Das Gewerbe kritisiert die Parkplatzverlegung

Autor
Dario Muffler

Die Kurzzeitparkplätze am Bahnhof sollen aufgehoben werden. Das Vorhaben löst heftige Kritik seitens des Gewerbes aus. Zahlen zeigen, dass die Plätze nicht jederzeit ausgelastet sind.

Heute befinden sich die Kurzzeitparkplätze beim Busbahnhof. Diese sollen gemäss den Plänen des Stadtrats aufgehoben werden. Bild: Selwyn Hoffmann

Parkplätze sorgen in Schaffhausen für emotional geführte Diskussionen. Zuletzt erst wieder am Dienstag an der Sitzung des Gros­sen Stadtrats. Dort wurde über eine neue Verordnung zum Parkieren in den Wohnquartieren der Stadt Schaffhausen gestritten (siehe SN von gestern). Doch auch die Aufhebung von Parkplätzen in der Schaffhauser Altstadt erhitzte die Gemüter in den letzten Jahren. Und jetzt kommt es wieder zum Streit rund um den Abbau von Parkplätzen in der Innenstadt.

Diesmal geht es um die Kurzzeitparkplätze auf der Bahnhofstrasse. Vergangene Woche präsentierte der Stadtrat eine Planungsvorlage, in der er eine Neugestaltung der Bahnhofstrasse skizziert. Die fünf Plätze oberhalb des Löwengässchens und die vier Felder beim Gleis 1 sollen aufgehoben werden. Der Grund dafür ist die Verschiebung des Güterumschlags von der Mitte an den Rand der Bahnhofstrasse. Künftig sollen die Plätze hinter dem Landhaus an der Spitalstrasse als Kurzzeitparkplätze zur Verfügung stehen.

«Jetzt schon zu wenig Parkplätze»

Für das Ansinnen, Parkplätze abzubauen, erntete der Stadtrat bereits Kritik von verschiedener Seite. So geisselte die FDP der Stadt die Vorlage als realitätsfremd. FDP-Grossstadträtin Nicole Herren äussert sich nun auch im Namen des städtischen Gewerbeverbands zur Parkplatzthematik. «Wir haben jetzt schon das Problem, dass es zu wenig Plätze gibt», sagt die Präsidentin. «Dass man die Situation an der Bahnhofstrasse überdenkt, ist angebracht. Dabei Parkplätze verschwinden zu lassen, ist aber falsch.»

Insbesondere vom Abbau betroffen sieht sie das Gewerbe auf dem Bahnhofsareal. «Bisher konnte man hinfahren, seine Torte in der Confiserie abholen und wieder gehen», so Herren. «Und man stelle sich einmal vor, dass die Hauptpost in Schaffhausen künftig gar keine Parkplätze mehr in der Nähe hätte.» Die Post ihrerseits bestätigt, dass sie weder über eigene Kurzzeitparkplätze noch über den Platz verfüge, um neue Parkplätze schaffen zu können. Mediensprecher Markus Werner schreibt zudem: «Die Post ist interessiert an einer attraktiven und belebten Bahnhofstrasse. Dies auch im Hinblick auf eine unkomplizierte Anlieferung zur Filiale. Mit dem Wegfall der Plätze werde die Post unattraktiver, warnt Herren. «Wenn man ein schweres Paket von der Bogenstrasse bei der Kantonalbank bis in die Post tragen muss, ist das zu weit für ältere Personen», sagt sie. Dagegen hält Tina Nodari, Stabsleiterin des Baureferats der Stadt Schaffhausen, dass dafür nach wie vor der Platz für den Güterumschlag genutzt werden kann. «Den Platz darf man heute schon nutzen, wenn es verhältnismässig ist», sagt Nodari. Sprich: Eine ältere Dame darf dort parkieren, wenn sie ein schweres Paket auf die Post bringen möchte. Ein junger, kräftiger Mann hingegen würde von der Polizei weggewiesen, wenn er dort anhalten wollte, um einen Brief aufzugeben.

«Sehr tiefe Auslastung»

Nicole Herren wie auch Frank Schneider von Pro City empfinden den Vorschlag, die Kurzzeitparkplätze hinter das ehemalige Landhaus zu verlegen, als problematisch. Nicht nur, weil der Weg ins Bahnhofsgebäude weiter sei: «An der Spitalstras- se herrscht ein Gerangel», sagt Schneider. «Um 17.30 Uhr hat man keine Chance, dort zu parkieren.» Und Herren sagt: «Die Spitalstrasse ist heute bereits konstant über- lastet.» Das lässt Nodari so nicht stehen. «Wir sind in Schaffhausen noch weit weg von ­einem Verkehrskollaps», sagt sie. «Es stimmt einzig, dass die Strasse während des Feierabendverkehrs überlastet ist.»

Ebenso nur zu Stosszeiten ausgelastet seien die Parkplätze hinter dem Landhaus, sagt Romeo Bettini, Bereichsleiter Sicherheit und öffentlicher Raum. Die Auslastung der Parkplätze 2017 zeigt, dass diese nur zu 30 Prozent besetzt sind. «Wie es aussieht, sind die Parkplätze vor allem abends und an den Wochenenden gut ausgelastet», so Bettini. «Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass bei Kurzzeitparkplätzen die Gebühr leider nicht immer bezahlt wird.» Ähnlich tief ist die Auslastung anderer Parkplätze beim Bahnhof. An der Bogenstrasse weisen sie eine Auslastung von 45 Prozent auf, die 14 Stück entlang der Vorstadt sind zu 51 Prozent ausgelastet. «Unsere Statistik zeigt auf, dass es offenbar zu den meisten Zeiten genügend freie Parkplätze in der Umgebung des Bahnhofs hat. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass man die Plätze auf der Bahnhofstrasse ohne Einschränkung für die Autofahrer zugunsten der Zulieferer aufheben kann», ist Bettini überzeugt.

 

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