SBB fördern Zugdurchsagen am Rheinfall

Autor
Mark Gasser

«Wie bitte? Wir sind gerade am Rheinfall vorbeigebraust?» Nicht selten bemerken Touristen in Zügen das Schauspiel gar nicht. Die SBB motivieren nun ihr Zugpersonal, vermehrt darauf hinzuweisen.

Auf der Rheinfalllinie S33 fährt zwar kaum Zugpersonal mit, doch sowohl hier als auch in den Fernverkehrszügen soll das Personal stärker aufs Naturschauspiel hinweisen. Bild: M. Gasser

Noch vor wenigen Wochen stellten die «Schaffhauser Nachrichten» fest, dass bei der Zugfahrt an den Rheinfall oder an diesem vorbei der herrliche Blick aufs tosende Wasser nicht ortskundigen Touristen kaum auffällt – schliesslich wurden sie nicht darauf hingewiesen, dass man bereits auf der Zugstrecke für ­wenige Sekunden einen herrlichen Blick auf den Wasserfall hat. In einer SN-Kolumne hielt Redaktorin und ÖV-Pendlerin Maria Gerhard entsprechend ihren Erfahrungen fest: «Aus Langeweile fotografieren sie (die Touristen) sich gerade gegenseitig oder tippen auf dem Handy rum. Man selbst fühlt sich in dieser Situation stets hin- und hergerissen: Weist man die Touris jetzt darauf hin, oder schweigt man diskret? Aber eigentlich möchte man sie an den Schultern packen, schütteln und rufen: ‹Seht ihr nicht den wunderschönen Rheinfall dort?›»

Tatsächlich werden nun seit einigen ­Wochen die Touristen rechtzeitig aus ihrer Unwissenheit gerettet – sofern gerade Zugpersonal mitfährt und dieses gerade Lust dazu hat. «Unser Zugspersonal kann, wenn es will, auch persönliche Durchsagen machen», erklären die SBB auf Anfrage ihre interne Regel. Diese würden anstelle der üblichen automatisierten Durchsagen spontan durch den Lautsprecher gegeben.

Neu ist die Idee zwar nicht: Auch früher hatten Kondukteure die Möglichkeit, Durchsagen zu machen. Doch nun hätten die SBB, offenbar auf das Thema Rheinfall sensibilisiert, ihre Mitarbeiter erinnert und an deren Eigeninitiative appelliert, besonders um den Rheinfall herum Durchsagen zu machen. Doch letztlich stehe es ihnen frei zu entscheiden, der Zugfahrt diese persönliche sympathische Note zu verleihen.

«Das ist wie beim Fliegen, wenn der Chef selbst zum Mikro greift.»

Daniele Pallecchi, Mediensprecher SBB

Diese wird tatsächlich genutzt – zumindest ab und zu. So dürfte einigen Zugreisenden beispielsweise im Interregio Richtung Basel (also auf Neuhauser Seite des Rheinfalls) eine besonders fröhliche Stimme mittlerweile bekannt vorkommen, welche ab und zu auch die Sicht auf den Rheinfall anpreist. Nicht selten garniert der Zugbegleiter seine Durchsagen auch mit Kommentaren wie: «Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag – lassen Sie sich nicht ärgern.» Doch solche Identifikationsfiguren, wie man sie häufig auf langen Amtrak-Linien in den USA antrifft, sind selten. In Fernverkehrszügen ist immer auch Bahnpersonal anzutreffen. Aber naturgemäss ist die Durchsage auf der S33, welche auf Zürcher Seite direkt am Rheinfall vorbeifährt und auch am Schloss Laufen hält, nur selten möglich: Hier fahren schliesslich selten Zugbegleiter mit, folglich müssen sich Reisende mit der Computerstimme, welche nur die Haltestelle ankündigt, begnügen.Dennoch halten die SBB fest: «Wir hatten bisher sehr gute Reaktionen, weil es die Leute nicht gewohnt waren. Vor allem die regulär Reisenden finden das sehr positiv. Die Touristen sowieso. Auch weil es etwas Ungewohntes, etwas Neues ist», erklärt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Das sei «wie beim Fliegen, wenn der Chef selbst zum Mikro greift». Das könne ein Kommentar zum Bahnhof, zum Wetter am Touristenort oder zur nächsten Stadt sein. Dafür könne das Personal die elektronische Durchsage durch eine manuelle ersetzen. Aber das sei nicht jedem gegeben. Zudem sei die Tageszeit zu berücksichtigen. So wolle nicht jeder Fahrgast jeden Tag über den Rheinfall informiert werden: Der Alltagspendler wolle Ruhe. Am Wochenende hingegen, wenn mehr Touristen- und Freizeitverkehr die Rheinfallstrecke benutze, mache es Sinn, das Schauspiel hervorzuheben. «Diese Fahrgäste haben erhöhten Informationsbedarf. Und diesen Konflikt haben wir tagtäglich», erklären die SBB.

 

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