Bunt, vielseitig und gastfreundlich

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Schaffhauser N…

Sport, politische Nebengeräusche und lateinamerikanische Besucher prägten die Fussball-WM in Russland. Der Gastgeber zeigte sich perfekt organisiert und von einer sehr gastfreundlichen Seite.

Französische Fans feiern auf dem Roten Platz den WM-Titel. Bild: KEY

von Christian Finkbeiner, Moskau

Eines der letzten Bilder der WM gehörte dann doch noch ihm. Als die Regentropfen bei der Siegerehrung im Luschniki-Stadion in Moskau unbarmherzig niederprasselten, stand Wladimir Putin als einziger nicht im Regen. Der russische Präsident wurde von einem Herrn mit Schirm vom gröbsten verschont, während Fifa-Präsident Gianni Infantino, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dessen kroatische Amtskollegin Kolinda Grabar-Kitarovic total durchnässt den Spielern und Betreuern gratulierten.

Er, Putin, der Schirmherr dieser WM, hatte sich zuvor während der gut vier Wochen des Turniers im Hintergrund gehalten. Die Befürchtungen waren gross gewesen, dass die WM dem Präsidenten als Propagandabühne dient. Inwiefern Putin diese missbrauchte, ist schwierig abzuschätzen. Laut russischen Medienberichten gelang es ihm zumindest nicht, von der anstehenden Rentenreform abzulenken, dem wichtigsten innenpolitischen Thema.

Politische Nebengeräusche

Dennoch zeigte gerade das Turnier in Russland, dass der Fussball weltweit instrumentalisiert wird. Politik war sehr wohl ein Thema an dieser WM. Als letztes Beispiel diente Macron, dessen Jubelpose nach dem Gewinn des WM-Titels um die Welt ging. Sich an der Seite der eigenen, erfolgreichen Fussballer zu zeigen, hatte sich einst auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Nutzen gemacht.

Gerade Deutschland spürte aber, dass es auch in die andere Richtung gehen kann. Die Affäre «Erdogan/Özil» hatte nicht nur Einfluss auf das sportliche Abschneiden, sondern löste beinahe eine Staatskrise aus. In der Schweiz nützten politische Exponenten die «Doppeladler»-Diskussion, um ihre Botschaften loszuwerden. Schweden hatte den Fall Jimmy Durmaz. Bei Finalist Kroatien ist der Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus im Sport ein schmaler.

Erlebte Russland die beste WM aller Zeiten? Von der Organisation her womöglich, vom sportlichen Gehalt her kaum. Sie brachte keine neuen Trends, mit Frankreich aber einen verdienten Weltmeister. Trotz 14 Treffern mochte sich aber kaum einer am Spielstil der Franzosen so richtig erwärmen. Zu pragmatisch trat die Mannschaft von Didier Deschamps auf, zu wenig Spektakel bot der Weltmeister – trotz Spielern wie Mbappé oder Griezmann.

Abseits des Rasens gaben sich die Russen sehr viel Mühe, gute Gastgeber zu sein. Freundlich und zuvorkommend begegneten sie den Gästen, Sprachbarrieren wurden mit Händen und Füssen und Geduld überwunden. Übersetzungs-Apps waren der wichtigste Begleiter für viele. Die Organisation klappte hervorragend, ein Verkehrschaos, verspätete Flüge oder grosse Warteschlangen blieben aus, die Städte wurden herausgeputzt. (sda )

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