Kindergarten soll «nur» saniert werden

Autor
Mark Gasser

Die vorberatende Gemeindeversammlung zum Sanierungskredit über 1,8 Millionen Franken in Trüllikon warf einige grundsätzliche Fragen auf: Wäre nicht ein Kindergarten-Neubau klüger?

Über die Sanierung des Kindergartens muss in Trüllikon zwar an der Urne abgestimmt werden. Doch vorberatend wurde an der Versammlung lang darüber diskutiert. Bild: M. Gasser

Am Tag der offenen Tür vor anderthalb Wochen hatten sich die Stimmberechtigten selbst ein Bild von dem maroden Kindergarten Sünneli mit Baujahr 1972 machen können. In das Gebäude, das auf dem Platz einer ehemaligen Militärunterkunft steht, wurde in diesen 46 Jahren trotz mehreren Anläufen ehemaliger Behörden nur wenig investiert.

So gab es aus Sicht der Primarschulpflege drei Varianten: Der Kindergarten muss saniert oder am heutigen oder an einem neuen Standort neu gebaut werden. Basierend auf einer Vorstudie, kommt eine Sanierung des Lehrerhauses oder der Hauswartwohnung im ersten Stockwerk des Kindergartens wegen zu kleiner Grundrisse nicht infrage.

Liegenschaftsverwalter Tobias Werner zeigte die Ausgangslage auf: Energetisch sei das Gebäude nicht auf dem neusten Stand, es weise eine undichte Doppelverglasung und mangelhafte Isolation auf, die WC-Anlagen funktionierten nicht mehr richtig, das Gebäude biete keinen Platz für einen Gruppenraum – so wird dafür die Militärunterkunft benutzt. Auch Aussenspielgeräte und Plätze seien sanierungsbedürftig. Ohnehin müssen demnächst die begrünten Flachdächer, wo es bei Starkregen in die Militärunterkunft tropft, für 128'000 Franken saniert werden.

Als Vorteile einer Sanierung statt eines Neubaus hob die Schulpflege nebst den geringeren Kosten von 1,8 Millionen die Möglichkeit hervor, diverse Nebenräume in der ehemaligen Militärunterkunft als Reserve für einen späteren Ausbau sowie die Wohnung nach der Sanierung behalten zu können, den geringeren Aufwand für den Rückbau sowie eine kürzere Bauzeit. Die Kosten einer der beiden Neubaulösungen (mit oder ohne Rückbau der Militäranlage) würden sich auf 1,9 beziehungsweise 2 Millionen Franken belaufen.

Die 58 Stimmberechtigten schwiegen zuerst zustimmend an der vorberatenden Schulversammlung, als Schulpflegepräsident Markus Keller rhetorisch fragte: «Wer ist noch der Meinung, man müsse nichts machen?» Doch gingen die Meinungen auseinander über die Varianten. So sprachen aus Sicht einiger Gegner einer Sanierung die Kubikmeterpreise, das Bauvolumen und Beispiele wie der neu gebaute Kindergarten Herblingen als «architektonisches Meisterwerk» für einen Neubau. Einer fragte sich, ob eine Militärunterkunft, die nicht dicht sei, am Leben erhalten werden soll.

Doch nach längerer Diskussion stimmten dann trotz zwei Gegenanträgen für Neubauvarianten 34 Stimmbürger in einer konsultativen Abstimmung für die Sanierung, die nun auch gemäss Fahrplan im Detail ausgearbeitet und am 23. September zur Urnenabstimmung vorgelegt werden kann. Während der Bauzeit ab Mitte 2019 sind für den Unterricht Container sowie alternative Räume der Schule nötig.

Zwei Rechnungen und zwei Abschiede

Eine schnelle Sache waren die traktandierten Geschäfte der Politischen Gemeinde und der Primarschule Trüllikon. Doch wies nur die Schule eine bessere Jahresrechnung als budgetiert vor mit einem Plus von 111'000 Franken statt einem Minus von 173'000 Franken, die Politische Gemeinde musste trotz höheren Steuereinnahmen ein Defizit von knapp 200'000 statt nur 154'800 Franken vorweisen – vor allem wegen Mehraufwänden im sozialen Bereich: dem Erwachsenenschutz, der Langzeitpflege und den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV.Ebenso unbestritten waren die Wiederwahl des Delegierten der Zürcher Planungsgruppe Weinland (ZPW), Bernhard Billing, sowie einige Anpassungen der Friedhofsverordnung. Die zukünftige Gemeindepräsidentin Claudia Gürtler verabschiedete ihren Vorgänger Thomas Gmür sowie Gemeinderat Stefan Leu nach je 16 Jahren in der Behörde.

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