Status quo statt Tabula rasa – Bernhard Heusler soll die Reformen vorantreiben

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Schaffhauser N…

Im nächsten Frühjahr hört Peter Gilliéron als SFV-Präsident auf. Schon jetzt macht er den Weg frei für umfassende Umstrukturierungen.

Ein nachdenklicher Präsident Peter Gilliéron, der Nationalmannschaftverantwortliche Claudio Sulser und Nationalcoach Vladimir Petkovic (v. l.) informieren in Ittigen. Bild: Key

von Stefan Wyss, Bern

Die Analyse der vor allem neben dem Rasen misslungenen WM-Kampagne hat im Schweizerischen Fussballverband (SFV) nicht zum grossen personellen Reinemachen geführt. Peter Gilliéron verkündete im Haus des Sport in Ittigen bei Bern nicht seinen sofortigen Rücktritt als SFV-Präsident. Der 65-jährige Berner Fürsprecher ­beendet seine fünfte und letzte Amtszeit ordentlich erst im kommenden Mai. Dann tritt er nicht mehr zur Wiederwahl an. Claudio Sulser bleibt Delegierter der Nationalmannschaft, und Vladimir Petkovic führt die SFV-Auswahl als Coach durch die Nations League und im kommenden Jahr in die EM-Qualifikation. Das sind die Fakten des Tages. Schier ist man geneigt zu sagen: ­Status quo statt Tabula rasa.

«Unser Nationalteam ist erfolgreich wie nie. Aber wir haben die Strukturen nicht angepasst. Da hinken wir hinterher.»

Peter Gilliéron, Präsident Schweizerischer Fussballverband

Gleichwohl ging man im SFV offenbar nicht zur Tagesordnung über. Man zeigte sich selbstkritisch. «Wir müssen festhalten: Wir haben Fehler gemacht auf allen Ebenen», sagte Gilliéron. Doch dies biete auch «die Chance, aus diesen Fehlern zu lernen». Hierfür holte der SFV externe Hilfe. Oder besser gesagt: teilweise externe. Er gab der Basler Beratungsfirma HWH der früheren Spitzenfunktionäre Bernhard Heusler und Georg Heitz das Mandat, «alles anzuschauen, was mit der Führung in der Nationalmannschaft zusammenhängt, Bericht zu erstellen und Massnahmen vorzuschlagen», so Gilliéron.

Heusler ist im Zentralvorstand

Dies ist nicht ohne Brisanz: Bernhard Heusler, der langjährige FCB-Präsident und Baumeister der achtjährigen Basler Meisterserie, ist selbst Mitglied des SFV-Zentralvorstandes. Durch das Mandat macht er sich zwar im Prinzip als (zumindest unmittelbarer) Nachfolger von Gilliéron unmöglich, doch er wird nun der starke Mann im SFV betreffend Ausrichtung für die Zukunft. Welche Rolle nimmt das ­A-Nationalteam künftig in den Verbandsstrukturen ein? Wie ist das Jobprofil des Vorgesetzten des Nationaltrainers? Welche Aufgaben hat der neue Generalsekretär? Wie hat die Medienarbeit rund um die ­Nationalmannschaft auszusehen?

Zeitplan: So schnell wie möglich

Mit solchen Fragen wird sich das Duo Heusler/Heitz in den nächsten Wochen auseinandersetzen. Und der Zentralvorstand um (Noch-)Präsident Gilliéron wird die Vorschläge aus Basel kaum ablehnen. Gilliéron: «Es ist Aufgabe des Zentralvorstandes, die richtigen Entscheide zu treffen. Aber wir wären dumm, wenn wir Aufträge erteilten, dann aber nicht zuhören und die Erkenntnisse nicht umsetzen würden.» Zum Zeitplan sagte der Präsident: «Im Prinzip so schnell wie möglich. Es besteht Handlungsbedarf.» Die Strukturen rund ums A-Nationalteam sind im Prozess der Umstrukturierung und Professionalisierung im SFV zentral. Doch die Analyse der letzten Monate hat ergeben, dass es weitere Baustellen gibt. Sie hätten den Spielern im Umgang etwa mit den sozialen Medien zu wenig Unterstützung angeboten, hat Gilliéron erkannt. Grundsätzlich sei man für die Spieler «zu wenig präsent» gewesen. Der bisherige Videoanalyst Vincent Cavin, der schon im vergangenen Mai zum Sportkoordinator befördert wurde, soll nun Ansprechpartner für Spieler, Agenten und Manager sein.

Verbessern will sich der Fussballverband auch in der Medienarbeit. In diesem Sommer hat die Presse kein gutes Bild des ­Nationalteams und seiner Protagonisten verbreitet. Gilliéron: «Wir wollen mit den Medien das Gespräch am runden Tisch ­suchen. Wir müssen wieder aufeinander zugehen, und der Zugang zu Spielern und Trainern soll unkomplizierter werden.»

Studie zur Integration

Und im Nachgang der Diskussion um Doppeladler und Doppelbürger will der SFV ausserdem eine Studie anfertigen lassen, wie die Integration weiter verbessert werden kann. «Denn gesellschaftspolitische Fragen werden immer mehr mit Fussball verknüpft», so Gilliéron. Ganz allgemein haben sie im SFV erkannt: «Unser Nationalteam ist erfolgreich wie nie. Aber wir haben die Strukturen nicht angepasst. Da hinken wir hinterher.» (sda)

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