«Auf Erfolg können wir nur hoffen»

Autor
Darina Schweizer

Die «Zwingli»-Produzentin Anne Walser wagt noch keine Prognose über den finanziellen Erfolg ihres Filmes. Die nächsten Wochen sind entscheidend.

Eine Filmszene aus dem Zwingli-Film.

An der Pressevorführung am 4. Dezember (die SN berichteten) und weiteren Vorpremieren wurde der «Zwingli»-Film bereits ausgewählten Personen gezeigt. Die Begeisterung war gross: Nach vier von fünf Vorstellungen gab es Standing Ovations. Es wurden aber auch kritische Stimmen in Medien wie «Weltwoche» oder NZZ laut. Was für die Macher zählt, ist letztlich, wie «Zwingli» bei der breiten Masse ankommt. Dies wird sich nach der heutigen Vorpremiere in Stein am Rhein und der schweizweiten Erstaufführung am 17. Januar zeigen. Produzentin Anne Walser von der C-Films AG ist positiv eingestellt.

400 Dankesmails sind nach der Welt­premiere am 9. Januar bei ihr eingegangen. «Ich habe Hühnerhaut gekriegt», sagt sie. «Die Rückmeldungen waren sehr berührend.» Es ist herauszuhören: Das Filmprojekt, an dem die Produzentin fast fünf Jahre arbeitete, geht ihr besonders nah. «Ja», meint sie, «ich darf sagen, dass ‹Zwingli› momentan mein Lieblingsbaby ist.» Auch wenn es sich zeitweise auch als «Problemkind» herausstellte.

Stein am Rhein rettete «Zwingli»

Mit Gesamtkosten von 5,8 Millionen Franken galt es für Walser, einen der teuersten Schweizer Filme zu finanzieren. Auf finanzielle Unterstützung aus dem Ausland konnte sie nur bedingt zählen, da es «ein spezifisches Schweizerthema» sei, sagt sie. Dafür haben «Zwingli» viele private Unterstützer und insgesamt 40 Kirchgemeinden unter die Arme gegriffen. Stein am Rhein spielte eine zentrale Rolle. «Das Kloster St. Georgen als Drehort hat die Produktion letztlich gerettet», so die Produzentin. Hätte der Drehort nebst aufwendigen Kulissen und Kostümen ebenfalls von Grund auf nachgebaut werden müssen, hätte dies wohl «Zwinglis» finanzielles Ende bedeutet. Aber auch die Schauspieler und das Team selbst kamen der Produktionsfirma entgegen.

Team verzichtete auf Teil der Gage

Als die Schwierigkeiten der Finanzierung immer deutlicher wurden, wurde dies den Darstellern und Mitarbeitern kommuniziert. «Das gesamte Team hat auf einen Teil seiner Gage verzichtet», sagt Walser sichtlich gerührt. Natürlich versuche man immer, die Leute fair zu entlöhnen, fügt sie an, wenn dies aber einmal nicht gehe, suche man das Gespräch mit ihnen und umsorge sie dafür beim Dreh bestmöglich.

Das wurde beim «Zwingli»-Dreh getan. Bei den Minustemperaturen letzten Februar konnte es schnell ungemütlich werden. Heisse Getränke und Speisen, aber auch Wärmesocken wurden verteilt. Ob sich der Mammutsaufwand gelohnt hat? «Für uns persönlich auf jeden Fall», sagt Walser. «Wir vertreten den Grundsatz, dass die Schweiz geschichtliche Filme braucht, um die Gegenwart zu verstehen. Dafür nehmen wir auch einmal ein finanzielles Risiko auf uns.» Wagt die Produzentin schon eine Prognose darüber, ob «Zwingli» zu einem der erfolgreichsten Schweizer Filme werden könnte? Mit wie vielen Kinobesuchern rechnet sie?

Filmverleih von Erfolg überzeugt

«Dazu möchte ich mich nicht äussern. Das bringt Unglück», sagt sie lachend. «Ich kann nur auf möglichst viele Kinogänger hoffen.» Die Kinolandschaft einzuschätzen und zu verstehen, ist schwierig, zu viele nicht beeinflussbare Faktoren spielen eine Rolle. Dass der Durchschnittsschweizer nur noch ein- bis zweimal jährlich ins Kino geht, macht es nicht einfacher für Produzenten wie Walser. «Hoffen wir, bei einem der zwei Kinobesuche ist ‹Zwingli› mit dabei», sagt sie. Seitens Filmverleih gibt es schon konkretere Worte: Dieser glaubt jetzt schon an den kommerziellen ­Erfolg von «Zwingli».

Um möglichst viele Zuschauer ins Kino zu locken, wurde in den letzten zwei Monaten kräftig die Werbetrommel gerührt. Zahlreiche Teaser und Trailer wurden gezeigt, «aber auch alle Leute, die den Film unterstützten, haben als Multiplikatoren gedient», sagt Walser. Die Zürcher Kantonalbank als «Zwingli»-Partner bot ihren Kunden Kino-Vergünstigungen an und wird die Zürcher Bahnhofstrasse mit ­Plakaten in die Zwingli-Zeit zurückversetzen. «Wir haben alles Mögliche getan, um die Leute auf den Film ‹ufezlupfe›», sagt Walser.

Auch die jungen Leute sollen angesprochen werden: Mit der PH Luzern hat die C-Films AG für die erste und zweite Sekundarstufe erst ­gerade Unterrichtsmaterialien zum Film ent­wickelt. Walser wird mit den Darstellern auch persönlich Schulklassen besuchen. «Viele junge Leute vergessen, wie wichtig es ist, selbstverantwortlich zu denken und Dinge verstehen zu wollen. Es wäre schön, wenn sie Zwinglis Appell folgen und in Zukunft mehr Gebrauch machen würden», so Walser.

Verfilmen von Katharina von Zimmern?

Bereits im Februar ist die Produzentin der C-Films AG mit dem Dreh ihres nächsten geschichtlichen Schweizer Filmes, «Platzspitzbaby», beschäftigt. Dann wird sich auch in etwa herauskristallisieren, ob «Zwingli» zum Kinohit werden könnte. «Die Besucherzahlen der ersten zwei Wochen sind entscheidend», sagt Walser.

Dass aus «Zwingli» Folgeprojekte entstehen könnten, ist möglich. Walser liebäugelt bereits mit dem Gedanken, das Leben von Katharina von Zimmern, der Äbtissin aus «Zwingli», zu verfilmen. Zuerst freut sie sich aber auf die heutige «Zwingli»-Vorpremiere in Stein am Rhein. «Es ist etwas vom Schönsten, dort zu feiern, wo alles stattfand», so Walser.

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