Mitglieder sprangen ab: «Arcona Living» macht Wellnesszone dicht

Autor
Zeno Geisseler

Von Anfang an hatte der Asia Spa im «Arcona Living» Mühe. Jetzt geht der Saunaofen aus. Das grösste Hotel der Stadt selbst hält sich knapp.

«Das rasche Wachstum im derzeit harten Wettbewerbsumfeld hat mehr liquide Mittel gebunden, als zeitgleich beschafft werden konnten.»

1200 Quadratmeter gross ist der Asia Spa im Hotel Arcona Living hinter dem Schaffhauser Bahnhof. Es gibt einen Fitnessbereich mit teuren Technogym-Geräten, einen Hamam, einen Spa und eine Sauna. Alles also, was müde Hotelgäste und fitte Schaffhauser sich wünschen können. Trotzdem ist die Rechnung nicht aufgegangen: Gut vier Jahre nach der Eröffnung geht der Saunaofen aus. Der Betrieb wird eingestellt. Alle Mitglieder des Spa haben einen entsprechenden Brief erhalten.

«Die wirtschaftliche Entwicklung war für uns trotz aller Bemühungen nicht ausreichend erfolgreich», sagt Ulf Naumann, Geschäftsführer des «Arcona Living». «Wir haben uns entschieden, uns auf unsere Kernkompetenz Hotel zu konzentrieren.»

Die Schliessung erfolgt in Raten. Bereits per Ende Februar geht der Wellnessbereich zu. Der Fitnessbereich bleibt bis Ende Juni geöffnet, aber ab Ende Februar nur noch im Self-Service-Betrieb. Es werden also keine Mitarbeitenden mehr anwesend sein.

Mitglieder erhalten für die Zeit bis Ende Juni die Hälfte ihres bezahlten Beitrags zurück. Mitgliedschaften, die darüber hinausgehen, werden zum Restwert zurückerstattet.

Harziger Start

Der Spa hatte es von Anfang an nicht leicht. Schon kurz nach der Eröffnung des neuen Hotels im Oktober 2014 sprach der damalige Hoteldirektor von einem «harzigen Start». Die Anlage wurde damals noch von einer externen Firma geleitet. Diese sah sich dazu gezwungen, die Eintrittspreise zu senken, wie die SN Ende 2016 berichteten.

Wenige Wochen später, per 1. Februar 2017, übernahm das «Arcona Living» dann den Spa als Pächter direkt. Laut Naumann übernahm «Arcona» damals auch alle Mitarbeitenden. Und das waren einige: Im Beitrag in den SN von Ende 2016 war die Rede davon, dass im Spa 30 Personen arbeiteten: ein Chef, sechs Leute an der Rezeption, zehn Masseure, drei Fitnesstrainer und zehn Saunamitarbeitende. Sie sollten für bis zu 120 Gäste gleichzeitig sorgen können.

Von einer solchen Vollbesetzung kann aber schon länger nicht mehr die Rede sein. Vom Personal waren bis zum Schluss nur noch wenige verblieben. Laut Naumann betrifft die jetzige Schliessung gerade noch zwei Vollzeitstellen sowie drei Aushilfen. Momentan werde geprüft, ob den Betroffenen eine andere Stelle im Hotel angeboten werden könne.

Ein Drittel der Mitglieder weg

Zu schaffen machte dem Spa laut Naumann ein deutlicher Verlust an Mitgliedern. Um rund ein Drittel sei deren Zahl nach der Übernahme zurückgegangen, wobei er keine absoluten Werte nennt.

Gleichzeitig sei zwar die Zahl der Hotelgäste im Asia Spa permanent gestiegen, und es seien auch mehr Tagesgäste gekommen. Doch dies habe nicht ausgereicht, um den Mitgliederschwund zu kompensieren. Verschärft worden sei die Situation, weil der Markt in Schaffhausen nur wenig wachse und sich auch das Angebot an neuen Mitbewerbern verdoppelt habe.

Dass der Asia Spa für Schaffhauser Verhältnisse zu teuer gewesen sei, glaubt Naumann nicht. «Unser Preis-Leistungs-Verhältnis war in allen Betriebsjahren ausgewogen», sagt er. Zudem seien die Preise zu vielen Zeitpunkten reduziert gewesen. Im Übrigen müsse man berücksichtigen, dass der Asia Spa top ausgestattet sei, und für ein solches Premiumprodukt sei auch ein höherer Preis gerechtfertigt.

«Leider ist die Nachfrage nach vergleichbaren Produkten in Schaffhausen gering.»

