Voller Einsatz für den Erhalt der Haltestelle

Autor
Stefan Salzmann

Der ZVV plant die mehrheitliche Aufhebung der Haltestelle Lindenbuck. Die Gemeinde Feuerthalen wehrt sich dagegen. Brisant ist die Sache auch für den Gemeindepräsidenten Jürg Grau.

DIe Haltestelle Lindenbuck mit der Wendeschlaufe rechts bedient die Bevölkerung von Langwiesen. Bild: Stefan Salzmann

feuerthalen/Die Haltestelle Lindenbuck befindet sich zwischen den Haltestellen Stumpenboden und dem Zentrum Kohlfirst. Sie stellt sicher, dass die ­Bevölkerung von Langwiesen einen nah gelegenen Postauto-Anschluss hat, um via Marthalen nach Zürich zu gelangen. Genau diese Haltestelle will der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) mit der vorgesehenen Fahrplanänderung 2020–2021 zu den meisten Zeiten nicht mehr bedienen. Von der Aufhebung nicht betroffen sind die Kurse mit Abfahrt nach 20.30 Uhr ab Schaffhausen und nach 22.03 Uhr in entgegengesetzter Richtung ab Marthalen. Für die Linie 634, die von Schaffhausen nach Dachsen führt und ebenfalls die Möglichkeit mit einer aber langen Wartezeit für eine Weiterfahrt nach Zürich bietet, bleibt die Haltestelle Lindenbuck zu jeder Zeit erhalten.

Weshalb strebt der ZVV diese Änderung für die Linie 630 an? Grund sei die Sicherstellung der Anschlüsse am Bahnhof Mar­thalen, heisst es in einem Schreiben. Jeweils um 5 vor kommt die Linie 630 fahrplanmässig in Marthalen an. Vier Minuten später fährt der Zug nach Zürich. Knapp, aber grundsätzlich gut möglich. Weshalb sollten die Anschlüsse nun plötzlich nicht mehr möglich sein? Jürg Grau, Gemeindepräsident von Feuerthalen, kennt die genauen Gründe für die mehrheitliche Aufhebung der Haltestelle Lindenbuck: «Der ZVV befürchtet Verspätungen der Postautos aufgrund der Baustelle an der Rheinuferstrasse in Schaffhausen, die noch bis im Frühling 2021 bestehen wird.»

Status quo beibehalten

Für Jürg Grau ist die mehrheitliche ­Aufhebung der Haltestelle Lindenbuck ein «absolutes No-Go». Aus verschiedenen Gründen: «Zum einen glaube ich nicht, dass diese fadenscheinige Argumentation wirklich eine Grundlage hat. Zum anderen ist die Haltestelle gut frequentiert und erst noch die einzige in Langwiesen. Die kann man nicht einfach auflösen», sagt Grau.

«In dieser Sache trete ich dann aber als Gemeindepräsident von ­Feuerthalen auf.»

Jürg Grau, Gemeindepräsident , Feuerthalen

Der Gemeindepräsident ist in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben und hat mit einigen Postauto-Chauffeuren dieser Linie gesprochen. «Einige sehen das Pro­blem nicht als akut an. Ausser vielleicht zu den Stosszeiten», sagt Grau und ergänzt: «In diesen kommt es sowieso auf den meisten Linien zu Verspätungen.»

Mittlerweile hat der Gemeinderat von Feuerthalen die Vernehmlassung verabschiedet und ein entsprechendes Papier nach Zürich geschickt. Darin hat der Gemeinderat betont, dass man dieses Änderungsbegehren so nicht akzeptieren könne und dass man möchte, dass es beim Status quo bleibt. Weil 16 Änderungsanträge, einer davon unterschrieben von 434 Bürgerinnen und Bürgern, beim Gemeinderat eingegangen sind, ist das Couvert dicker geworden als auch schon. «Ich bin seit neun Jahren Gemeindepräsident und wir haben schon ein paar Vernehmlassungen gehabt. Ein zwei Zentimeter dickes Schreiben haben wir aber noch nie nach Zürich geschickt», sagt Grau. Dies zeige, wie viele Leute sich für den Erhalt der Haltestelle auf der Linie 630 eingesetzt hätten. Nicht nur deshalb ist Grau «sehr zuversichtlich», dass es nicht zur mehrheitlichen Aufhebung der Haltestelle kommen wird. «Ich glaube nicht, dass es möglich ist, aufgrund einer Baustelle, die dann schon bald nicht mehr da sein wird, eine Fahrplanänderung durchzubringen», so Grau.

Leserbriefe inhaltlich richtiggestellt

Die Bevölkerung von Langwiesen machte neben dem Sammeln von Unterschriften vor allem mit Leserbriefen im «Feuerthaler Anzeiger» auf sich aufmerksam. Auch Jürg Grau hat diese gelesen und begrüsst sie grundsätzlich. Er will aber auch einiges davon inhaltlich richtigstellen. In einem ist die Rede davon, dass der ZVV verpflichtet sei, eine Gegend ab 300 Einwohnern mit einer Haltestelle auszustatten, die innerhalb von 400 Metern erreichbar sei. «Das stimmt. Jedoch ist es ja nicht so, dass es die Haltestelle nicht mehr gibt. Es gibt sie einfach mehrheitlich für die Linie 630 nicht mehr. Für die Linie 634 aber schon. Deshalb greift dieses Argument nicht», sagt Grau. In einem anderen Leserbrief wird angeprangert, dass mit der Eröffnung des Rhymarkts in Feuerthalen und der damit verschobenen Haltestelle von der Bahnhofstrasse an den Rhymarkt ein Umweg gefahren werde, der Zeit koste. Die Haltestelle müsse wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückversetzt werden. «Auf Wunsch des Gemeinderats wurde die ‹neue› Haltestelle von Coop finanziert. Sie wurde erstellt, weilt die alte an der Bahnhofstrasse nicht mehr den Anforderungen entsprach», sagt Grau.

Jürg Grau ist nicht nur Gemeindepräsident, sondern steht auch der Regionalen Verkehrskonferenz (RVK) im Weinland vor. Das Begehren soll am Dienstag, 14. Mai, besprochen werden. «In dieser Sache trete ich dann aber als Gemeindepräsident von Feuerthalen auf», sagt Grau.

 

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