«Wir beleben die Altstadt»

Lisa Merz | 
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Katrin Bernath, Baureferentin der Stadt Schaffhausen, schätzt es, dass der Neubau zur Belebung der Altstadt beiträgt. Bild: Philip Böni

Verdichtung, zentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung, ökologische Baumaterialien und Hindernisfreiheit: Baureferentin Katrin Bernath erzählt von den Anforderungen ans neue Stadthaus.

Eines ihrer persönlichen Highlights ist die Fassade beim Neubau. Die Gestaltung von Yves Netzhammer gefällt Stadträtin Katrin Bernath, weil das Werk sehr gut in die Altstadt passe. Und weil es Alt und Neu so gut verbinde; das ist es, was für die Baureferentin das neue Stadthausgeviert ausmacht. Nun kürzere Wege zu haben und damit innerhalb der verschiedenen Abteilungen der Stadt noch besser zusammenarbeiten zu können, sei auch ein grosser Vorteil. Man trete als Stadt nun sichtlich gemeinsam auf. Seit 2017 war Katrin Bernath in das Grossprojekt involviert. Umso grösser sind die Freude und der Stolz jetzt, da es vollendet ist.

Katrin Bernath, was bedeutet das neue Stadthaus für Sie?

Katrin Bernath: Ich freue mich über den Mehrwert für die Bevölkerung und die Mitarbeitenden. Wir sind stolz auf unser neues Stadthaus, und wenn die Schaffhauserinnen und Schaffhauser hier hereinkommen, sieht man, sie sind es auch. Es ist schön, dass wir mitten in der Stadt eine Verbindung von den alten zum neuen Gebäude schaffen konnten. Der Charakter der alten Gebäude wurde wieder sichtbar gemacht, aber für die neuen Nutzungen modernisiert. Und der strategische Entscheid, mit der Verwaltung in der Stadt zu bleiben, ist ein deutliches Zeichen und trägt zur Belebung der Innenstadt bei.

Erfüllt die Stadt mit solchen Projekten in Sachen Bau eine Vorbildfunktion?

Bernath: Mehrere. Einmal sorgsam mit dem Bestand in der historischen Altstadt umzugehen und dennoch aufzuzeigen, wie man diesen weiterentwickeln und mehr Nutzung ermöglichen kann. Der Bau ist ein gutes Beispiel für Innenentwicklung und Verdichtung unter Berücksichtigung der Vorgaben von Brandschutz und Hindernisfreiheit. Ausserdem wurden, wie für alle städtischen Gebäude in unseren Richtlinien Energie und Bauökologie vorgegeben, ökologische Baumate­rialien verwendet.

Zur Person

Katrin Bernath ist seit 2017 Baureferentin der Stadt Schaffhausen. Als die GLP-Politikerin das Amt übernahm, gab es die Strategie für das Stadthausgeviert zwar schon. Aber die konkrete Planung begann erst als sie im Amt war. Die 53-Jährige lebt selbst in der Altstadt von Schaffhausen.

Nicht zu vergessen das Thema Energie.

Bernath: Es wurde so gebaut, dass im Betrieb möglichst wenig Energie verbraucht wird. Und im Keller in einem Gewölbe wurde die Zentrale des Wärmeverbunds untergebracht. Der Verbund versorgt das Stadthausgeviert und weitere Gebäude. Er funktioniert mit Grundwasser, das beim Walther-Bringolf-Platz entnommen und bei der Ecke Krummgasse/Stadthausgasse wieder zurückgegeben wird.

Was war die grösste Herausforderung in der Bauzeit?

Bernath: Es gab mehrere Baustellen parallel: das Stadthaus, den Nordteil des Stadthausgevierts, die Sanierung von Werkleitungen und den Wärmeverbund. Das war eine Herausforderung für alle, auch für die Anwohnerschaft und die Geschäfte. Aber es haben alle am Bau Beteiligten zusammengewirkt, um die Arbeiten zu koordinieren; die Projektleitungen, die Architekten und das Handwerk. Was alle, insbesondere auch die Handwerkerinnen und Handwerker, geleistet haben, beeindruckt mich sehr.

Die Stadt bekam ausserdem noch Aufträge vom Parlament.

Bernath: Ja, und die Umsetzung der Aufträge zeigt die Herausforderung des Bauens in der Altstadt. Erstens wurden mehr Nutzungen im neuen Stadthaus untergebracht, als es die Machbarkeitsstudie vorgesehen hatte. Ausserdem wurde das Dach beim Eckstein angepasst. In der ursprünglichen Variante hätte es von unten ausgesehen wie ein Flachdach, und das Parlament befand, dass das nicht in die Altstadt passe. Wie bereits vor der Volksabstimmung geplant, wurde das Gebäude um zwei Stockwerke erhöht, aber das Dach angepasst. Dazu wurden mehrere Varianten geprüft und intensiv diskutiert.

Gab es in den alten Gemäuern Überraschungen?

Bernath: Die Archäologie hatte eineinhalb Jahre Grabungszeit und hat den Bauprozess insgesamt fünf Jahre begleitet. Spannende Erkenntnisse zeigten sich im Bereich des alten Kreuzgangs und der ehemaligen Kirche, wo auch Gräber gefunden wurden. Man konnte auch nachvollziehen, dass Teile des Klosters immer wieder umgebaut und die Steine von abgebrochenen Gebäuden für Bauten an einem anderen Ort genutzt wurden. «Re-use» war damals normal. Die Funde werden ausgewertet, und anschliessend sollen diese 1000 Jahre Stadtgeschichte, die hervorgeholt wurden, für die Bevölkerung erlebbar gemacht werden.

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