«Im aktuellen Song setzen wir ein Zeichen gegen den Trend»

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Schaffhauser N…

Unser Kopf der Woche ist Rapper Mello alias Andrin Kaufmann. Er ist fasziniert von der Vielfalt, die der Hip-Hop bietet.

Rapper Mello: Der nächste Song wird ­demnächst erscheinen. Bild: Silvan Baumann

Leicht bekleidete Damen, protzige Autos, fünf Goldringe an jeder Hand: Das ist das Bild, welches wir aus Youtube vom Hip-Hop kennen. Das saubere und aufgeräumte Tonstudio in den Katakomben des Güterbahnhofs in Schaffhausen passt so gar nicht in dieses Bild, und auch die darin produzierte Musik steht klar im Widerspruch zum Hip-Hop-Mainstream. Songs unter der Gürtel­linie mit einfachen Texten zu produzieren, das sei einfach, sagt Rapper Mello alias ­Andrin Kaufmann. «In unserem neuen Song machen wir das bewusst anders.»

Vergangene Woche veröffentlichten er und sein Partner Crack ihr fünftes Musikvideo mit dem Titel «Got You» (shn.ch berichtete). Ein Video, in dem eine junge Frau von ihrem Verehrer ausgeführt wird. Zuerst zum Essen, dann ins Kino. Alles gesittet und ohne nackte Haut, Waffen oder Drogen. Ein klares ­Statement gegen den Trend, meint Mello. Denn im Moment würden viele Rapper auf die Karte Gangster-Rap setzen. Sinnlose Texte mit zum Teil frauenverachtenden Aussagen, ohne Tiefgang und Hintergrund. Deshalb gehe im Video der Verehrer mit seiner Flamme auch nicht in den von ihm favorisierten Film, und am Steuer des Kleinwagens sitze die Dame, nicht der Mann, erklärt der Rapper weiter. Sie seien beide überrascht, wie gut das Video bei ihrer Community ankomme, trotz dem alter­nativen Statement.

«Prolo-Rap» zu verurteilen, sei jedoch nicht das Ziel, betont Mello. «Für mich ist Hip-Hop eine Möglichkeit, dem Publikum zu zeigen, was mich bewegt.» Viele Künstler, auch grosse Hip-Hop-Stars, würden in ihren Texten aus ihrem Leben erzählen. Je nachdem wie man sich fühle, könne einem der richtige Song Auftrieb geben, motivieren oder gar trösten. Manchmal stehe jedoch auch er mit dem falschen Fuss auf oder sei schlecht gelaunt, meint der 26-Jährige. «Dann entsteht eben ein aggressiverer Text mit weniger Tiefgang.»

Für ihn sei das kein Widerspruch zur Absicht, die hinter dem Song stehe. Künstlerische Freiheit und die Vielfalt, die der Hip-Hop bietet, sind ihm wichtig. «Solange du real bleibst, kannst du im Hip-Hop alles machen.» Diese Diversität sei für ihn auch das Faszinierende und das, was ihn bereits seit seiner Kindheit begleite. «Als wir dann 2009 mit dem gemeinsamen Musikmachen begannen, war Hip-Hop noch ein Strassending», erinnert sich Mello. Man habe sich in der Stadt getroffen und sei in kleinen «Battles» gegeneinander angetreten. Heute bringe jeder seine eigenen Ideen und Erfahrungen ein. Das Duo Crack & Mello hat denn auch keine feste Richtung in seiner Musik. «Wir probieren immer wieder neue Dinge aus und versuchen, das Genre Hip-Hop voll auszureizen», so Mello. Auch der nächste Song werde eine bunte Mischung.

Damit in der Schweiz Fuss zu fassen, sei jedoch nicht einfach, betont Mello. Viele Leute hätten noch Vorurteile gegenüber Hip-Hop, und daher sei es schwierig, sie von dessen Vielfalt zu überzeugen. (sil)

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