«Bewegte Pfoten» macht den Hunden Beine

Autor
Alfred Wüger

Sabrina Jendt hat ihr Hobby zum Beruf gemacht hat: Sie bietet seit Januar 2018 einen professionellen Hundespazierservice an und hat dafür eine eigene Firma gegründet.

Sabrina Jendt mit Anouk (links) und Muffin auf einem ihrer professionellen Spaziergänge in der Nähe von Schlattingen. Bild: Alfred Wüger

Der Weg zur jetzigen Tätigkeit im Hundespazierservice verlief einerseits ­geradlinig, denn Sabrina Jendt bekam es früh mit schwierigen Hunden zu tun. «Meine Eltern hatten Tierheimhunde bei sich aufgenommen. Einer war ganz schwierig, wir kamen einfach nicht an ihn heran. Und am Schluss war er der verschmusteste, und alle konnten ihn streicheln.» Andererseits machte Sabrina Jendt einige berufliche Schlenker. Ursprünglich gelernt hat sie Elektrikerin, arbeitete als solche auf dem Bau, absolvierte dann die Handelsschule und arbeitete im Büro. Diesen Job verlor sie und fand danach so lange keinen neuen, dass sie schliesslich zur ­Sozialhilfeempfängerin wurde. «Und als solche bin ich auch nach Buch gekommen», sagt sie und lacht. «Der Liebe wegen.» Und dank ihrem Freund habe sie auch die FBA-Ausbildung machen können. Das ist die fachspezifische, berufsunabhängige Ausbildung für Betreuungspersonal in Tierheimen mit höchstens 19 Betreuungsplätzen. «Das dafür nötige Praktikum habe ich in Buch absolviert, bei Susanna Meister, die hier im «Haus Wau Wau» ein Hunde­sitting anbietet.»

Wenn Hundebesitzer keine Zeit haben

Es ist eben so, dass nicht alle, die einen Hund haben, auch über die nötige Zeit verfügen, mit diesem Familienmitglied immer spazieren zu gehen. Hier kommt nun Sabrina Jendt ins Spiel. An diesem Nachmittag ist sie unterwegs nach Schlattingen und holt dort zwei Hunde zum Spazieren ab, einen Rüden – «etwas schüchtern und nicht gut auf Männer zu sprechen», sagt sie lachend – und eine Hundedame.

Der Spaziergang führt an einem Bächlein und dem Waldrand entlang, Muffin, der Rüde, spielt im Wasser, und Anouk, die Dame, würde am liebsten Enten jagen. Aber das lässt Sabrina Jendt natürlich nicht zu. «Einmal wurde Anouk von einer Maus in die Nase gebissen, weil sie ihre Nase zu tief in ein Mausloch gesteckt hat.»

«Ich habe das grosse Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.»

Sabrina Jendt, Inhaberin «Bewegte Pfoten»

Die junge Frau läuft zügig. Dieser Spaziergang wird nur eine halbe Stunde dauern, andere sind länger. «Gegenwärtig habe ich sechs Kunden, das entspricht etwa zehn Hunden, denn einige haben zwei Tiere, und ab nächstem Monat betreue ich dann acht Kunden. Darunter sind auch solche, für die ich jeden Tag unterwegs bin.»

Das Geschäft wächst also. Und das ist ­natürlich ganz im Sinne von Sabrina Jendt, die sich keine andere Arbeit mehr vor­stellen könnte. «Ich habe das grosse Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.» Mit Hunden durch die Welt zu streifen ist am schönsten im Sonnenschein. Aber Sabrina Jendt muss natürlich bei ­jedem Wetter ausrücken, manchmal auch abends oder an den Wochenenden. «Es ist schon vorgekommen, dass ich an sieben Tagen pro Woche gearbeitet habe.» Der Besuch eines Fitnessstudios würde sich natürlich erübrigen, sagt die junge Frau, die auch privat zwei Hunde ihr Eigen nennt, mit ­diesen Agility und Zughundesport betreibt. Und sie reitet. Im Leben der Sabrina Jendt dreht sich also fast alles um Tiere. «Ich muss nicht reich werden, es muss einfach zum Leben reichen.»

Auf die Geschäftsidee sei sie während ihres Praktikums gekommen, sagt sie. ­«Immer wieder kamen Anfragen, gerade für ­ältere Hunde, die sich im Rudel nicht mehr behaupten können. Oder aber auch für ­unkastrierte Rüden. Die kann man, weil sie aggressiv werden, nicht einfach in ein ­Rudel integrieren.»

Um sich auch in Zukunft weiterzubilden – in Richtung Hundetrainer –, legt sie zurzeit Geld auf die Seite. «Ich will den Horizont erweitern und bin wissensdurstig», sagt Sabrina Jendt.

Ein Flair für Hunde ist für ihre Tätigkeit unabdingbar. Jedes Tier muss sie beobachten, es kennenlernen. «Bevor ich einen Hund frei laufen lassen kann, muss ich zu 100 Prozent sicher sein, dass er wieder ­zurückkommt, wenn ich ihn rufe. Ich bin der Chef.»

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