ­unmöglich, Gegner Chelsea nicht unschlagbar. Denn die Euphorie in Frankfurt ist ­immens. Im Spiel gegen Lissabon übertrafen sich die Fans nochmals in ihrem Rückhalt, der Lärm und die Anfeuerungsrufe über 90 Minuten waren ohrenbetäubend, für Hütter einer der Gründe für den Erfolg. «Mannschaft und Fans halten zusammen, unsere Zuschauer peitschen uns permanent nach vorne.»

Kein guter Start

Dabei begann das Kapitel Frankfurt für Hütter äusserst schlecht. Gekommen als Berner Meistertrainer, wurde seine neue Mannschaft erst mal ordentlich abgewatscht. Im Supercup setzte es eine 0:5-Schlappe gegen die Bayern ab. Kurz darauf verlor die Eintracht im DFB-Pokal beim Viertligisten Ulm mit 1:2. Der Anfang von einem schnellen Ende? Nicht mit Hütter, der von Beginn weg wusste, dass das Team seine Ideen und seine Philosophie erst noch verstehen musste. Sein Credo dabei ist klar. Hütter: «Mut zum Risiko. Auch vor einem Scheitern sollte man keine Angst ­haben, das gehört zum Leben dazu.» Ausserdem vermittle er die Einstellung, «dass wir immer etwas erreichen können, wenn wir nur an uns glauben und hart arbeiten.»

Mit dieser Philosophie stürmt Frankfurt unter Hütter nun durch Europa und ist in der Bundesliga sogar auf Champions-League-Kurs. Im Verbund mit Sportchef Fredi Bobic hat Hütter eine Mannschaft aufgebaut, die – wie auch in Bern – für attraktiven Offensivfussball steht. Das Offensiv-Quartett Ante ­Rebic, Luka Jovic, Filip Kostic und Sébastien Haller sucht seinesgleichen. Mit Platz 4 in der Bundesliga steht Frankfurt so stark wie schon lange nicht mehr da und ist gereift zu einem Spitzenteam mit Ambitionen – mit dem Hütter-System, der seine Philosophie wie folgt beschreibt: «Bei mir ist es so eine Mischung aus Ballbesitz und Pressing-Fussball. Der darf nicht kopflos sein. Denn am Ende des Tages ist das Ergebnis das Wichtigste», sagt der 49-Jährige. Das 2:0 über Lissabon hat diese These dann auch eindrücklich bestätigt, mit Mut nach vorne, mit kühlem Kopf im Spiel, hat das Ergebnis nach dem 2:4 im Hinspiel genau ­gepasst, damit die Frankfurter «Adler» weiter auf dem europäischen Höhenflug sind.

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