Urban Henzirohs, Mediensprecher von AXA

Laut Website kostete die Jahresmitgliedschaft mit unbegrenztem Zutritt zu allen Öffnungszeiten 1350 Franken. Zum Vergleich: Ein Jahresabo für den Wellness-, Wasser- und Eispark der KSS auf der Breite kostet 930 Franken, das Eurofit verlangt für das Abo 900 Franken, im M-Fit Schaffhausen sind es 790 Franken. Der wesentlich kleinere Wellnessbereich des Hotels Kronenhof in der Schaffhauser Altstadt wiederum kostet 200 Franken für elf Eintritte. Natürlich sind die Angebote nicht eins zu eins vergleichbar. Das M-Fit etwa ist ein reines Fitnesszentrum ohne Sauna oder Hamam.

AXA: Alternativen werden geprüft

Besitzerin des Asia Spa – und des ganzen Urbahn-Areals – ist die Versicherung AXA. «Wir bedauern die Schliessung des Asia Spa», sagt AXA-Mediensprecher Urban Henzirohs. «Gemeinsam mit dem Hotel haben wir nach ökonomischen Lösungen gesucht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.»

Wie es weitergehen wird, ist noch offen. «Wir sind daran, eine Nachfolgelösung zu suchen, leider ist die Nachfrage nach vergleichbaren Produkten in Schaffhausen gering», sagt Henzirohs. «Wir werden voraussichtlich auch Alternativlösungen prüfen.»

«Hotel bleibt»

Im Zusammenhang mit der Schliessung des Spa sind Stimmen zu hören, wonach sich auch die Arcona-Living-Gruppe aus Schaffhausen zurückziehen will. Das aber weist Naumann zurück: «Diese Aussage höre ich zum ersten Mal, und als Geschäftsführer des Betriebes kann ich sie verneinen. Selbst Ideen, Überlegungen oder Ansätze in dieser Richtung sind uns absolut fremd.»

Auch bei der AXA habe man von solchen Absichten nichts gehört, sagt Sprecher Henzirohs. «Uns ist nicht bekannt, dass die Arcona-Gruppe in Erwägung zieht, den Hotelbetrieb einzustellen. Das Hotel performt gemäss Erwartung und Wirtschaft. Die Gästezahlen in Schaffhausen entwickeln sich positiv.» AXA habe einen langfristigen Vertrag mit «Arcona» abgeschlossen.

«Arcona»-Manager Naumann sagt, das Hotel erreiche knapp den erwarteten Belegungsstand und die entsprechende Rate. Im touristischen Bereich gebe es ein deutliches Wachstum, und auch bei den Geschäftsreisen sei die Entwicklung gut. Sorge bereite hingegen der sogenannte M.I.C.E.-Bereich, also das Geschäft mit Tagungen und Kongressen. Hier gehe man von einem höheren Bedarf aus.

Noch nichts zu sehen von der Schliessung ist auf der Website des Spa. Dort wird noch stets für Abonnements geworben. Naumann entschuldigt sich dafür und verspricht, die Seite so bald wie möglich aktualisieren zu lassen. Bereits berücksichtigt ist die Schliessung aber auf der Buchungswebsite des Hotels: Zimmerpakete, die auch einen Spa-Eintritt einschliessen, sind nur noch bis Ende Februar buchbar.

Die Anlage in Schaffhausen ist nicht der erste Asia Spa, der schliessen muss. Bereits 2016 kam das Ende für den Asia Spa in der Zürcher Sihlcity. Heute ist dort ein Fitnesspark der Migros untergebracht.

In Schaffhausen wiederum hat diese Woche die US-Kette Hilton angekündigt, ebenfalls ein grosses Hotel zu eröffnen. Das Geschäft wird also nicht einfacher.

Medical Wellness als Chance für die Kantone

Hamam, Sauna und Laufbänder sind nur die eine Seite des Wellnesstrends. Die andere Seite ist der Gesundheitstourismus, also die Verbindung von Reisen und medizinischen Behandlungen. Neu ist dieser Trend zwar nicht, man denke an die Tuberkulosekliniken von Davos, aber in den letzten Jahren hat sich die Entwicklung stark akzentuiert. So hat etwa der Kanton Graubünden den Gesundheitstourismus als einen seiner Schwerpunkte der Regierungstätigkeiten festgelegt. Angebote im Akut-, Reha-, Bäder- und Psychiatriebereich sollen gefördert werden.

Auch andere Kantone setzen auf Reisende mit medizinischen Bedürfnissen. Wie die NZZ berichtet hat, gibt es im Kanton Luzern eine Zusammenarbeit zwischen Kantonsspital, Privatkliniken und mehreren Hotels. Medizintouristen werden ab Flughafen von A bis Z betreut.

Das mit Abstand grösste derartige Projekt liegt aber im Kanton Nidwalden: Auf dem Bürgenstock hat die katarische Herrscherfamilie über eine halbe Milliarde Franken in eine riesige Anlage samt Wellness- und ­Reha-Hotel investiert. Die Anlage steht nicht nur reichen Ausländern offen: Auch Allgemeinversicherte sind willkommen – die Rehaklinik auf dem Bürgenstock steht sogar auf der Nidwaldner Spitalliste. Auf jener Schaffhausens allerdings nicht. (zge)

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