Platten und Waldbrände begleiteten das Feuerthaler Ehepaar am Tourstart

Autor
Mark Gasser

Sowohl im Westen Kanadas als auch in Kalifornien wüten Waldbrände. Zwei Velotouristen wagen es trotzdem.

Der Feuerthaler Théo Otth muss schon in Vancouver das Flickzeug hervorkramen – drei Kilometer nach dem Start. Bild: zvg

Kurz nach der Tortour 2018, an der das pensionierte Ehepaar Ruth Meister Otth (66) und Théo Otth (68) als Helfer im Einsatz standen, starteten die beiden Velobegeisterten ihre eigene Tortur auf zwei Rädern: Am Dienstag flogen sie nach Vancouver, um von dort entlang der kanadischen Grenze die nördlichen US-Bundesstaaten Idaho und Montana sowie südlich das Kaskadengebirge zu bereisen und über Portland, Oregon nach Kalifornien zurückzureisen. «Zwischen den höchsten Bergen der Staaten (Mount Rainier, Mount Shasta) werden wir uns hindurchstrampeln», schreiben die beiden auf ihrem Blog.

«Bei Kilometer 3,26 ein Riesenknall, und ich hatte meinen ersten Plattfuss!»

Théo Otth, Velotourist, Feuerthalen

Schon auf den ersten Etappen sind sie aber auch den Naturgefahren ausgesetzt: Kurz nach ihrem Start für die ersten 600 Kilometer der kanadischen Grenze entlang gab es die erste Panne. Die Fahrt durch Vancouver wurde nach gut drei Kilometern durch einen Platten von Théo Otth unterbrochen. Zwar war es bewölkt, aber dennoch heiss: Sie berichten von einem «bläulichen Dunst», der über der Stadt hing – von den Waldbränden. Kurz vor ihrer ersten Übernachtung im gut 70 Kilometer entfernten Abbotsford, wo sie Bekannte besuchen wollten, erwischte Théo bereits seinen zweiten Platten. Der liess die Stippvisite ins Wasser fallen. So war dieses Stück Kanada zwar nicht neu fürs Ehepaar, aber in dieser Verkettung von Zwischenfällen eben doch ungewöhnlich.

Hoffnungsvolle Etappe nach Hope

Nun ging es gestern weiter ins rund 95 Kilometer entfernte Hope – zumindest der Name liess auf eine flüssigere Reise hoffen. Und das war sie dann, auch dank etwas Rückenwind: Gestern Abend traf das Paar dort ein. Doch die dunstige Luft begleitete sie stets. Die Helikopter flogen ununterbrochen, um die Waldbrände in Kanada zu bekämpfen. Nun hoffen sie, dass in einem Monat auch die Waldbrände in Kalifornien gelöscht sind. Diese würden ihre Route durch den Mendocino-Nationalpark an der Westküste torpedieren.

Doch vorerst ist geplant, knapp 300 Kilometer weiter der Grenze entlang zu radeln und auf der «Arosa Ranch» Marianne Arpagaus zu besuchen. Sie hat mit dem Hemmentaler Tussli Arpagaus lange Zeit das Hotel Praval in Arosa geführt, bevor die beiden nach Osoyoos umgezogen sind und sich dort in den Bergen die Ranch gebaut haben. Tussli ist allerdings bereits nach drei Jahren verstorben.

Danach soll es von der kanadischen Grenze weg in die USA, über die Rocky Mountains am Death Valley vorbei (es ist wegen der hitzebedingten Todesfälle für Radfahrer gesperrt) und, sofern es die Waldbrände zulassen, Richtung Westen oberhalb der Wüste Nevadas Richtung Napa Valley und auf besagter Strecke südwärts durch Kalifornien gehen. Über Santa Maria und Santa Barbara, «unsere Lieblingsstadt im Westen», wollen sie in San Diego ihre Tour beenden. «Wir wollen nicht nochmals über die Berge im Hinterland, die haben wir 2016 anlässlich unserer USA/Kanada-Umrundung bereits gemacht und auch Extremes wie Erdbeben haben wir erlebt», erwähnt Ruth. Am 4. Oktober fliegen sie von San Diego Richtung Zürich ab – so jedenfalls sieht es der Marschplan vor.

Der Reiseblog des Ehepaars Meister Otth ist zu lesen unter www.swissbikeaholic.ch

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