«Dieses Projekt war ein Marathon»

Lisa Merz | 
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Mike Neuenschwander, Freitag, 06.03.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachrichten)
«In einer Altstadt zu bauen, ist nicht ganz einfach», sagt Architekt Mike Neuenschwander. Bild: Roger Hofstetter.

Ein Neubau mitten in der Altstadt. Wie Architekt Michael Neuenschwander mit seinem Team diese Herausforderung meisterte, und warum das Haus Eckstein noch steht.

Michael Neuenschwander, was macht den Bau eines Stadthauses so speziell?

Michael Neuenschwander: In erster Linie ist es ein öffentliches Gebäude, bei dem sehr viele Akteure involviert sind. Es geht um Politik, um die Bevölkerung und gesetzliche Vorgaben, die eingehalten werden müssen. Hinzu kommen der historische Hintergrund des ganzen Areals und die Einbettung in die Umgebung. In einer Altstadt zu bauen, ist nicht ganz einfach. Hier wird gelebt, und es gibt Aktivitäten wie den wöchentlichen Markt, der zum Alltag der Schaffhauser Bevölkerung gehört. Wenn auf einmal Bagger auffahren oder ganze Strassen aufgerissen werden, ist das ein Stressfaktor.

Und für das Bauen besonders schwierig?

Neuenschwander: Es ist eine Herausforderung. Vor allem, wenn ein Projekt so lange dauert. Ich war seit dem Beginn im Jahr 2017 involviert und wusste, dass das kein Sprint, sondern ein Marathon wird. Man muss sich gut vor­bereiten, zu Beginn ein gewisses Tempo halten, dann gibt es einen kleinen Einbruch, und am Schluss fliegt man nur noch so dahin.

Was meinen Sie mit Einbruch?

Neuenschwander: Wir wussten von Anfang an, dass es eine archäologische Ausgrabung braucht, weil auf dem Gelände dereinst eine Kirche mit Gräbern und ein Kloster gestanden hatten. Das sorgte für einen längeren Unterbruch mitten in der Bauphase.

Michael Neuenschwander

Der diplomierte Architekt FH ist Partner der Co.Architekten in Bern. Er begleitete das Projekt von Beginn an und verbrachte während dieser acht Jahre einige Zeit in Schaffhausen. Das neue Stadthaus ist für ihn auch ein architektonisches Zeitzeugnis.

Haben die Funde ihre Pläne durchkreuzt?

Neuenschwander: Nein, weil die Ausgrabungen vorhersehbar und wichtig waren. Ein paar Dinge, wie zum Beispiel die Pläne für die Mauern im Untergrund, mussten wir anpassen. Wir waren übrigens nicht die Ersten, schon bei früheren Erweiterungen wurde auf die ganz alten Strukturen eingegangen. So wird mit jedem zusätzlichen Gebäude des Stadthausgevierts etwas Neues geschaffen, das auf Bewährtem aufbaut. 

Sie sprechen vom Stadthaus und vom Haus Eckstein. Beide Gebäude wurden saniert und dafür mit einem Neubau verbunden. Warum?

Neuenschwander: Weil wir ein Zeitzeugnis schaffen wollten, und wir finden, dass man Gutes stehen lassen sollte. Wir haben auch überlegt, das Eckstein-Haus abzureissen und eine Art Kirchenschiff zu bauen. Aber wir merkten schnell, dass das keine angemessene historische Antwort ist. Ich finde den Gedanken schön, dass wir künftigen Archäologinnen und Archäologen die Arbeit erleichtern, indem wir etwas schaffen, das klar in unsere Zeit passt.

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