Mein liebster Platz

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Lernende Alessia D`Ottaviano im Pausenraum des Stadhausgeviert, fotografiert am Mittwoch, 18. M￯﾿テ￯ᄒᄂrz 2026, in Schaffhausen. (Roberta Fele / Schaffhaus
«Manchmal spielen wir hier im Pausenraum auch Uno», sagt KV-Lernende Alessia D’Ottaviano. Bild: Roberta Fele.

Ob Pausenraum, Empfangshalle oder Kellergewölbe – fünf Personen erzählen, welche Orte ihnen im Stadthausgeviert besonders gefallen.

von Vincent Fluck und Lisa Merz

Alessia D’Ottaviano  (15) Lernende KV

Im Sommer 2025 habe ich meine KV-Lehre bei der Stadtverwaltung begonnen und konnte gleich im neuen Gebäude starten. Ich finde es sehr schön hier, weil es grosszügig ist und man immer anderen Personen begegnet. Auch die Einrichtung mit den Pflanzen gefällt mir, hier fühlt man sich wohl. Momentan arbeite ich im Baureferat. Ich unterstütze den Stab und die Baureferentin bei den Stadtratsgeschäften und im Tagesgeschäft, mache zum Beispiel die Posteingänge und leite diese den verschiedenen Abteilungen weiter.

Mir gefällt es auch, dass Leute im Team mit Aufgaben auf mich zukommen und ich diese dann lösen kann. Ich beginne um 7.30 Uhr, gehe zum Zmittag nach Hause, und zwischen 17 und 18 Uhr ist Feierabend. Da sind Pausen wichtig. Einer meiner liebsten Orte im Gebäude, wenn ich nicht am Bürotisch bin, ist der Pausenraum im ersten Stock. Dort treffe ich mich um 9.30 Uhr mit den anderen Lernenden. Wir sitzen immer am gleichen Platz, auf der geschwungenen Couch. Die mobilen Tischchen sind auch praktisch, die brauchen wir manchmal, um Uno zu spielen und einfach um zu entspannen.

Meistens trinke ich einen Latte Macchiato oder einen Früchtetee. Ich mag beides. Dieser Ort ist lebendig, und man kommt immer wieder mit anderen Personen ins Gespräch. Mittlerweile kenne ich schon einige, aber bis ich alle mit Namen weiss, braucht es wohl noch ein paar Pausen.

Lukas Wallimann, Denkmalpflege, Restaurant Klosterhalle (Zwillingsb￯﾿テ￯ᄒᄊgen), Donnerstag, 02.04.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhaus
Lukas Wallimann, Bauberater Denkmalpflege, vor einem der beiden Biforenfenster im Restaurant Klosterhalle. Bild: Roger Hofstetter.

Lukas Wallimann (38) Bauberater Denkmalpflege

Das ganze Stadthausgeviert ist mein Lieblingsort. Besonders gefällt mir aber der mittelalterliche Kern. Und da möchte ich die zwei Biforenfenster im Restaurant Klosterhalle erwähnen, die Zwillingsfenster im gotischen Stil. Sie sind sehr überraschend zum Vorschein gekommen, und das ist als Denkmalpfleger natürlich immer eine grosse Freude.

Zu erwähnen sind dabei die Fensterleibungen, das gotische Masswerk und die Originalverputze, die aus dem Mittelalter stammen. Es war zu erwarten, dass viel mittelalterliche Sub­stanz vorhanden ist, aber dass gerade dort etwas zum Vorschein kommt, hat niemand erwartet. Die Funktion dieses Fensters können wir nicht ganz einordnen. Wir befinden uns ja im Trakt, wo die Konventbauten des Barfüsserklosters waren, wo die Mönche also ihren Alltag verbrachten und schliefen. Diese Fenster würde man eher einem kirchlich genutzten Bereich zuordnen.

Mein Lieblingsort ist das Fenster deshalb, weil es da besonders gut gelungen ist, sauber zu dokumentieren, zu restaurieren und zu integrieren. Heute ist es für den Pächter ein Blickfang, der den Charakter des Restaurants ausmacht. Das ist das, was in diesem Gebäude nicht austauschbar ist. Das ist für mich schön, weil es eine Win-win-Situation ist.

Magazin Stadthausgeviert, Nancy Sch￯﾿テ￯ᄒᄐnemann, Freitag, 06.03.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhaus
Sie ist die erste Anlaufstelle für alle Besucherinnen und Besucher im neuen Stadthaus: Nancy Schünemann an ihrem Arbeitsplatz in der Empfangshalle. Bild: Roger Hofstetter.

Nancy Schünemann (46) Empfangsmitarbeiterin

Reaktionen auf das neue Stadthaus gibt es von den Kundinnen und Kunden nicht mehr so viele wie zu Beginn. Viele kommen einfach rein und staunen. Auch mir gefällt das Gebäude sehr. Der Empfangsschalter ist mein Lieblingsort im Stadthausgeviert. Hier fühle ich mich am wohlsten, in meiner Komfortzone, denn hier habe ich viele schöne Begegnungen – nicht nur mit den Kundinnen und Kunden, sondern auch mit den Mitarbeitenden im Haus. 

