In diesen Gebieten sind Hochhäuser möglich

Autor
Daniel Jung

Die Stadt hat Potenzial für bis 15'000 zusätzliche Einwohner. Zudem hat der Stadtrat eine Wegleitung für das Bauen von Hochhäusern veröffentlicht und dafür geeignete Gebiete festgelegt.

Per 31. Dezember 2018 zählte die Stadt Schaffhausen 36'617 Einwohnerinnen und Einwohner. Im letzten Jahr waren 274 ­Personen dazugekommen, was einer Zunahme von 0,75 Prozent entspricht. In den Vorjahren war die Stadt weniger stark gewachsen.

Die Stadt Schaffhausen hätte Potenzial für insgesamt rund 50'000 Bewohner. Das geht aus dem Richtplan Siedlung hervor, den die Stadtplanung in den letzten Jahren erarbeitet und 2017 mit einer Ausstellung als Entwurf vorgestellt hat. Nun hat der Stadtrat die definitive Version – ein 94-seitiges Dokument mit reichem Kartenmaterial – verabschiedet. Der Richtplan Siedlung zeigt auf, wie zusätzlicher Raum zum Wohnen und Arbeiten geschaffen werden kann. Gleichzeitig sollen dabei die Stärken der Stadt gewahrt werden.

Gemäss Stadtplanung könnte mit den heutigen Regeln für das Bauen in der Stadt Wohnraum für rund 40'000 Personen geschaffen werden, wenn die Eigentümer alle Baureserven ausnützen. Mit den Massnahmen im Richtplan Siedlung soll sodann die Marke der rund 50'000 Personen möglich werden. Die Stadtplanung sieht also Potenzial für 12^'000 bis 15'000 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner. «Mit den im Richtplan aufgezeigten Stossrichtungen können die heutigen Bauzonen besser ausgenutzt werden», sagt Baureferentin Katrin Bernath. Wichtig sei dabei aber, dass diese Verdichtung nicht flächendeckend stattfinde, sondern auf die gewachsene Struktur Rücksicht nehme.

«Es werden nicht von heute auf morgen überall Hochhäuser stehen.»

Katrin Bernath, Baureferentin Stadt Schaffhausen

Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Transformationsgebiete, wie beispielsweise Ebnat West, die in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern entwickelt werden. Insgesamt hat die Stadt elf solcher Gebiete bezeichnet. Neben Ebnat West gehören dazu das Birch, der Bereich Hochstrasse Nord, das Mühlental, die vordere Breite, das Industrie- und Wohnquartier Mühlenen, der Güterbahnhof, die Schweizersbildstrasse, das Herblingertal, Gruben und das Rheinufer beim Gaswerk.

Neben zusätzlichem Wohnraum sind auch Arbeitsplätze ein Thema im Richtplan. Über das gesamte Stadtgebiet wird ein Potenzial für 3000 bis 10'000 zusätzliche Beschäftigte ausgewiesen.

Wichtige Freiräume

Das Thema der Freiräume hat im Vergleich zum Entwurf von 2017 im definitiven Richtplan zusätzlichen Raum erhalten. «Wir haben das Fazit aus unserem Freiraumkonzept auch noch in den Richtplan aufgenommen», erklärte Bernath. «Wir wollten damit deutlicher machen, dass man bei Fragen der Siedlung und der Bebauung auch immer die Freiräume berücksichtigen muss.» So ist etwa festgehalten, dass auf Stadtgebiet pro Einwohner 20 Quadratmeter öffentlicher Freiraum bereitgestellt werden soll.

Auch das Thema der Raumnutzerdichte – die Konzentration von Einwohnern und Beschäftigten pro Fläche – ist im definitiven Richtplan genauer dargestellt als im Entwurf. So gibt es neu eine Karte der angestrebten Raumnutzerdichten in der Stadt. Die höchste Dichte weisen dabei die Altstadt und die rundherum gelegenen Transformationsgebiete aus, also die Mühlenen, das Mühlental, die Bleiche, der ­Güterbahnhof und Ebnat West. Die Raumnutzerdichte soll in dicht bebauten und ­gemischt genutzten Gebieten höher sein als in reinen Wohnquartieren. Damit hat die Stadtplanung schon einen wichtigen Schritt zur Umsetzung des Richtplans getan. Katrin Bernath sagt: «Am Schluss sollen die Vorgaben im Richtplan auch in die Bauordnung und den Zonenplan übersetzt werden.» Denn der Richtplan bildet nun die Grundlage für die anstehende Überarbeitung des Zonenplans und der Bauordnung der Stadt Schaffhausen. Der Richtplan ist noch nicht eigentümerverbindlich. Damit eine innere Verdichtung möglich ist, sind die Vorgaben in der ­Bauordnung und im Zonenplan entsprechend anzupassen. Der Stadtrat schreibt: «Der Richtplan Siedlung zeigt die Ent­wicklungsmöglichkeiten auf; ob und in welchem Zeitraum die ausgewiesenen Potenziale realisiert werden, ist von den mehrheitlich privaten Grundeigentümern abhängig.»

Der Stadtteil Hemmental wurde im vorliegenden Richtplan noch nicht behandelt. «Es liegt bereits ein Entwurf für Hemmental vor», sagte Bernath. Dieser soll der Bevölkerung vorgestellt und verabschiedet werden, bevor dann die Arbeiten am Zonenplan und an der Bauordnung für die ganze Stadt starten. Hemmental hat heute noch eine eigene Bauordnung.

Qualitätskriterien für Hochhäuser

Zusätzlich zum Richtplan hat der Stadtrat eine Wegleitung für das Bauen von ­höheren Häusern und Hochhäusern beschlossen. Als höhere Häuser gelten Gebäude ab 25 Metern, ab 30 Metern wird von Hochhäusern gesprochen. Die Gebiete, in denen Hochhäuser denkbar sein sollen, wurden dabei nochmals genauer definiert. Gewisse Gebiete wurden als «langfristige Option» zurückgestellt (siehe Karte). Bernath sagt: «Damit wollten wir zeigen, dass es um eine langfristige Entwicklung geht und nicht von heute auf morgen überall Hochhäuser stehen werden.»

Gleichzeitig wurden in der Wegleitung ein Planungsprozess definiert und konkrete Anforderungen für Hochhäuser festgelegt. Damit eine sorgfältige und qualitätsvolle Planung sichergestellt werden kann, wird unter anderem ein Wettbewerbsverfahren unter Einbezug der Stadtplanung gefordert. Bei der Frage der Beschattung wird auf die Praxis des Kantons Zürich verwiesen. Auch müssen Auswirkungen auf Lärm, Durchlüftung und Verkehr geprüft werden.

Wichtige Grundlage für den Richtplan ist das revidierte Raumplanungsgesetz des Bundes, das 2013 auch von der Schaffhauser Bevölkerung deutlich angenommen wurde. Es fordert eine haushälterische Nutzung des Bodens. Für das Siedlungsgebiet bedeutet dies, dass die Entwicklung nach innen erfolgen soll. Wie diese Ziele im Kanton Schaffhausen umgesetzt werden, ist im kantonalen Richtplan festgehalten, der am 10. Dezember 2018 vom Kantonsrat verabschiedet wurde. Darin wird von den Gemeinden eine Siedlungsentwicklungsstrategie verlangt, die nun für die Stadt Schaffhausen in der Form des Richtplans Siedlung bereits vorliegt.

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