Als Mitarbeiterinnen des Infoschalters sind wir die erste Anlaufstelle im Stadthaus. Hier ist der Dienstleistungsgedanke sehr wichtig. Seit meinem 16. Lebensjahr arbeite ich in diesem Sektor und lebe das auch. Teilweise sind wir für die Steuerverwaltung tätig und können dadurch bereits viele Fragen am Schalter beantworten. Bei uns erhält man auch den Stadtwein, die SBB-Gemeindetageskarten und Kehrichtsäcke.

Wir haben oftmals Kundinnen und Kunden mit Fragen, die nicht die Anlaufstellen im Stadthaus betreffen, das kann zum Beispiel den Erwerb der KulturLegi betreffen, die Suche nach einer bestimmten Strasse in Schaffhausen oder auch touristische Auskünfte. Wir versuchen dann, wenn immer möglich, sie mit etwas Recherche zu unterstützen. 

In Action: Kantonsarchäologin Katharina Schäppi freut sich ab dem Fund von Kellermauern, die noch vor dem Jahr 1250 gebaut wurden. Bild: zvg.

Katharina Schäppi (48) Kantonsarchäologin

Ich arbeite zwar nicht im neuen Stadthaus, war aber vor und während des Neubaus viel vor Ort. Bei einem solchen Bauvorhaben, wo man weiss, dass archäologische Funde zum Vorschein kommen werden, sind wir von der Kantonsarchäologie von Anfang an dabei. Beim neuen Stadthaus dauerten die Grabungen mit Unterbrüchen etwa fünf Jahre, und es war speziell, weil wir den Boden und auch die Bausubstanz untersuchen konnten.

Und es hat sich gelohnt. Dort, wo heute das neue Stadthaus steht, zwischen dem historischen Stadthaus und dem Haus Eckstein, war früher die Kirche des Barfüsserklosters. Darin fanden wir Gräber. Da sie im Kircheninnern waren, mussten die Personen bessergestellte Leute sein.  Auch die Art und Weise, wie sie begraben worden waren, war eine Überraschung. Sie waren teilweise mit Kalk bedeckt worden, wahrscheinlich, um den Geruch einzudämmen. Mit der Zeit härtete dieser komplett aus und wurde zu einem Negativ, das sehr detailliert Körper und sogar Textilien abzeichnete. Das ist schon sehr speziell, weil man etwas über die Kleidung der Leute im Mittelalter sagen kann. 

Auch der ehemalige Kreuzgang des Barfüsserklosters ist ein historisch wichtiger Ort. Im Boden sind Mauern gefunden worden, die sogar älter waren als das Kloster, das 1250 gebaut wurde. Dieser Keller eines Wohnhauses war als archäologischer Fund sehr spannend und ist deshalb auch mein liebster Ort. Einfach weil wir so nochmals eine Zeitspanne tiefer gehen konnten. Das ganze Wissen, das wir während den Grabungen gewonnen haben, wird nun ausgewertet und die Funde werden untersucht. Auch das gehört zum Archäologie-Job, die nachträgliche Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse.

Magazin Stadthausgeviert, Yvonne Waldvogel (Stadtschreiberin), Freitag, 06.03.2026, Schaffhausen (Roger Hofstetter/Schaffhauser Nachrichten)
Stadtschreiberin Yvonne Waldvogel sucht sich jeden Tag einen anderen Arbeitsplatz aus: «Das gefällt mir viel besser als mein früheres Einzelbüro.» Bild: Roger Hofstetter.

Yvonne Waldvogel (43) Stadtschreiberin

Jeden Morgen fahre ich mit dem Velo zur Arbeit, das geht einfach am schnellsten und lüftet gleichzeitig den Kopf. Ich arbeite seit sieben Jahren als Stadtschreiberin bei der Stadt Schaffhausen. Seit wir im neuen Gebäude sind, mache ich das sogar noch lieber als vorher. Früher hatte ich zwar ein wunderschönes Einzelbüro, fühlte mich aber auch etwas einsam. Jetzt, wo wir keine fixen Arbeitsplätze mehr haben, sind alle näher beisammen.

Mit den neuen Teamzonen sehe ich meine Kolleginnen und Kollegen häufiger, und es gibt auch einen regen Austausch.  Ich schaue jeden Morgen zuerst einmal auf unser selbst gestaltetes Dashboard. Darauf sind alle Räume und Personen abgebildet, und man sieht, wer gerade wo am Arbeiten ist. Das erleichtert den Tag ungemein – auch für unseren Stadtpräsidenten, der jetzt viel schneller sieht, wer hier ist und wo man die Person findet.

Einen fixen Lieblingsplatz habe ich nicht, ich variiere da sehr. Manchmal brauche ich viel Ruhe, dann suche ich mir einen kleineren Raum aus. Und für manche Aufgaben ist viel Austausch nötig, auch ein Schwatz tut zwischendurch gut.

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